Aktionsprogramm Insektenschutz

Runder Tisch Insektenschutz: "Landwirtschaft steht zu ihrer Verantwortung"

Bauernpräsident Eberhard Hartelt stellte beim Bundesagrarministerium klar, dass die Ursachenforschung und Maßnahmenumsetzung im Bereich Insektenrückgang nicht bei der Landwirtschaft stehen bleiben dürfe. Auch Ministerin Klöckner hält es für wichtig, nicht nur einen Verursacher rauszustellen oder Schuldzuweisungen reflexartig abzuwälzen.

Am Montag fand im Bundesagrarministerium ein Runder Tisch mit dem Titel „Insektenschutz: Landwirtschaft und Umwelt im Dialog“ statt. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sprach dabei mit Vertretern zahlreicher Landwirtschafts- und Umweltverbände und der Wissenschaft über die Insektenpopulation.

Die Ergebnisse des Gespräches werden in den kommenden Wochen ausgewertet. Im Anschluss daran haben die Beteiligten Gelegenheit zur Kommentierung. In einer weiteren Sitzung werden die Maßnahmenvorschläge dann endgültig abgestimmt. Ziel ist es, das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ der Bundesregierung aktiv und konstruktiv zu begleiten.

„Die Landwirtschaft braucht einen intakten Insektenbestand, und Insekten brauchen eine intakte Landwirtschaft. Das ist eine Symbiose, die mich umtreibt und die wir ohne Scheuklappen gemeinsam fördern können. Denn wir wissen um den Rückgang von Insekten, der wahrscheinlich flächendeckend ist", so Klöckner am Montag. Umweltschutz und Landwirtschaft müssten dabei Hand in Hand gehen.

Die Datenbasis sei aber noch ausbaufähig, da das bisherige Monitoring nur sehr punktuell funktioniert. "Ich halte es für wichtig, dass wir nicht nur einen Verursacher rausstellen, oder dass Schuldzuweisungen nicht reflexartig abgewälzt werden. Daher begrüße ich die konstruktive Diskussion mit allen Beteiligten.

Landwirte wollen Vielfalt gestalten

Eberhard Hartelt (Bildquelle: Archiv)

Beim Runden Tisch „Insektenschutz“ von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes, Eberhard Hartelt, am Montag die Bedeutung der Insekten für die Landwirtschaft betont: „Keine Branche ist mehr auf Bienen und andere Bestäuber angewiesen als wir Bauern. Deshalb wollen wir Landwirte Vielfalt gestalten und die Biodiversität fördern. Schon jetzt legen die Landwirte zahlreiche Blühflächen und Bienenweiden an, damit die Insekten Nahrung finden. Das soll noch mehr werden“.

Der DBV-Umweltbeauftragte und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd weist aber auch darauf hin, dass die Ursachenforschung und Maßnahmenumsetzung im Bereich Insektenrückgang nicht bei der Landwirtschaft stehen bleiben dürfe. „Flächenfraß, Straßenverkehr, Klimawandel, Lichtverschmutzung, Monotonisierung privater und kommunaler Grünflächen haben stark zugenommen, was den Insekten nachweislich Lebensraum nimmt“, so Hartelt. Er fordert zudem eine stärkere Differenzierung in der Debatte über Insekten. Die Kunst bestehe darin, auch in Zukunft landwirtschaftliche Kulturen vor Schädlingen schützen zu können und gleichzeitig Nützlinge zu fördern.

Die Landwirte würden bereits heute eine Vielzahl von Maßnahmen umsetzen, die auch der Förderung von Insekten dienten, betonte Hartelt. Bundesweit wurden von der deutschen Landwirtschaft alleine über das Greening im Rahmen der Europäischen Agrarpolitik bereits im Jahr 2017 auf rund 260.000 Hektar Puffer-, Wald- und Feldrandstreifen, brachliegende Flächen und Landschaftselemente angelegt, was über 350.000 Fußballfelder oder 1 x der Fläche des Saarlands entspricht.

Zusätzlich werden auf etwa 930.000 Hektar Zwischenfrüchte und Untersaaten angebaut, was über 1,25 Mio. Fußballfelder oder 0,5 x der Fläche Sachsens entspricht und auf 175.000 Hektar Leguminosen, was über 235.000 Fußballfeldern oder der Fläche von Berlin, Hamburg und Bremen zusammen gleichkommt. Die Landwirtschaft wird diese Maßnahmen auch in Zukunft engagiert.

Naturschützer drängen auf schnelle Maßnahmen

Florian Schöne (Bildquelle: DNR)

„Seit Monaten bleibt die Bundeslandwirtschaftsministerin konkrete Vorschläge schuldig, wie sie das vom Bundeskabinett in Eckpunkten verabschiedete Aktionsprogramm Insektenschutz unterstützen und mit Initiativen in ihrer Zuständigkeit ergänzen will“, kritisieren die Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutzbund Deutschland (NABU) und ihr Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR).

