Historie

Streng vertraulich: „Reichsnährstand“ ging es schlecht 1938 Premium

Vereinzelt ist zu hören, dass es den Bauern im Dritten Reich sehr gut ging; auch in TV-Dokus werden die Landwirte als umworbene Gewinner und Unterstützer des NS-Regimes dargestellt.

Der Reichsnährstand hatte ein klares Selbstbild, das vom „Wochenblatt des Landesbauernschaft Westfalen“ verbreitet wurde. Demnach hatten der Reichsnährstand und seine regionalen Landesbauernschaften das Durcheinander und den Streit der Agrarverbände der „Systemzeit“ vor 1933 beendet. Nun, im NS-Staat, herrsche eine „straffe Organisation, die den Bauern als „Quell von Blut und Boden“ wieder zu Ansehen und Wohlstand verhelfe und die „Nahrungssicherheit Deutschlands“ anstrebe.

Das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben hat sich die Realität damals genauer angeschaut, und die sah völlig anders aus. Gerade in der Landesbauernschaft Westfalen tobten Machtkämpfe, die hohe Wellen schlugen bis in die oberste Führungsriege der Hitler-Diktatur. In den Medien war ...

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Hermann-Josef Schaller

Lebensraum im Osten.....

Dies war eines jener Schlagworte die im III Reich mit heralten mussten um den Krieg zu rechtfertigen. Was wäre denn gewesen ,wenn die deutsche Landwirtschaft die heutigen Leristungen damals schon gebracht hätte ? Andere "Schlagwörter" der damaligen Zeit: Leben wie Gott in Frankreich , oder auf französicher Seite während des ersten Weltkrieges:... düngt die französische Erde mit dem Blut der deutschen Soldaten, damit der Boden fruchtbar werde.! Damals drehte sich vieles um die Ernährung, gab es Mangel dann war die Bereitschaft zum Kriege schneller da als heute. Fielen früher die Franzosen und Deutschen mit Bajonetten übereinander her um sich "abzumurksen" so fallen sie heute in den Urlaubsgebieten" übereinander her in freundschaftlichen und vergnüglichen Absichten " Und warum können sie daß? Weil sie sich Urlaub leisten können und statt Mangel, Überfluß beim Essen herrscht. Dies ist ein Zustand der durch den Fleiß der Bauern und Bäuerrinnen herbeigeführt wurde . Und als Dank dafür bekommen wir nur noch Anfeindungen ,unsinnige Auflagen , Vorschriften und Besserwisserei zu spüren. Landwirtschaft braucht heutzutage keiner mehr zu lernen,da es eh zwecklos ist. Wir bekommen doch sowieso vorgeschrieben wie und wann wir zu düngen haben ,wie unser Vieh zu halten ist, mit wie wenig wir unsere Produkte entlohnt berkommen , wie wir unseren Düngeplan handzuhaben müssen ,wenn wir mal beim arbeiten in freier Natur an einen Baum pinkeln ! Die friedenserhaltene Arbeit der Bauern wird weder im außenpolitischen noch im inneren sozialpolitischen Bereich gewürdigt. Traurig aber wahr . Wir werden doch nur noch als "Sündenbock" für alles Schlechte auf der Welt gebraucht . Denkt mal darüber nach wer denn am meisten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hat. Es ist die Landwirtschaft selber. Wir machen uns Gedanken darüber wie man gegensteuern kann, damit noch unsere Nachfahren vernünftigt leben können, bekommen aber vorgeworfen wir vergiften die Brunnen und die paar Kuhrülpser sind am Klimawandel am meisten schuld. Aber die Demonstranten der" Fridays for Future" Bewegung welche von ihren Mamis und Papis mit dem SUV,s bis vor die Schule gefahren werden , dann noch bei Ferienbeginn mit unversteuertem Kerosin in die Ferien, zu ihrem mit Schweröl betrieben Kreuzfahrschiff fliegen , die werden als Retter der Welt und des Friedens gefeiert . Ist schon irgendwie traurig.

von Eckehard Niemann

Danke an das Wochenblatt für diesen Artikel! Viele Dorfchroniken blenden NS-Zeit leider aus

