Offener Brief

Schindler verärgert über Berichterstattung des SWR zu Bauernprotesten

Die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht nach Ansicht von Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer RLP, in keinem Verhältnis zur ernsten Lage der Landwirtschaft.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Ökonomierat Norbert Schindler, wendet sich mit einem offenen Brief an den Südwestrundfunk. Hier der Brief im Original-Wortlaut:

"Sehr geehrte Frau Dr. Schelberg,

der Südwestrundfunk als öffentlich-rechtlicher Sender berichtet über Land und Leute, das ist sein Auftrag. Große und kleine Veranstaltungen werden journalistisch begleitet und zur besten Sendezeit einem breiten Publikum nähergebracht. Sportliche Ereignisse, selbst in regionalen Nischen, erhalten wertvolle Sendeminuten.

Aber wenn über 1000 Landwirte mit über 900 Traktoren durch Neustadt an der Weinstraße fahren und eindrucksvoll auf ihre missliche Lage aufmerksam machen, steht die geleistete Berichterstattung Ihres Hauses, Frau Dr. Schelberg, in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Nachrichtenwert dieses Themas. Es ist für mich schlicht nicht nachvollziehbar, dass die große Not der Erzeuger unserer aller Lebensmittel in Ihren Redaktionen scheinbar nur als Randaspekt wahrgenommen wird. Bundesweit beteiligen sich zehntausende Menschen an den Protesten, die die Landwirte mit zahlreichen Aktionen landauf-, landab neben ihrer schweren Arbeit organisieren. Gerade in Rheinland-Pfalz, einem Flächenland, in dem die Landwirtschaft traditionell eine sehr hohe Bedeutung hat, muss der Fokus der Öffentlichkeit doch mehr auf diese Aktionen gelenkt werden. Diesen Anspruch erheben die Landwirte und Winzer gerade gegenüber dem öffentlichrechtlichen Rundfunk.

Unsere Bauern und Winzer sind in einer existenzbedrohenden Situation, sehen sich einer überbordenden Bürokratie ausgesetzt und fühlen sich durch zusätzliche Schutzvorschriften in der Zukunft zu Unrecht an den Pranger gestellt. Zu lange schon haben sie hinnehmen müssen, dass sie als Sündenböcke für Klimaschutz herhalten und agrarpolitische Entscheidungen ausbaden müssen. Sehr geehrte Frau Dr. Schelberg: Da stehen keine großen Unternehmen auf, die durch professionelle Lobbyarbeit ihre Stellung zu sichern wissen. Es ist der Landwirt von nebenan, der nicht mehr vor, noch zurück weiß. Der von seiner Hände Arbeit lebt. Unterstützen Sie bitte diese Menschen, die für unsere Ernährung sorgen und unsere Kulturlandschaft pflegen, mit einer angemessenen, breiten Berichterstattung.

Mit freundlichen Grüßen

Ökonomierat Norbert Schindler"

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Diskussionen zum Artikel

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von Michael Lechner

Gehts den Medien so viel besser?

Eigentlich müssten die Sender doch Verständnis für unsere Situation haben. Die haben auch Probleme mit der Vermarktung Ihrer Produkte. Durch das Internet haben die eine ähnliche Konkurrenzsituation wie wir mit dem Weltmarkt. Printmedien sind kaum noch gefragt und die wichtigen Werbeeinnahmen schmelzen dahin wie unsere Preisforderungen gegenüber dem LEH. Für die Rundfunkgebühren werden sie genauso gescholten wie wir für unsere Subventionen und für Qualitätsberichterstattung mit eigener Recherche will kaum einer Geld in die Hand nehmen. Also Masse statt Klasse. Und Masse bieten die großen Nachrichtenagenturen die wie der LEH beim Lebensmittel hauptsächlich am Profit interessiert sind. Der Verbraucher hätt es in der Hand, sowohl bei der Landwirtschaft als auch im Medienbereich. Aber wer immer nur billig satt werden will und mit der Bildzeitung zufrieden ist, schert sich einen Dreck um ein paar unzufriedene Bauern.

von Christian Bothe

Journalie

Irgendwie trifft das wieder einmal genau den "Nagel auf den Kopf". Mittlerweile erinnert mich die Berichterstattung des öffentlich rechtlichen Fernsehens stark an das regierungsnahe Fernsehen der DDR! Es wird nur darüber berichtet,was gerade einen Hype darstellt, um Einschaltquote zu machen. Landwirt-und Nahrungsgüterwirtschaft sind die Beelzebuben der Journalie, obwohl sie auch diese ernähren,konventionell oder ökologisch, und somit einen der wichtigsten Zweige einer Volkswirtschaft darstellen! Das Ganze ist auch übertragbar wenn ich mir die Nachrichten von ARD+ZDF aus aller Welt, berichtet durch Reporter vor Ort, anschaue. Ziemlich einseitig und wenig unabhängig dargestellt (USA,Hongkong,etc.). Etwas mehr Sachlichkeit und Zurückhaltung täte der Qualität von Nachrichenübermittlungen sehr gut. Nur dem Mainstream zu folgen, ist für das Zusammenleben einer Gesellschaft, insbesondere auch für unsere Bauern nicht integrationsfördernd und die Protestfahrt nach BLN ist auch ein Ausdruck dafür. Ich hoffe, das sich die Indendanten an der Nase rümpfen, und die Aktualität der Aktion unserer Bauern von Fachjournalisten recherchiert, in den Nachrichten heute und in den nächsten Tagen der breiten Bevölkerung präsentieren.

von Gerd Uken

Die Niederländer beschweren sich auch

Über die unzureichende Berichterstattung. Heute um 12:00 sind Verhandlungen mit Carola Schouten zeitgleich werden an den Autobahnauffahrten Schlepper mahnend stehen um ihre Forderungen zu untermauern!

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Totschweigen

ist Absicht! Wenn ein paar Klima"Aktivisten" ein Banner am Kraftwerk aufhängen kommt das alle Viertelstunde in den Nachrichten. Wenn Bauern zu tausenden auf ihre miese Lage aufmerksam machen ist das eine Randnotiz.

von Karlheinz Gruber

Ist doch ganz einfach

Die wollen nicht und sie dürfen von Seiten der Regierung nicht. Sonst würde ja Aufkommen, daß die jahrelange einseitige falsche (Giesßkannen)Förderpolitik, nur für große Einheiten, wie halt derzeit auch wieder, jetzt nur in anderem System wieder fortgeführt wird. Nun wird halt alles auf Öko und Naturschutz gefordert. Wieder einseitiger Wahnsinn. Und der Verbraucher, die Kommunen und die Industrie bleibt dabei außen vor. Solange nur wir Landwirte als Schuldige gelten, ist es einfach und relativ Kostengünstig. Wenn auf einmal die Industrie und die Kommunen Geld für Naturschutz, wirklichen Naturschutz in die Hand nehmen müssen, dann wird es teuer und der Verbraucher bekommt mit, was Sache ist. Denn die Industrie droht mit Arbeitsplatzabbau. Das heißt ein rumorendes Volk. Und das vor den Wahlen (nach der Wahl ist vor der Wahl (und nächstes Jahr in Bayern Kommunalwahlen....) ) ist beim BR auch nicht viel anderes. Und die Texte stehen dann schwammig mit: Die Bauern fordern, wollen, usw. Keine sauberen Hintergründe usw. Wer nicht will, der Will nicht. Vor allem wenn der Staat zahlt und der auch nicht will, der Industrie wegen.

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