Als Verbände seien sie jederzeit zur Unterstützung bereit, wenn klar ist, dass es jetzt nicht mehr um die Frage des „ob“, sondern nur noch um das „wie“ geht. Denn es sei völlig unstrittig, dass eine immer intensivere Landwirtschaft mit hohen Einträgen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und ausgeräumten Landschaften den entscheidenden Anteil am Insektenverlust trägt, betonte DNR-Generalsekretär Florian Schöne.

„Das Bundesumweltministerium hat im Oktober umfangreiche Maßnahmenvorschläge vorgelegt, mit denen der Insektenschutz noch in dieser Legislaturperiode ernsthaft begonnen werden kann. Diese müssen die Grundlage für jede weitere Diskussion sein. Wir erwarten, dass das Landwirtschaftsministerium unverzüglich konkrete Vorschläge auf den Tisch legt, wie die in der Landwirtschaft angedachten Maßnahmen umgesetzt werden können,“ ergänzt Olaf Bandt, Geschäftsführer des BUND.

Die Verbände kritisieren zudem, dass sich die Bundesministerin bisher nicht zu den vorliegenden Vorschlägen der EU-Kommission für die EU-Agrarpolitik 2021-2027 positioniert hat. Eine Debatte über die milliardenschweren überwiegend umweltschädlichen Subventionen werde damit unterdrückt.

Hintergrund

Das BMEL will bis Mitte des Jahres eine nationale Ackerbaustrategie vorlegen. Sie soll Biodiversität und gesunde Böden verbinden und den Landwirten einen ökonomisch tragfähigen Pflanzenanbau ermöglichen. Das Eckpunktepapier für das Aktionsprogramm Insektenschutz wurde im vergangenen Sommer im Kabinett beschlossen. Dazu Julia Klöckner: "Mit dem Verbot von einigen Neonikotinoiden und meiner Minderungsstrategie für Glyphosat werden wir die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbundenen Risiken für Insekten reduzieren. Zusätzlich hat mein Ministerium allein im vergangenen Jahr rund sechs Millionen Euro für die Forschung zum Insektenschutz bereitgestellt und eine umfassende Initiative zum Aufbau eines Monitorings der landwirtschaftlichen biologischen Vielfalt gestartet. Wir tragen also dazu bei, dass in Zeiten der Pauschalisierung zielgenaue und exakte Lösungen gefunden werden.“

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Könnte es sein,

daß unsere ganzen NGO's Torschlußpanik bekommen? Abgesehen davon, es ist ja auch noch Wahlkampf für Europa. Da leistet man vielleicht auch noch gerne Schützenhilfe für die Sponsoren- und Gleichgesinntenparteien. Da kann man dann schon mal Hand in Hand arbeiten. Die Eine wäscht die Andere. Aber kann es sein, daß vor dem Hintergrund des Engagements der Landwirte die NGO's ihre Felle davonschwimmen sehen und jetzt nur noch auf den Zug aufspringen wollen, um hernach sagen zu können sie wären es gewesen die das ganze ins Rollen brachten? Das sich diese mit fremden Federn schmücken wollen, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen? Dem 08/15-Bürger in München kann man diesen Bären ja leicht aufbinden, hat dieser von LW doch keinerlei Ahnung und fällt deshalb allzugerne auf die Vision einer Blumenwiese vor den Toren seiner Betonwüste rein. Das Schnitzel und die Pizza, der Kuchen kommt ja schließlich nicht vom Acker sondern gibt es billig bei Aldi, Lidl und Coppenrath & Wiese. Hier wäre es dann aber eine Sache der Bauern, sowie der Staatsregierung sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Nicht das da ein paar schräge Vögel durchgefüttert werden, die nicht säen aber ernten wollen und zum Dank dafür die Hand die sie füttert auch noch zwicken.

von Gerhard Steffek

Glyphosat!!!

Ich kann es schon nicht mehr hören. Minderungsstrategie bei Glyphosat! Seien wir doch ehrlich, wann wird in der Landwirtschaft Glyphosat angewendet? Im zeitigen Frühjahr, vor der Saat, nach der Ernte zur Behandlung von Problemungräser (Quecke, Ackerfuchsschwanz) oder im Herbst auch wieder vor der Saat. Das sind doch die entsprechenden Haupttermine für die Anwendung von Glyphosat. Oder irre ich mich da? Zu all diesen Zeitpunkten haben wir aber auch keinen großartigen Besatz an Blühpflanzen auf den Feldern. Falls doch, dann wird er vernichtet durch eine mechanische Bodenbearbeitung. Weg ist weg, egal ob mit der Methode Glyphosat oder mit Grubber und/oder Pflug. Wo ist da der Unterschied für die Biene? Für den Käfer und Wurm im Acker ist er riesig. Tod ist Tod, wenn er vom Grubber und Pflug vergraben wird oder vom Schlepperreifen zerquetscht wird. Wie oft fahre ich mit dem Pflug/Grubber übers Feld und wie oft mit der Pflanzenschutzspritze? Was ist da tödlicher? Vor diesem Hintergrund dann auch noch dazu Ökologischer. Wer zerstört mehr Humuskomplexe, Bodenstruktur, braucht mehr Treibstoff? Diese Diskussion ist doch mittlerweile dermaßen ausgeufert, daß vor lauter Hysterie kein klarer Gedanke mehr durchkommt. Denn ansonsten würde man schon mal feststellen müssen das im Grunde das größte Grundübel unserer Landschaft der Mensch selber ist. Ohne Mensch hätte die Natur kein Problem mit sich. Mir würde sich da nur eine Frage stellen, wieviele Insekten gäbe es dann in dem Wald, der sich innerhalb kürzester Zeit wieder in DE einstellen würde? Ob unsere Naturschützer damit zufrieden wären?

von Wilhelm Grimm

Ich bin froh darüber, dass ich nicht so viel Insekten auf dem Tisch habe.