"... Die folgende Einschätzung der Historikerin Herlemann über Dorfchroniken und Ortsgeschichte trifft weitgehend auch auf unsere Region zu: Die als zu problematisch empfundene jüngste Vergangenheit werde meist vollständig ausgeblendet oder als Zeit erfreulicher Ereignisse (Bau einer Landstraße, Anschaffung einer Feuerspritze) erwähnt. „Verfolgung Andersdenkender, Zwangssterilisierungen und Euthanasie, Antisemitismus, Demagogie und Meinungsterror, das Elend des Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangeneneinsatzes kommen hier nicht vor. Und selbst die Negativauswirkungen der NS-Agrarpolitik mit ständig sich steigerndem Arbeitskräftemangel und allgemeiner Überlastung, mit Beschränkungen der freien Verfügbarkeit des Eigentums, mit Eingriffen in die Bewirtschaftung, mit Ablieferungspflichten und Hofkontrollen sowie einer verschärften Mangelverwaltung an Produktionsmitteln während des Krieges sucht man hier vergeblich. Daß dies so ist, hat nicht zuletzt etwas mit den überschaubaren Verhältnissen in den Dörfern und kleinen Landstädten zu tun. Jeder kennt jeden, jeder weiß von seines Nachbarn oder dessen Vaters Funktionen und Taten in der braunen Zeit. Wird daran gerührt, wird der soziale Frieden im Dorf gefährdet. Und auch der Autor gefährdet nachhaltig seine harmonischen Nachbarschaftsverhältnisse. Ein „Heimatbuch“ soll der allgemeinen Erwartung gemäß schreiben, „etwas Schönes über das Dorf“ und nicht die dunklen Seiten der Vergangenheit aufwühlen. Doch hier zeichnet sich seit Jahren auch ein Wandel ab“ (Beatrix Herlemann, Der Bauer klebt am Hergebrachten, S. 11). ----- aus: Niemann, Nationalsozialismus im Landkreis Uelzen, Band II)

von Eckehard Niemann

Landwirtschaft und Reichsnährstand wurden der Kriegsvorbereitung untergeordnet

Die Struktur und die Widersprüche im Reichsnährstand schildern Gustavo Corni und Horst Gies in ihrem Buch „Brot – Butter - Kanonen – Die Ernährungswirtschaft in Deutschland unter der Diktatur Hitlers“: „Viel der in der Aufstiegsphase des Nationalsozialismus den Bauern gemachten Versprechungen standen in offensichtlichem Widerspruch zu Versprechungen, die man gleichzeitig den Arbeitern, den Mittelschichten und den Unternehmern gemacht hatte. … So wurden im Laufe der Jahre, bedingt durch die politische Prioritätensetzungen, die Fragen der Agrareinkommen, der Landarbeiterlöhne und die der Arbeitsbelastung der in der Landwirtschaft Beschäftigten immer heikler, bis man am Vorabend des Zweiten Weltkriegs offen von einer „Krise“ der Bauernwirtschaften und von „Landflucht“ sprechen musste“ (S. 590ff). Die gerade für die Kriegsvorbereitung zentral wichtige und unbefriedigend verlaufende „Erzeugungsschlacht“ wurde durch die Eingliederung der Landwirtschaft in die „Vierjahrespläne“ weiter angeheizt und gelenkt – wodurch die bisherigen landwirtschaftlichen NS-Institutionen und die germanisch-rassisch-bauerntümelnden NS-Funktionäre um Darré an Einfluss verloren. Der absoluten Priorität der Aufrüstung diente auch die Zurückdrängung des Einflusses bestimmter Funktionäre des Reichsnährstandes. Der immer stärker angemahnte Anbau von Öl- und Faserpflanzen (Raps, Flachs) hatte eine besondere rüstungswirtschaftliche Bedeutung, gleichzeitig war der Flachs für viele Bauern arbeitsaufwendig, ertrags-unsicher und unattraktiv. Die Mechanisierung der Landwirtschaft wurde gehemmt dadurch, dass für den Betrieb der Maschinen (ebenso wie für die Motoren des Militärs) Öl bzw. Benzin gebraucht wurde – weshalb wegen der Devisenknappheit vorrangig die Wehrmacht bedient wurde. Der Vierjahresplan vom Oktober 1936 zielte darauf, binnen 4 Jahren die deutsche Armee einsatzfähig und die deutsche Wirtschaft kriegsfähig zu machen. In einer Denkschrift von Hitler heißt es 1936: „Wir sind übervölkert und können uns auf der eigenen Grundlage nicht ernähren. (…) Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes beziehungsweise der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes“ (http://www.h-ref.de/krieg/lebensraum)

von Eckehard Niemann

Bäuerinnen und Bauern in der NS-Zeit

"... Die Landwirtschaft war zudem durch weitere Probleme belastet: Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung führte zur Landflucht und zur Abwanderung Hunderttausender Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft in besser bezahlte und lukrativere städtische Arbeitsplätze. Da halfen ideologische Apelle und auch drastische Strafen gegen „vertragsbrüchige“ Landarbeiter und Mägde wenig, so dass zunehmend Schüler, Schulabgänger und Studenten zu „Landdiensten“, „Landjahren“, „Arbeitsdienst“ oder „Erntehilfe“ verpflichtet wurden. Forderungen aus dem Reichsernährungsministerium nach Lohnerhöhungen wurden von Göring zurückgewiesen. Die Alternative einer verstärkten Mechanisierung der Landwirtschaft stieß an die systemimmanenten Grenzen des Vorrangs der Rüstungsindustrie und des Verbots der Kreditaufnahme von Erbhöfen ..." (aus: Eckehard Niemann, Nationalsozialismus im Landkreis Uelzen, Band II)

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