Kritik

Sind Schulmaterialien des Vereins i.m.a. Werbung oder Aufklärung?

Manche Sozialwissenschaftler oder Gewerkschafter halten die Lehrmaterialien des Bauernvereins i.m.a. für bedenkliche Lobbyarbeit und unkritrische Meinungsmanipulation.

Der Verein "Information.Medien.Agrar" i.m.a. wirbt bei Kindern und Jugendlichen für ein realistisches Verständnis der Landwirtschaft. Dazu bietet er eine Fülle an Lehrmaterialien und Lehrerinfos an. Etwa 70.000 Lehrer nutzen die Unterlagen nach i.m.a.-Schätzungen.

Wie der NDR allerdings nun berichtet, gibt es auch Kritiker der gezielten Information durch eine Branche bzw. durch den angeschlossenen Bauernverband. Wie etwa der Didaktikprofessor Tim Engartner von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er kritisierte gegenüber dem Sender, dass Schule einen Allgemeinbildungsauftrag habe. Dass immer mehr Branchenverbände in die Schulen drängen, empfinde er als „Kampf um die Köpfe der Kinder im Klassenzimmer“. Eine kritische Reflexion der Landwirtschaft komme hier seiner Meinung nach zu kurz, so der Sozialwissenschaftler.

Auf Nachfrage des NDR stellt auch i.m.a.-Geschäftsführer Patrick Simon klar, dass der Verein keine Probleme aufzeige, sondern die Landwirtschaft erkläre. Im letzten Effekt sei das sicherlich Lobbyarbeit, so Simon, der Verein vertrete die Interessen der Bauern.

Dabei versuche der Verein i.m.a. auch, Einfluss auf Schulbuchinhalte zu nehmen. "Wir überwachen oder schauen regelmäßig in die Schulbücher hinein", sagte er weiter. Ziel sei dabei, für ein objektiv sachliches Bild der Landwirtschaft zu sorgen. Ihm gehe es darum, tendenziöse Darstellungen und Schwarzweißmalerei aufzuheben - wie etwa, alles, was ökologisch sei, sei gut, alles, was konventionell sei, sei schlecht.

Nun meldet sich allerdings auch noch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu Wort. Sie sieht die Versuche von Wirtschaftsverbänden und Konzernen, auf Schulen Einfluss zu nehmen, mit Sorge. Außerschulische Akteure dürften natürlich Lehrmaterialien anbieten, so die GEW-Schulreferentin Martina Schmerr, aber auch vor dem Hintergrund sinkender Lehrmitteletats hält sie den Einsatz in Klassen für problematisch. Laut Kultusministerkonferenz ist die Verwendung solcher Materialien in der Regel allerdings nicht verboten, so der NDR weiter.


Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Unterschied...

Rein rechtlich ist das sicher keine Werbung, denn für welches konkrete Produkt wird da geworben: klar, keines. //Trotzdem ist die Frage nicht verkehrt: Was ist denn schon Werbung? Die Unterrichtsmaterialien von NGOs (BUND, Nabu etc.) sind dann auch Werbung. Sogar noch mehr, da hier sogar gezielt um Spenden geworben wird! Was sind dann Pressemitteilungen, Zeitungsberichte von und über Unternehmen? Wenn man diesen Massstab anlegt: Werbung, eindeutig. Das hat auch die GEW richtig erkannt!

von Christian Bothe

Soziologieprofessor?

Ist doch absoluter nonsense,was der Herr da im Fernsehen sagte. Aufklärungsmaterialien wie diese von i.m.a.sind wichtig, um die wirkliche LW den Schülern nahe zu bringen.Gerade wo es an Nachwuchs fehlt, sind solche Aufklärungsbroschüren oder Bücher über unsere LW enorm wichtig. Nur so kann man Interesse an dem interessanten Beruf eines Landwirtes wecken,wenn man Fakten darlegt und sich nicht nur an Fake News von manchen Medien und schlauen Journalisten, NGOs und sonstigen Verbänden orientiert. Der DBV leistet hier eine gute Aufklärungsarbeit ob Lobbyarbeit ja oder nein ist vollkommen uninteressant.

von Rudolf Rößle

Gestern

war Radiowelttag. Die Programmchefin vom SWR hat sich selbstkritisch geäußert bei Meldungen und Themenlage, dass deutlich gemacht werden muss, was ist die Sachlage und wann kommt vom Moderator/in ein persönlicher Kommentar.

von Rudolf Rößle

Lehrbücher

wird das Lehrbuch für Landwirtschaft umgeschrieben. Soll es die Handschrift von Frau Schulze und dem Umweltministerium tragen? Ist der Bauer dann ein Umweltterrorist und der Biobauer kann sich gerade mal so vor dem Felsabsturz retten? Oder reicht ein Tagesbesuch im Freilicht/ Bauernmuseum?

von Stefan Lehr

Volltreffer

Der i.m.a hat scheinbar mitten ins Schwarze getroffen. All die Aussagen hierzu beweisen doch nur, dass die Schwarzmaler (= NGOs, etc.) um ihre Pfruende bangen. Gerade in Schulen sollte eine wertfreie Darstellung bestimmter Sachverhalte vermittelt werden. Deren Interpretation ist dann Angelgenheit des Lehrkoerpers. Und dieser - davon bin ich ueberzeugt - wird dann schon die gewuenschte Schwarz-Weiss-Faerberei der hier aufschreienden Klientel gerecht werden. Aus anderen Branchen werden solche Lehrmittel mit Kusshand genommen und es verliert niemand ein Wort darueber. Dabei stehen in Deutschland jeden Tag im Uebermass die besten und wertvollsten Lebensmittel auf dem Tisch! Und wer produziert diese Massen??

von Harald Finzel

Warum wundert mich nicht, dass Frau Lamprecht in dem Artikel kein Wort darüber verliert, dass auch NGOs wie z.B. Greenpeace, NABU oder sogar die extremistischen Tierrechtler von Peta zunehmend mit Unterrichtsmaterialien Einfluss auf die Lehrinhalte an deutschen Schulen nehmen?

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

In Zeiten von Fakenews

braucht die Realität eine Lobby

von Anton Obermeier

NDR

Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein echter Spezialist für "bedenkliche Lobbyarbeit und unkritische Meinungsmanipulation". Medien, NGOs und nicht zuletzt "grüne" Lehrer überbieten sich geradezu im Aufzeigen von vermeintlichen Problemen in der Landwirtschaft. Es ist also absolut nötig, eine realistische Darstellung der Landwirtschaft möglich zu machen. Und was die Realität mit Lobbyarbeit und Meinungsmanipulation zu tun hat ist mir ein Rätsel.

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