Aber ich habe viele Schwalben, die mir sehr zugetan sind und jede Menge dieser unwillkommenen Plagegeister verputzen. Gestern habe ich gelesen, dass Insekten auch Seuchen übertragen können, was jedem Landwirt doch sowieso klar gewesen ist. Mit und ohne Insekten wird zu viel verlogene Politik gemacht. Und unsere Politiker haben kein Rückgrat mehr.

von Wilhelm Grimm

Es muß nicht alles wahr sein.

Das BMU und seine Zuarbeiter haben eine klare Strategie. Zur Grünen Woche wollen sie zeigen, dass sie es sind, die die deutschen Landschaften hauptsächlich pflegen und nicht die Bauern. Wenn nicht alles täuscht, fallen die Medien erneut darauf herein. Ursächlich geht es um Gelder aus Brüssel und die begleitende und bewertende Berichterstattung.

von Andreas Gerner

@Georg Summerer

Stimmt. Sofern überhaupt noch was wächst. Es wird doch immer mehr zugepflastert oder mit kargen Steinbeeten gearbeitet in Gärten/Vorgärten. Alle voran die Kommunen denken da nur an die einfache Pflege und nicht an Lebewesen.

von Andreas Gerner

Ausflug ins Reich der Märchen

Von einer " immer intensiveren Landwirtschaft mit hohen Einträgen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln" kann ja wohl keine Rede sein. Unzählige Instrumente (bessere Messtechnik, Präzisionslandwirtschaft, Teilflächenapplikation, Düngeverordnung, Pflanzenzucht, Bilanzierung, Dokumentationspflicht, Greening, Schutzstreifen, Abstandsauflagen....) haben zu einem Rückgang der eingesetzten Dünge- und Pflanzenschutzmittel geführt. Warum posaunt man immer noch diese Märchen heraus???Zahlreiche andere Einflussfaktoren auf die Insektenpopulation sollen offenbar totgeschwiegen werden: Jüngst gestiegene Braunkohleverstromung, übertriebener Vogel- und Krötenschutz(Insektenfresser!), immer größere und schwerere PKW, steigender Kraftverkehr, steigender Flugverkehr, Klimawandel, Wetterextreme, Landverbrauch durch Bau,.... Warum? klar ist es viel bequemer, die Landwirtschaft als Sündenbock zu geißeln, als mal über seine Lebensgewohnheiten nachzudenken

von Albert Maier

Sowohl die ...

.... Bedeutung der Insekten als auch deren angeblicher Rückgang wird total überschätzt.

von Georg Summerer

Rasenmäh- und Mulchwahnsinn

Sie haben etwas vergessen Herr Gerner, das immer intensivere rasenmähen, am besten sogar mit Mähroboter. Solange jeder Rasen immer kurz gehalten wird und jede Böschung mit dem Mulcher mehrmals im Jahr gemulcht wird ist jeder Versuch der Landwirte die Insekten zu schützen zum scheitern verurteilt!

von Hans-Heinrich Meyer

Abflämmen?

Ist das Abflämmen als Unkrautreduzierung Entschuldigung , Beikrautregulierung jetzt besser für die Biodiversität wie eine entsprechende Glyphosat Anwendung?! Ich begreife diese Angst vor Pflanzenschutzmitteln nicht!

von Andreas Gerner

Ausflug ins Reich der Märchen

Von einer " immer intensiveren Landwirtschaft mit hohen Einträgen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln" kann ja wohl keine Rede sein. Unzählige Instrumente (bessere Messtechnik, Präzisionslandwirtschaft, Teilflächenapplikation, Düngeverordnung, Pflanzenzucht, Bilanzierung, Dokumentationspflicht, Greening, Schutzstreifen, Abstandsauflagen....) haben zu einem Rückgang der eingesetzten Dünge- und Pflanzenschutzmittel geführt. Warum posaunt man immer noch diese Märchen heraus???Zahlreiche andere Einflussfaktoren auf die Insektenpopulation sollen offenbar totgeschwiegen werden: Jüngst gestiegene Braunkohleverstromung, übertriebener Vogel- und Krötenschutz(Insektenfresser!), immer größere und schwerere PKW, steigender Kraftverkehr, steigender Flugverkehr, Klimawandel, Wetterextreme, Landverbrauch durch Bau,.... Warum? klar ist es viel bequemer, die Landwirtschaft als Sündenbock zu geißeln, als mal über seine Lebensgewohnheiten nachzudenken

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