Landsberg

Landwirt wegen ausgemähter Kitze verurteilt

Ein Landwirt hatte vor der Wiesenmahd vergeblich versucht, den Jagdpächter zu erreichen. Bei der Mahd kamen dann zwei Kitze zu Tode. Das Gericht sieht die Schuld beim Bauern...

Das Amtsgericht Landsberg hat einen Landwirt wegen „Tötung von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund“ zu einer Geldstrafe von 2.400 Euro (60 Tagessätze zu 40 Euro) verurteilt.

Der 35-jährige Landwirt aus der Ammersee-Region hatte zwei Kitze ausgemäht und anschließend zum Waldrand getragen, berichtet der Münchner Merkur. Dort fand sie der Jagdaufseher; der Jagdpächter erstattete daraufhin Anzeige.

Vor Gericht beteuerte der Landwirt laut der Zeitung, beim ersten Schnitt des Jahres stets vorsichtig und langsam zu fahren, um den Bereich vor dem Mähwerk im Blick zu behalten. Die Kitze habe er nicht gesehen. Er habe sogar vor der Mahd versucht, den Jagdaufseher zu erreichen. Auf dessen Mailbox soll er eine Nachricht hinterlassen haben. Aufgrund einer falschen Nummer sei die aber wohl nicht angekommen.

Der Richter war jedoch der Meinung, dass der Landwirt vor dem Mähen keinerlei Sicherungsvorkehrungen getroffen habe. Nur auf eine Mailbox zu sprechen, reiche nicht aus.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Jens Geveke

@ Scheppach

bitte zeigen Sie uns die Technik, und wir werden sie einbauen. Es gibt sie allerdings nicht: Wärmesensoren funktionieren nur Nachts, da ansonsten kleine Erdhaufen genauso erfasst werden wie Kitze. Aufschreckungstechnik geht auch nicht, da die Kitze in den ersten Lebenstagen keinen Fluchtreflex haben. Bitte, wenn Sie behaupten dass es die Technik gibt, dann bringen Sie sie au den Markt oder geben uns den Kontakt zu den Firmen.

von Norbert Scheppach

nur konsequent!

Das ist juristisch nur konsequent und gesetzlich so gewollt. Die Landwirtschaft kommt nicht darum herum, sich entsprechend zu postionieren und technisch darauf einzurichten. Wenn das Absuchen nicht zu organisieren ist, dann helfen nur Drohnen mit Wärmebildkameras oder entsprechende Sensoren an den Mähwerken, die über Isobus sofort die Maschine zum Stehen bringen. Es ist ja nicht so, dass die Technik nicht grundsätzlich existiert. Dass Wildtiere woanders auch zu Schaden kommen, ist in dem Zusammenhang unerheblich. Wildunfälle im Verkehr werden mit Sicherheit demnächst auch auf diese Frage hin untersucht und eine Verurteilung von Fahrzeugführern, die Wildhinweisschilder in der Form missachten, dass sie weiter mit 100 km/h durchfahren, wird zu erwarten sein - zu Recht im Übrigen. Das wird dann auch Städter treffen.

von Karlheinz Wiesmann

Die Landtechnik ist gefordert.

Kitzrettung und Mähtod sind in letzter Zeit sehr in das öffentliche Interesse gerückt. Die Höhe der verhängten Strafen sollten neben ethischen Aspekten für die Landtechnikindustrie Ansporn und Verpflichtung sein praktikable Verfahren zur Ortung von Kitzen beim Mähvorgang zu entwickeln.

von Ahrend Höper

Der Jagdpächter erstattet Anzeige?

Der wäre die längste Zeit mein Jagdpächter gewesen. Jeder Schaden den Wild durch landwirtschaftliche Arbeit nimmt ist zubedauern. Keine Frage! Andererseits ist Wildschaden in den ldw Kulturen und in den Wäldern nicht unerheblich. Wenn der Bauer die Kitzen gar nicht bemerkt hätte, hätte mit 50 % Wahrscheinlichkeit der Adler, der Kolkrabe, der Fuchs oder Wolf tot oder lebendig die Kitze sowieso gefressen. Das ist Natur! Das nun so ein Richter dem links Grünen populistischen Mainstream folgt und die Landwirtschaft als Sündenbock für alles und jedes anprangert geht eindeutig zu weit und ist stark zu hinterfragen. Übrigens gibt es zu viel Rehwild, die im Wald massiven Schaden an jungen Bäumen anrichten. Vor Gericht und auf hoher See bist du vor nichts sicher!

von Marc Rollinger

Die Richter

Diese gescheiten Menschen scheinen nicht viel von Landwirtschaft und Jagd zu verstehen. Wer soll den auf den ganzen MähFlächen in der kurzen Erntezeit die Kitze alle absuchen können. Gibt es soviele Drohen und engagierte freiwillige Leute, die das deutschlandweit hinbekommen können? Oder wird der bauer schlussendlich dazu gezwungen alles selbst zu tragen. Am besten wären die Kitze bei den Wildschweinen im Zentrum von Berlin, da kommt kein böser Bauer oder Jäger... Wo sind die freiwilligen Krautentferner auf den Äckern? Die Kläranlagen verseuchen die Gewässer und der Landwirt kann es austragen. In welcher Branche gibt es vergleichbares? Nirgends! Aber dämliche Urteile fällen und diese mit Besserwisserei begründen, das scheint einfacher zu sein. Nebenbei muss das Urteilen ja auch noch finanziell entschädigt werden, die Richter sind ja keine Gottgesandten. Es wird weiter nur auf die Bauern eingeprügelt, bis der letzte Familienbetrieb aufgibt, weil er es satt hat. Danach kommen Industriebetriebe und fremde Investoren, die kaufen alles auf. Will das Volk es so haben?

von Gerd Uken

Rehkitze geben auch keine Witterung ab

Somit ist auch die Suche mit dem Hund sehr schwer, nicht jeder hat eine Drohne mit Wärmebildkamera... Ich möchte mal sehen was passiert wenn ein Jagdpächter nicht mehr jeden Wildunfall auf nimmt.....

von Jens Geveke

Dann müssen Wildunfälle im Strassenverkehr auch neu beurteilt werden...

da stehen Schilder "Achtung Wildwechsel", man befindet sich im Waldgebiet und erfasst ein Reh. Wer bekommt schuld ? Das Reh. Die Versicherung zahlt den Schaden am PKW. Der Jäger hilft sogar noch mit einer Wildunfallbestätigung. Wo ist der Unterschied zum Unfall auf dem Grünland ? Keiner mäht mit Absicht Kitze durch, jeder versucht das irgendwie zu vermeiden, aber die Technik und Möglichkeiten stösst da einfach an Grenzen. Bei der öffentlichen Meinungsbildung dazu helfen auch noch solche Bilder wie zu diesem Artikel, denn Richter meinen, dass man Rehkitze in dieser Form im Grünland finden kann. Wer schon mal mit gesucht hat, weiss, dass sie selbst zu Fuss tatsächlich kaum zu erkennen sind.

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