Wahl

Thomas Schröder als Präsident des Deutschen Tierschutzbundes wiedergewählt

Thomas Schröder bezeichnete die bestehenden Missstände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung als Teil eines kaputten Systems, das bereits mit der Zucht beginnt.

Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn haben die Delegierten der Mitgliedsvereine Thomas Schröder als Präsident wiedergewählt. Schröder steht dem Dachverband seit 2011 vor. Auch die Vizepräsidentinnen Dr. Brigitte Rusche und Renate Seidel gehen in eine weitere vierjährige Amtszeit.

In seiner Eingangsrede forderte Thomas Schröder ein „Ende der Freiwilligeritis in der Agrar- und Tierschutzpolitik“. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes erinnerte Julia Klöckner an ihre gestalterische Verantwortung: „Sie ist Ministerin und nicht Moderatorin der ökonomischen Nutzerinteressen.“ Schröder betonte die Geschlossenheit der Tierschützer im Deutschen Tierschutzbund und verwies darauf, dass man gemeinsam einen gesellschaftlichen Wandel und eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Tierschutzfragen erreicht habe.

Schröder mahnte in Richtung Bundesregierung, den Blick für das „große Ganze“ im Tierschutz nicht zu verlieren und notwendige Strategien und Maßnahmen zeitnah anzugehen. „Wir erleben, dass die Politik Probleme und Lösungen immer kleinteiliger diskutiert. Großen Fragen wird ausgewichen. Wir Tierschützer haben die letzten Jahre immer Dialogbereitschaft, ja auch Kompromissbereitschaft bewiesen, wenn es um Schritt-für-Schritt-Lösungen ging, um voranzukommen. Dialog und Kompromissbereitschaft, am Ende auch Vertrauen und Verlässlichkeit, sind jedoch keine Einbahnstraße“, so Schröder. „Die verantwortlichen Politiker sind dringend gefordert, dem gesellschaftlichen Wunsch nach mehr Tierwohl und dem Staatsziel Tierschutz gerecht zu werden.“

Insbesondere die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration und des Kükentötens sowie das staatliche Tierwohlkennzeichen standen erneut heftig in der Kritik der Tierschützer. Ebenso wurden lange Lebendtiertransporte und Billigpreise für Fleisch und tierische Produkte angeprangert. „Es gibt kein Menschenrecht auf Billigfleisch“, betonte Schröder.

Er bezeichnete die bestehenden Missstände als Teil eines kaputten Systems, das bereits mit der Zucht beginnt. Das notdürftige Herumflicken daran, als ginge es bloß um kleinteilige Probleme, könne auf keinen Fall mehr ausreichen. Beim Thema Tierversuche wies der Tierschutzbund-Präsident darauf hin, dass Deutschland die EU-Vorgaben noch immer nicht umsetzt, weshalb sogar ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet wurde. „Auch hier braucht es den Blick für das große Ganze: Statt weiter Milliarden Fördergelder in die traditionelle Forschung mit Tieren zu investieren, braucht es endlich mehr Geld für alternative, tierleidfreie Methoden und eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen.“

Als Dachverband unterstützt der Deutsche Tierschutzbund die Vereine vor Ort auch ganz direkt: Aus dem letzten Haushalt flossen 1,1 Millionen Euro aus dem Bauhilfefonds und weitere Hunderttausend Euro als direkte Zuschüsse an die Vereine.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Folgerung

Wenn das System der Tierhaltung kaputt ist, dann ist auch unsere Gesellschaft kaputt. Denn diese hat direkt und indirekt dieses System gefordert, zumindest toleriert und tut es immer noch, indem es die Produkte kauft. Schröder weist also mit dem Finger auf die Landwirtschaft, mit den anderen Fingern aber auf unsere ganze Gesellschaft - er sagt es sogar: es gibt kein Menschenrecht auf Billigfleisch! Leider habe ich von dieser Sache in den anderen Medien nichts gehört!

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