Agrar- und Ernährungsforum

Spannende Diskussion über Landwirtschaft in Zeiten des Klimaschutzes

Das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland hat diese Woche mit Wissenschaftlern, Unternehmern sowie Vertretern von Bauern und dem Naturschutz über Möglichkeiten zu mehr Klimaschutz geredet

Bei einer Diskussionsveranstaltung hat das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland unter Moderation von top agrar-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann über Landwirtschaft im Spagat zwischen Klimaschutz und Welternährung gesprochen.

Gleich zu Beginn machten der Cloppenburger Landrat Johann Wimberg und der AEF-Vorsitzende Uwe Bartels deutlich, dass der wirtschaftliche Erfolg der Region auf dem Geschäftsmodell des einzigartigen Agribusiness-Clusters fußt. Gerade das Geschäftsmodell dieser Region, so Wimberg, müsse nun die Chance nutzen, zur Lösung der Herausforderungen sich bundesweit an die Spitze zu stellen. Unterstützt wird diese Aussage von Bartels, der die Anstrengungen der Branche lobte, pro-aktiv und mit innovativen Ansätzen die Erwartungen der Gesellschaft und Politik bei der Klima- und Tierwohldebatte zu erfüllen.

Bartels mahnte in Richtung Politik, die jeweiligen Ressortegoismen zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium schnellstmöglich zu beizulegen, eine klare Zielvorgabe für die künftige Ausrichtung der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu erarbeiten, eine Neujustierung der sich behindernden Gesetze vorzunehmen und die entsprechende Finanzierung zu regeln.

Prof. Witzke: Landwirtschaft muss auf Effizienzsteigerung setzen

Prof. Dr. Harald von Witzke relativierte in seinen Ausführungen die Forderungen der Gesellschaft auf eine extensive Landwirtschaft zu setzen. Das Klima sei eine globale Allmende. Daher müsse die landwirtschaftliche Produktion auf Effizienzsteigerungen setzen, die weitaus wenige CO2-Emissionen freisetzten als eine ökologisierte Landwirtschaft.

Gerade durch die züchterischen Erfolge bei der Futterverwertung, z.B. bei der Geflügelfleischproduktion in Deutschland, konnte zwischen 1990 und 2015 die weltweite Flächenausdehnung um mehr als 200.000 ha verringert werden. Er stellte daher fest, dass nationale Entwicklungen oder nationale politische Entscheidungen sich nur im internationalen Kontext korrekt einordnen und bewerten ließen.

Prof. Hensel: Bei Genome-Editing hat EU Anschluss verloren

Prof. Dr. Hensel, Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung, brachte den Zuhörern das komplexe Thema Gentechnik sowie die neue Methode „Genom-Editing“, die sog. „Genschere“ näher. Diese gentechnische Modifikation arbeite viel präziser als die klassische Züchtungsmethode. Mittels dieses chirugischen Verfahrens sei man in der Lage, gezielt Gene miteinander zu verknüpfen oder herauszuschneiden Zugelassen sei diese Technik bereits in zahlreichen außereuropäischen Ländern.

Hensel konstatierte, dass die EU bei dieser Technik als „Provinz“ gelte und weltweit gesehen den Anschluss zu verlieren drohe, sollte die EU nicht rechtzeitig juristisch eine positive Einstufung des Gentechnikgesetzes vornehmen. Die Ängste der Gesellschaft müssten durch wissenschaftliche Aufklärungen begegnet werden.

In drei Podiumsdiskussionen wurden in Bezug auf die Klimadebatte thematisch die Aspekte „Mehr Klimaschutz: Landwirtschaft als Teil der Lösung“, „Züchtungsmethoden“ sowie „Stallbau-Innovationen“ beleuchtet.

  • Dr. Donal Murphy-Bokern vom Nabu forderte eine flächengebundene Tierhaltung und deutlich weniger Fleischverzehr.
  • Dr. Johannes Wilking vom Landvolk Vechta wies darauf hin, dass die Landwirtschaft schon heute enorme Mengen an CO2 speichert. Diese Erfolge müssten sich in den Berechnungen positive niederschlagen.
  • Dr. Michael Lüke von der EW-Group schilderte, dass ein zwei Kilo schwerer Broiler heute in seiner Lebenszeit zwei Kilo weniger Futter benötige und die Geflügelwirtschaft damit einen positiven Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen beitrage.
  • Marcel Meyer von KWS warnte, dass die aktuellen Züchtungstechniken in der Pflanzenzucht nicht mehr ausreichend, um auf dem Weltmarkt erfolgreich agieren zu können.
  • Peter Wesjohann von PHW wünscht sich eine Anpassung des geltenden EU-Rechts, damit alternative Proteinquellen an Tiere verfüttert werden dürfen
  • Dr. Ralf Kosch von Big Dutchman wünscht sich neue Haltungssysteme, da diese CO2-Emissionen mindern würden. Problematisch sei aber der Stallumbau, da sich Bau- und Emissionsrecht widersprächen.

Abschließend machte Bartels deutlich, dass seitens der politischen Ebene aus Berlin noch zu keiner Antwort gekommen sei. Was die Landwirtschaft benötigt sei eine nationale Nutztierstrategie. Dazu haben die ISN, der ZDG, der Bauernverband sowie das AEF dem Leiter des BMEL-Kompetenzkreises, Ex-Minister Borchert, ein entsprechendes Maßnahmenpapier überreicht. Vorgesehen ist, dass Borchert im Februar die Strategie der Ministerin vorlegen wird. Auch verlangte Bartels einen durch die Bundeskanzlerin moderierten Dialogprozesses. „Dieser Schwebezustand ist unzumutbar für die Landwirtschaft. Wir haben alles Notwendige unternommen. Der Ball liege jetzt bei der Politik“, so das Schlusswort Bartels.


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