Von Klaus Alfs

Neues Buch: "Kritik der vegetarischen Ethik"

Viele Vegetarier und Veganer haben für ihren Lebensstil ethische Gründe. Autor Klaus Alfs klärt in seinem neuen Buch „Kritik der vegetarischen Ethik – Wie vernünftig ist der Verzicht?“ auf.

Glaube man den Leitmeiden der deutschsprachigen Gebiete, kämen man nicht umhin, den Fleischverzehr drastisch zu reduzieren, damit der Planet vor dem Untergang bewahrt werden kann, heißt es in der Ankündigung zum neuen Buch von Klaus Alfs. In Umfragen geben die meisten Vegetarier und Veganer an, ethische Gründe für ihren Lifestyle zu haben. Die meisten würden sich dabei direkt oder indirekt auf die führenden Philosophen der Tierrechts- und Befreiungsbewegung berufen.

Das Buch „Kritik der vegetarischen Ethik“ von Klaus Alfs sei ein Beitrag zur Meinungsbildung und Meinungsvielfalt. Wer sich ernsthaft für die philosophische und praktische Seite seines Veggieburgers oder Schnitzels interessiere, komme an diesem Werk nicht vorbei.

Wir haben Klaus Alfs Fragen zum Buch gestellt:

Kurz zusammengefasst. Worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Alfs: Im Buch geht es darum, ob Vegetarier und Veganer ihrem Anspruch genügen können, eine überlegende Moral gegenüber allen zu vertreten, die Fleisch und Tierprodukte nutzen. Dies wird im Buch systematisch untersucht. Der ethische Vegetarismus wird mit seinem eigenem Maß gewogen und für zu leicht befunden.

Viele Landwirte haben sich mit dem Themenfeld bisher nur sehr wenig beschäftigt. Die Begrifflichkeit „Ethischer Vegetarismus“ ist für viele eher abstrakt. Was genau steckt dahinter?

Alfs: Der Begriff "ethischer Vegetarismus" ist ein Sammelbegriff. Man kann auch salopp von Moralvegetarismus sprechen. Es geht mir also nicht um Formen des Fleischverzichts, die z.B. allein aus Gesundheitsgründen, aus Geschmacksgründen oder ähnlichem praktiziert und begründet werden. Im Mittelpunkt des Buches stehen ethische Theorien (also das, was Philosophen sich ausgedacht haben), die zum Ergebnis kommen, dass Vegetarismus/Veganismus moralische Pflicht sei.

Warum sollten sich insbesondere Landwirte mit dem Thema beschäftigen bzw. das Buch lesen?

Alfs: Landwirte, die eine gewisse Lesefreude haben und auch mal über den Tellerrand schauen wollen, können in dem Buch viel darüber erfahren, warum die Lage so ist, wie sie ist.

Ich habe viele Jahre vergeblich versucht, Landwirtschaftsvertretern klar zu machen, dass der Schlüssel zum Verständnis ihrer Misere nicht in der Praxis, sondern in der Theorie liegt. Sie wissen gar nicht, dass der Rahmen, in dem sie mit Kritikern diskutieren, von tiefenökologischen und tierrechtlichen Philosophen gespannt worden ist, deren Denken sich im Alltagsbewusstsein festgesetzt hat. In Debatten über "Tierwohl", "Nutztierstrategien" und dergleichen können Vertreter einer modernen, effizienten Landwirtschaft niemals gewinnen.

Sie sind gelernter Landwirt sowie Diplom-Sozialwissenschaftler und haben bereits an dem Buch „Don’t go Veggie“ mitgeschrieben. Wie kam es dazu, dass Sie sich auf dieses Themengebiet spezialisiert haben?

Alfs: Tiefenökologie - also die Vorstellung, dass die Erde oder Natur Vorfahrt vor dem Menschen hat - und Tierrechtstheorien sind Teil eines massiven Generalangriffs auf die moderne Zivilisation und deren Errungenschaften. Ich habe mich deswegen mit diesen Phänomenen befasst, weil diese Bewegungen nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Mein jetziges Buch ist allerdings für mich ein Abschluss. Das Vorwort trägt nicht umsonst die Überschrift "Ich habe es satt!" Ich möchte mich mit dem Thema nicht mehr befassen.

