Landwirtschaft im Dialog

Nienhoff: Handel wird Tierwohlstandards fordern und fördern

„Tierhalter im Tierschutzstress“? Darüber wird im top agrar-Format "Landwirtschaft im Dialog“ am 28.11 in Berlin diskutiert. Wir haben Podiumsteilnehmer Hermann-Josef Nienhoff (QS) vorab befragt.

Die Initiative Tierwohl (ITW) fährt weiter in der Erfolgsspur. Warum ist die ITW aus Ihrer Sicht besser aufgestellt als z. B. das freiwillige staatliche Tierschutzlabel?

Nienhoff: Der wichtigste Punkt: Die Branche steht hinter der ITW. Über die ITW sind in den letzten Jahren bereits ca. 500 Mio. Euro in die Verbesserung des Tierwohls investiert worden - umgesetzt von Tierhaltern, belegbar und kontrolliert - und finanziert vom Lebensmitteleinzelhandel. Sie funktioniert, ist zuverlässig und schafft Planungssicherheit. Die Tatsache, dass die ITW aus dem bewährten QS-System heraus erwachsen und in der Umsetzung mit QS gekoppelt ist, bringt deutliche Vorteile. Und noch ein Punkt: Die Marktbeteiligten haben den Standard gemeinsam erarbeitet und um die richtigen Lösungen miteinander gerungen. Dieser Verständigungsprozess hat bei der praktikablen Umsetzung und Durchsetzung der ITW geholfen.

Die Diskussionen zum geplanten staatlichen Tierwohlkennzeichen hingegen zeigen, dass sich die Politik in teils konträren Vorstellungen verhakt. Die Ebnung eines machbaren, anerkannten und in den Märkten akzeptierten Wegs ist so nicht zu schaffen – und die geplante Freiwilligkeit lässt an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens zweifeln.

Für freiwillige Regelungen brauchen wir keinen Staat; und schon gar nicht, wenn er den Mehraufwand nicht zahlt, aber einen unübersehbaren Bürokratie- und Kontrollapparat installiert. - Nienhoff

Und last but not least fehlen dem staatlichen Ansatz die Voraussetzungen, dynamisch auf Veränderungen reagieren zu können.

Die Gesellschaft und in der Folge die Politik fordern mehr Tierwohl, das Umwelt- und Baurecht steht dem aber entgegen. Wie lassen sich die Konfliktfelder auflösen?

Nienhoff: Wir benötigen einen Verständigungsprozess zwischen Politik, Wirtschaft und Interessensgruppen und in diesem Zuge eine klare Aufarbeitung der Zielkonflikte. Hier müssen ergebnisorientiert Wege geebnet und dann zügig die notwendigen rechtlichen Änderungen angepackt werden. Da sollte die Politik mal Ernst machen, denn die aktuelle Unzufriedenheit der Erzeuger resultiert aus der Unsicherheit und der Unzuverlässigkeit. Eins ist jedenfalls unumstößlich: In der Konsequenz werden allein die Tierhalter die Maßnahmen umzusetzen haben – ohne ihre Bereitschaft mitzumachen geht es nicht.

Wenn Deutschland immer höhere Tierschutzstandards bekommt, leidet die Wettbewerbsfähigkeit. Wie können wir die deutschen Bauern vor preiswerten Importen schützen?

Nienhoff: Die Vorteile unserer Tierhalter liegen in ihrem ausgezeichneten Knowhow, den technischen und digitalen Chancen, der Marktnähe und in verstärkter Kooperation.

Die Agrarmarktstrukturverordnung beispielsweise ermöglicht Erzeugerzusammenschlüsse. - Nienhoff

Selbst Preisabsprachen sind denkbar, wenn sie einem übergeordneten Ziel dienen. Das Ziel muss gesellschaftlich akzeptiert und nutzbringend für die gesamte Branche sein. Konkrete Ziele beim Tierwohl sollte meines Erachtens diese Vorrausetzung erfüllen.

Auf den Taktgeber „Lebensmitteleinzelhandel“ müssen wir besonders achten. Der LEH setzt auf die heimische Erzeugung. Damit gewinnt er beim Verbraucher – Stichwort „regional“. Wünschen LEH oder andere Abnehmer in der Lieferkette Produkte mit definierten Tierwohlstandards, so bevorzugen sie ebenfalls die heimischen Erzeuger.

Der Handel wird Tierwohlstandards fordern und fördern, die in die gesetzten Haltungsformen passen. - Nienhoff

Damit haben die deutschen Erzeuger einen Trumpf in der Hand, den sie einsetzen und ihre Wettbewerbsvorteile wie Regionalität, Knowhow, Nachhaltigkeit sowie Vertrauen der Verbraucher aktiv nutzen sollten.

Landwirtschaft im Dialog zu „Tierhalter im Tierschutzstress“ am 28. November

Am 28. November steht ab 19 Uhr in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Berlin das Thema Tierschutz im Mittelpunkt. Wir wollen mit Politikern verschiedener Parteien aus Bund und Ländern, Bauern, Händlern und Vertretern von Umweltorganisationen und des Agribusiness diskutieren, was geschehen muss, damit die deutschen Tierhalter verlässliche und akzeptierte Zukunftsperspektiven bekommen, auf die sie bauen können.

Kostenlos anmelden!

Die Teilnahme an der Veranstaltung, die top agrar im Rahmen des neuen Diskussionsformats „Landwirtschaft im Dialog“ durchführt, ist kostenlos. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.seminare.lv.de

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Diskussionen zum Artikel

von Diedrich Stroman

QS ohne Mehrwert

Für die Bauern, setzten immer höhere Standarts fest, ohne das der LEH mehr dafür an Geldwert dafür rausrückt! Natürlich keine Antwort auf Billigmacher durch Importe UND gleichzeitig die Regeln ständig erhöhen!!!Auch ohne QS würden wir nicht mehr oder weniger erlösen behaupte ich ... mehr anzeigen

von Gregor Grosse-Kock

Genau so

Wichtig ist es die Befunder auf den Schlachthöfen zu zeigen wie eine Befundung wirklich oder der Wahrheit entspricht funktioniert. Es werden sehr viel Falsch Poitive Befunde gemacht. Die Veterinäre benehmen sich wie Götter - Unfehlbar. Aber wenn der Schlachthof -Chef kommt wie ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Wichtig ist zu erkennen:

Nienhoff ist kein Vertreter der Landwirte, die Interessen seiner Organisation sind ganz andere als die der Landwirte. Obwohl QS auch landwirtschaftliche Vertreter hat (über deren Qualität man sich auch streiten kann), ist es eine eigenständige Organisation und die Landwirte und deren ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Ob ITW den...

... Bauern oder den Tieren was bringt, ist eher fraglich. Nienhoff profitiert jedoch mit Sicherheit, und das nicht zu knapp!

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