Reizthema

Ist der Wolf reif für den Abschuss? Premium

Der angeordnete Abschuss von zwei Wölfen in Norddeutschland hat die Debatte um eine Aufnahme ins Jagdrecht neu angeheizt. Der Druck auf die Politik nimmt zu.

Eilmeldung: Roddy soll sterben!“ Die Nachricht löst Entsetzen in der Onlinewelt aus. Dabei ist „Roddy“ kein plüschiges Eisbärbaby aus dem Berliner Zoo, sondern ein anderer Name für „GW717m“, den Leitrüden aus dem Rodewalder Wolfsrudel in Niedersachsen.

Zum Abschuss frei

Das Niedersächsische Umweltministerium hatte den Wolf im Januar 2019 zum Abschuss freigegeben. Begründung: Der Wolf hat mehrfach Rinderherden angegriffen, erwachsene Kühe verletzt und nicht nur Kälber, sondern auch zweijährige Rinder gerissen. Die Weiden waren mit drei oder vier Reihen Stacheldraht umzäunt. Alle dokumentierten Risse lassen sich per DNA-Probe auf den Rüden zurückführen. Insgesamt gehen 40 Risse auf das Rodewalder Rudel zurück, darunter auch Ponys und ein Alpaka. DNA-Proben zeigen, dass auch eine Fähe mit GW717m Rinder reißt. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geht davon aus, dass die Nachkommen des Wolfspaares die Fähigkeit, erwachsene Rinder zu töten, erlernen werden.

Im Februar hatte der Freundeskreis freilebender Wölfe Einspruch gegen die „Entnahme“, wie der Abschuss im Behördendeutsch heißt, erhoben. Das OVG Lüneburg hat diese jetzt abgewiesen. Die Tötung des Wolfs GW717m sei gerechtfertigt, weil damit erhebliche wirtschaftliche Schäden abgewendet würden. Es sei ein unkalkulierbares Risiko für andere Rinderhalter, dass der Wolf seine Fähigkeit an Nachkommen weiter gebe, so die Richter. Schutzmaßnahmen wie ausreichend hohe Elektrozäune, Behirtung oder das nächtliche Einpferchen der Tiere seien nicht zumutbar, zumal diese flächendeckend von allen Rinderhaltern im Territorium des Rodewalder Rudels ergriffen werden müssten.

Massive Kritik

Ähnlich wie beim Abschuss des Wolfs MT6 („Kurti“) im Jahr 2016 löst die Verfügung einen Ansturm der Entrüstung aus. Gleiches gilt für den Wolf „Dani“ in Schleswig-Holstein, der ebenfalls zum Abschuss freigegeben ist.

Der NABU schätzt die „Situation des Rodewalder Rudels auch als kritisch ein, da das Rudel „tatsächlich gelernt hat, Kälber, Jungrinder, kleine und junge Pferde zu reißen“. Allerdings hält der Verband die Begründung des NLWKN für die Abschussgenehmigung fachlich für falsch. Es gäbe keinen Selbstschutz bei Herden, wonach laut NLWKN ein Wolfszaun bei Rinder- und Pferdeherden nicht nötig sei.

Der NABU und andere Organisationen wie der Freundeskreis Freilebender Wölfe oder der Verein Wolfsschutz Deutschland fordern daher auch wolfssichere Zäune für Rinder- und Pferdeherden.

Zu viele Zäune unerwünscht

Dass die Debatte zwangsläufig in eine Sackgasse führen muss, zeigt folgendes Beispiel: Das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das sich auch für den Wolf stark macht, kritisiert in dem „Erneuerbare Energien Report 2018“ die Umzäunung von Solarparks. Denn ...

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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Diskussionen zum Artikel

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von Karlheinz Gruber

Der Wolf ist für einen Abschuss nicht Reif!!!

Er ist Überreif!!

von Willy Toft

Eine scharfe Bejagung des Wolfes, ist die einzige Chance der Lage Herr zu werden!

Der Wolf wird dadurch nicht ausgerottet! Er wird sich wieder etwas zurückziehen, was auch wünschenswert wäre!

von Andreas Bahnmüller

Geht´s noch

Bis wann wollen wir hier in Deutschland wieder Bananen anbauen? Das gab´s in der Geschichte sicher auch schon mal - man muss nur weit genug zurückgehen. Wie bescheuert sind wir eigentlich? Man muss nur mal die Debatte um´s Impfen mit verfolgen - da lassen wir auch längst ausgerottete Bedrohungen unserer Gesellschaft wieder aufkommen.

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