"Wir haben es satt"

Kritiker demonstrierten in Erfurt für Agrarwende

Das Bündnis "Wir haben es satt" hat vergangene Woche in Erfurt vor der Agrarministerkonferenz für eine Agrarwende demonstriert. Mit dabei waren AbL, Grüne, BUND, NABU und weitere...

Anlässlich der Agrarministerkonferenz sind am 28. September über 1000 Agrarkritiker für eine Agrarwende durch die Erfurter Innenstadt gezogen.

Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) hatten 18 Thüringer Verbände zur „Wir haben es satt!“-Demonstration aufgerufen, die unter dem Motto stand: „Du hast die Wahl: enkeltaugliche Landwirtschaft jetzt! - Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen!" Bei der Abschlusskundgebung standen die Landwirtschaftssprecher von CDU, SPD, LINKE sowie den Grünen den Organisatoren Rede und Antwort.

Thüringens Umweltministerin und Grüne-Spitzenkandidatin Anja Siegesmund sagte laut MDR, es gehe um eine naturnahe Landwirtschaft, für die vor allem kleinere Familienbetriebe stünden. Sie forderte unter anderem ein Existenzgründerprogramm für kleinere Höfe und einen Flächenpool, damit junge angehende Bauern einfacher an Land kommen könnten.

Die Thüringer Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow sagte, es müssten auch für Biobauern Möglichkeiten geschaffen werden, Land in Thüringen zu bekommen. Sie warnte davor, dass immer mehr Agrarflächen an Investoren gingen und betonte die Notwendigkeit eines Agrarstrukturgesetzes in Thüringen. Agrarministerin Birgit Keller (Linke) hatte bereits angekündigt, dass an einem solchen Gesetz gearbeitet werde. Die Grünen, die zusammen mit den Linken und der SPD in der Regierung sind, wollen einen eigenen Gesetzentwurf präsentieren.

Auch für Michael Grolm, Berufsimker und Landesvorsitzender der AbL Mitteldeutschland, ist der Ausverkauf der Landwirtschaft an Investoren ein drängendes Problem. „Wir brauchen junge, kreative Betriebe in der Landwirtschaft, die den zunehmenden Bedarf an hochwertigen und regionalen Lebensmitteln decken können." Die AbL fordert ein Agrarstrukturgesetz, um Investorenkäufe zu regulieren.

Protestschild (Bildquelle: www.wir-haben-es-satt.de)

Unterstützung erfuhren die Demonstranten vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Thüringen: "Wir brauchen eine nachhaltige Landwirtschaft!“, fordert Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen und Mitinitiator der Demo. „Das bedeutet vor allem die Abkehr von dem Glauben, Landwirtschaft müsse nach Industriestandard für den Weltmarkt produzieren. Denn nicht die Agrarindustrie macht uns satt und ernährt die Weltbevölkerung, wie immer wieder behauptet wird. Die bäuerliche Landwirtschaft bildet das Rückgrat der Welternährung. Deshalb brauchen wir eine Agrarpolitik, welche eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft fördert und auf regionale Wirtschaftskreisläufe setzt.“

Martin Schmidt, Landesvorsitzender des NABU Thüringen, der die Veranstaltung ebenfalls als Träger unterstützt, schlägt den Bogen zum Naturschutz in Thüringen: "Unsere ausgeräumte Agrarlandschaft bietet weder Insekten oder Wildkräutern noch Tieren einen angemessenen Lebensraum – von den Menschen ganz zu schweigen. Die übergroßen Schläge müssen endlich kleiner werden und neue Hecken und Landschaftsbäume gepflanzt und gepflegt werden. Das muss die neue Landesregierung nach der Wahl anpacken!"

Traktoren in Erfurt; die Demonstranten sind gegen den Weltmarkt, landwirtschaftliche Produkte sollten vor der Haustür und nur für den heimischen Markt produziert werden. (Bildquelle: www.wir-haben-es-satt.de)

Dieser Demonstrant ärgert sich offenbar über einen zu langsamen Ausstieg aus Glyphosat (Bildquelle: www.wir-haben-es-satt.de)

Zuvor hatte schon der DBV gegen das Insektenschutzpaket demonstriert

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Leserfrage: Grünes Kennzeichen auf einer Demo?

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Claus Mahnken

Öko

Ich weiß wie das Möglich ist ; Raus aus der EU ,dann können wir unsere eigene Landwirtschaft betreiben. Die ganz den Vorstellungen der "Wir haben es satt "Idiologen entspricht .Tschüß Deutschland

von Wilhelm Grimm

@ Bernd Müller. Lächerlich ja, aber

das ist das Ziel unserer deutschen Politik.

von Gerhard Steffek

???

War das ein Treffen von Traumtänzern? Die Wirklichkeit sieht leider anders aus und sie wird definitiv nicht in ihre Richtung gehen. Denn dafür sorgen diese Verbände schon selbst. Mit viel Meinung, aber wenig Ahnung kann man keine Richtung vorgeben die zukunftsweisend ist.

von Bernd Müller

Lächerlich

Es geradezu grotesk, dass Verbände für mehr Klimaschutz demonstrieren, die sich für eine Landwirtschaft einsetzen, die nachweislich eine schlechtere Klimabilanz bezogen auf das erzeugte Produkt hat. Verbraucherver.....ung!

von Wilhelm Grimm

AbL

Abl

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