Landwirte sehen sich im Internet zunehmend Hasskommentaren und Beleidigungen von Kritikern (u.a. von Vegetariern) ausgesetzt. Versuche, hier mit sachlichen Argumenten und Fakten die Vorwürfe zu entkräften, schlagen meistens fehl. Was empfehlen Sie Landwirten? Wie sollten Landwirte reagieren?

Alfs: Der Kampf der Landwirte für mehr Anerkennung in der Gesellschaft und eine auskömmliche Zukunft ist unter den derzeitigen Bedingungen aussichtslos. Ich bin nicht in der Position, Ratschläge zu erteilen. Ich kann nur sagen: Um in sozialen Netzwerken Wirkung zu erzielen, müsste man an einem Strang ziehen und ein klares Konzept haben. Man müsste von den Gegnern lernen.

Davon ist jedoch nichts zu merken. Man kann sich in dieser Sache nur aufreiben, und das gilt selbst für einen Bauer Willi. Das, was den Landwirten hierzulande das Wirtschaften unmöglich macht, steht bereits im Gesetz: Das Naturschutzgesetz steht seit 2002 im Zeichen des "Eigenwertes" der Natur, das Tierschutzgesetz im Zeichen der "Mitgeschöpflichkeit" mitsamt Verfassungsrang. Dagegen kann man gar nichts mehr unternehmen. Die Leute glauben weiter in aller Naivität, dieser gefährliche Nonsens sei eine gute Sache. Und solange sie das glauben, hilft ihnen auch kein Weh und Ach. Im Buch kann man lesen, warum diese Konstrukte enorm schädliche Wirkung entfalten.

Zum Autor

Klaus Alfs ist ausgebildeter Landwirt, Diplom-Sozialwissenschaftler und als Bassbariton musikalisch engagiert. Er ist Mitautor von "Don't go Veggie" (Udo Pollmer, Georg Keckl) und betreibt den Blog "Meinung Wahn Gesellschaft".

Hier gibt es mehr Infos zum Buch

Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Gerner

Die Moralvegetarier sind im Irrtum...

Moralvegetarier glauben ja insgeheim, dass alle Nutztiere, die nicht benötigt werden, in die Freiheit entlassen werden und dort glücklich leben dürfen. Folglich ginge es umso mehr Tieren gut, je mehr Verbraucher keine Tiere mehr bräuchten. Vegetarier/Veganer täten den Tieren also etwas Gutes und seien darum moralischer - dürfen sich wie moderne Helden fühlen. --- In der Realität wird ein Schwein, Huhn oder Rind, dass uns nichts nützt, aber doch gar nicht erst geboren!!! Korrekt ist also die Logik: "Wer kein Fleisch isst und keine Milch trinkt, verwehrt den Tieren von vornherein das Leben" Das ist dann genauso schlimm oder eigentlich sogar noch schlimmer, als ein Tier zu töten. Weitergedacht müssten Vegetarier/Veganer noch mehr verachtet werden, als ein Tiermörder. Nun kann der medial geprägte Vegetarier/Veganer entgegnen, das Tierleben in der üblichen Haltungsweise (angeblich Massentierhaltung, Qualzucht, Turbomast usw.) sei nicht lebenswert. Aber dann wäre die logische Konsequenz doch nicht Fleischverzicht, sondern ein striktes Achten auf Herkunft und Haltungsweise (Freiland, kurze Transporte etc) der Tiere. Der wahre moralische Held genießt also weiter sein Fleisch samt Milch und Eiern, kauft aber konsequent direkt beim Bauern im Hofladen ein. Nebenbei schmeckt's da auch am besten!

von Anton Obermeier

Die moralische Überlegenheit

des Fleischverzichts zeigt sich allein schon dadurch, daß (...) Vegetarier war.

von Anton Obermeier

Klaus Alfs

Leider wird dieses hochinteressante Buch in den Mainstreammedien nicht stattfinden. Die Ernährung ist mittlerweile zur Ersatzreligion verkommen, was gerade von den Tierschutzsekten ausgenutzt wird. Ausserdem kann man sich so von der Masse absetzen und seiner Existenz den Anstrich von Sinnhaftigkeit verleihen. Niederschmetternd ist natürlich die Feststellung der Kampf gegen das Bauernbashing sei aussichtslos. Aber wenn man sich in den Medien und Internetforen umsieht kann man dem nur zustimmen.

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