Forum Moderne Landwirtschaft

Landwirtschaft braucht neue positive Botschaften

Die Bevölkerung hat Verständnis für die Bauernproteste und großes Interesse an der Landwirtschaft. Sie sieht ein riesiges Potential für regionale Lebensmittel, für faire Preise, für mehr Wertschätzung

Große Chancen für die Landwirtschaft bieten nach Auffassung der Geschäftsführerin vom Forum Moderne Landwirtschaft (FML), Lea Fließ, die gegenwärtigen Bauerndemonstrationen und die Reaktionen darauf.

„Die Bevölkerung hat Verständnis für die Situation und die Wut der Bauern und zudem ein großes Interesse an der Landwirtschaft und ihren Herausforderungen“, sagt Fließ im Interview mit AGRA-EUROPE. Nach ihrer Überzeugung entsteht daraus „ein riesiges Potential für die Landwirtschaft, das wir nutzen müssen“. Fließ: „Statt dagegen zu sein, müssen wir dafür sein - für regionale Lebensmittel, für faire Preise, für mehr Wertschätzung.“ Die Landwirtschaft brauche neue, positive Botschaften.

Den Organisatoren der Proteste bescheinigt die Geschäftsführerin eine beachtliche Leistung. Ihnen sei es gelungen, die Landwirtschaft in einer ungeheuren Geschwindigkeit und in kurzer Zeit auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören und zu mobilisieren. Generell seien Graswurzelbewegungen wendiger und flexibler als etablierte Verbände, weil sie keine langwierigen, internen Abstimmungsprozesse hätten. Gleichzeitig mache sie das aber auch instabiler.

Bei den Landwirten erkennt Fließ zwar ein gewachsenes Bewusstsein für die Bedeutung von Kommunikation. Gleichzeitig mangele es jedoch nach wie vor vielen an der Einsicht, dass Kommunikation genauso Expertise erfordere wie Buchhaltung, Ackerbau oder Tiergesundheit. „Ein paar Bilder aus dem Stall bei Instagram reichen nicht für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit“, so die FML-Geschäftsführerin.

Landwirte mit der Bevölkerung ins Gespräch bringen

Ausdrücklich begrüßt Fließ die von der Bundesregierung angekündigte Intensivierung des Dialogs über Landwirtschaft. „Es kann nicht genug getan werden in diesem Bereich“, betont die „gelernte“ Journalistin.

Das Forum plane für dieses Jahr eine „Bauerntalk-Tour“ mit rund 20 Stopps quer durch Deutschland. Bei denen gehe es darum, Landwirte mit der Bevölkerung ins Gespräch zu bringen. Nach wir vor gleich wichtig für das FML seien die Online-Kommunikation und die direkte Ansprache über AgrarScouts. „Online können wir deutlich mehr Menschen erreichen als bei einer Aktion, bei der sich ein Dutzend AgrarScouts ins Stadtzentrum stellt und pro Stunde mit rund zehn Menschen ins Gespräch kommt“, erläutert Fließ.

Gleichzeitig sei das persönliche Gespräch nachhaltiger als ein kurzer Dialog auf Facebook. Künftig werde das Forum bei seinen Aktionen stärker auf Qualität als auf quantitative Reichweite setzen: „Wir richten uns stärker an Multiplikatoren, Influencer, diejenigen, die die Leistungen der Landwirtschaft in Sachen Umweltschutz und Tierwohl erkennen und mit uns gemeinsam weiterentwickeln und -tragen wollen.“

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Früherer Microsoft-Manager wird Interims-Geschäftsführer beim Forum

Der frühere Microsoft-Politikchef Henrik Tesch übernimmt die operative Geschäftsführung beim Forum Moderne Landwirtschaft (FML). Der 56-Jährige vertritt ab Februar 2020 Lea Fließ, die bis März 2021 in Mutterschutz und Elternzeit geht.

Tesch wird das Forum dann wieder verlassen. Der Interims-Geschäftsführer war von 2005 bis 2016 bei Microsoft Deutschland als Direktor Corporate Affairs und Niederlassungsleiter tätig. Seither ist er selbständig im Bereich politische Kommunikation und PR tätig.

Fließ hatte Anfang 2016 die FML-Geschäftsführung übernommen, und zwar zunächst gemeinsam mit Dr. Christoph Amberger. Nach dessen Ausscheiden Ende Mai 2019 ist die studierte Journalistin alleinverantwortliche Geschäftsführerin. Vor ihrem Wechsel zum Forum war Fließ vier Jahre als Multimedia-Redakteurin im Ressort Politik/Wirtschaft der BILD-Zeitung in Berlin tätig. Weitere Stationen waren unter anderem N24, Welt Kompakt, sueddeutsche.de sowie das Bayerische Fernsehen.