Kritik

Sternekoch fordert Klöckners Rücktritt

Koch Jan Hartwig fand den Auftritt von Julia Klöckner mit Fersnehkoch Lafer ganz schlimm. Er meint, die Politikerin sei nicht die richtige Person, eine Wende beim Fleischverzehr einzuläuten.

Dreisterne-Koch Jan Hartwig (37) vom Restaurant Atelier im Hotel Bayerischer Hof fordert Bundesagrarministerin Julia Klöckner zum Rücktritt auf. Wie er im Interview mit der Abendzeitung sagte, sei er immer noch zornig auf die CDU-Politikerin, weil sie im Online-TV mit Fernsehkoch Johann Lafer ein Drei-Gänge-Menü für sechs Euro zubereitet hatte.

„Mit gesponserten Produkten der Tierwohl-Stufe eins. Minderwertige Produkte, wohlgemerkt. Und dann auch noch erzählen, man würde sich damit etwas Gutes tun. So jemand in der Politik ist in dieser Position meiner Ansicht nach untragbar. Für mich gehört die Frau sofort abgewählt“, so Hartwig.

Er kritisiert außerdem, dass die Ministerin seine Nachrichten in den Sozialen Netzwerken lösche und ihn komplett ignoriere. „Ich weiß auch nicht, was die Frau glaubt, wie die Leute sich verarschen lassen. Ich bekomme so viel Resonanz auf Facebook und Instagram nach dem Motto: Endlich ist da mal einer, der seine Bekanntheit und seine Reichweite für etwas Positives nutzt. Und dann nichts. Eine Frechheit“, so der Koch im Interview.

Das Tierwohl in deutschen Ställen und z.B. bei Tönnies findet Hartwig „erbärmlich“. Auch was bei Tönnies mit den Arbeitern passiere, fände er „unsäglich“. Kritik äußert er allerdings auch an den Verbrauchern. So sei es ihm ein Rätsel, dass gerade die Leute, die sich beim Discounter das Schweinenackensteak kaufen, es anschließend auf einen 1.500-Euro-Grill schmeißen. Dem Franzosen dagegen sei der Grill egal. „Der grillt zur Not auf der Autofelge. Aber er will ein vernünftiges Côte de Boeuf und dazu einen anständigen Burgunder im Glas.“

Hartwig würde sich wünschen, dass Dokumentation wie "Die Schnitzel-Industrie" (ZDF) in der Schule gezeigt werden sollten. „Wir verbrauchen heutzutage doch viel zu viel Fleisch in Deutschland. Im 19. Jahrhundert lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei knapp 14 Kilo pro Jahr, jetzt pendelt er sich ein bei 59 bis 62 Kilo – das sind 160 bis 170 Gramm Fleisch am Tag“, kritisiert der Koch. Er stellte aber klar, dass er nicht gegen den Fleischkonsum ist, sondern eine neue Wertschätzung einfordert.

Es sei auch statistisch erwiesen, dass der Fleischkonsum mit höherem Einkommen und höherem Bildungsstand viel geringer ist als im unteren Segment. „Das ist eine Frage der Aufklärung beziehungsweise mangelnder Aufklärung. Da muss die Politik aktiv werden. Genauso bei der Kennzeichnung von Produkten: Steaks von Discountern tragen oft so eine romantische Bezeichnung wie Weiderinder. Dabei ist weder der Begriff Weiderind noch Weidehaltung geschützt. Man assoziiert dabei endlose grüne Wiesen in Uruguay. In Wahrheit stehen die Tiere irgendwo dicht an dicht in sogenannten Feed Slots im Dreck und werden schnell hochgemästet mit Kraftfutter, das sie gar nicht vertragen“, sagt der Niedersachse im Interview.

Die Redaktion empfiehlt

Landwirtschaftsministerin Klöckner hat an einer von Kaufland gesponserten Sendung mit Fernsehkoch Johann Lafer teilgenommen. Die FDP fordert Aufklärung.


Diskussionen zum Artikel

von Anton Obermeier

"Tierwohlstufe eins = minderwertige Produkte"

Da hat aber einer mal so richtig Ahnung. Unser Tierarzt war zur Tierbeurteilung im Schlachthof eingeteilt. Da kam eine Gruppe Schweine mit komplett abgebissenen und entzündeten Schwänzen. Der Schichtleiter erklärte den Tierärzten hier müssten sie zu Seite sehen, da es sich um ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Nelson Müller!!!

Der müßte doch auch bekannt sein? Oder etwa nicht? Dieser betreibt ja als Fernsehkoch eine eigene Sendung und macht immer wieder Qualitätsvergleiche. Dabei fällt mir immer wieder auf, daß sehr oft ausgerechnet die "Billigware" und der "Ramsch" von ALDI, Lidl und Co. die bessere ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Im 19. Jhd. lag der Verbrauch bei Fleisch nur bei 14 kg!

Ja, mag sein, dafür gab es aber auch gewaltige Unterernährung und noch richtige Hungersnöte. 1816, das Jahr ohne Sommer (https://de.wikipedia.org/wiki/Jahr_ohne_Sommer), oder 1845 bis 1849 in Irland aufgrund der ... mehr anzeigen

von Rosi Brase

1960 hätte auch genügt

In meiner Kindheit gab es ein- oder zweimal in der Woche Fleisch, den berühmten Sonntagsbraten und dann vielleicht noch mal ein Stück Leber (mochte ich nie) oder eine Bratwurst. Wie es heute aussieht, ist schlichtweg katastrophal! Niemand braucht jeden Tag Fleisch, aber es ist billig ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Er spielt die beleidigte Leberwurst.

Mit dem Hinweis auf den Fleischverzehr des 19. Jahrhundert disqualifiziert er sich. Aber in die Presse kommt er, Es wird Zeit, dass der Bauernverband auch endlich aus seinem Schneckenhaus heraus kommt und bessere Öffentlichkeitsarbeit macht. Unsere Ware ist gut und ehrlich, aber steht ... mehr anzeigen

von Christian Kraft

Sternekoch

Das Einzige richtige ist die Forderung nach Klöckners Rücktritt. Der Rest ist es eigentlich vom Inhalt nicht wert, das die Redaktion so etwas veröffentlicht.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Wenn der Herr Sternekoch

meint alle Verbraucher müßten auf seinem "Niveau" bekocht werden, dann muß der Hartz4 Satz aber deutlich erhöht werden. Ich finde es richtig von Frau Klöckner, dass Sie ihn ignoriert. Die Welt dreht sich auch ohne die Münchner Schickeria.

von Karlheinz Gruber

Das Essensniveau von manchen

sogenannten Sterneköchen ist eigentlich unter aller Sau. Wenn man denen mal die ganze Wahrheit unter die Nase hält, dann werden Sie pampfig. Warum? Sehen wir uns mal das sogenannte Sterneessen an////.: Portionen: Auf großen Tellern, fein sauber angerichtet, von allem etwas kleines. ... mehr anzeigen

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