Tierschutz

"Tiere nicht anders stellen als Menschen"

So viele Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen gab es noch nie. Warum ist das so?, wollte das Schweizer Agrarfachmagazin LANDfreund vom Theologen und Ethiker Thomas Gröbly wissen.

Warum sollten sich unsere Bauern mit Tierethik beschäftigen?

Thomas Gröbly: Es findet ein Kulturwandel statt, der die Beziehung zwischen Mensch und Tier neugestaltet. Das heisst, die Dominanz des Menschen gegenüber dem Tier wird immer öfter hinterfragt, und Tiere werden mehr und mehr als gleichwertige Mitlebewesen behandelt.

Und das bedeutet?

Gröbly: Wir kommen aus einer jüdisch-christlichen Tradition, in der die Vorherrschaft des Menschen über das Tier selbstverständlich ist. Diese zerbricht zurecht, denn ethisch gibt es kein Argument für diese Höherwertung. Intelligenz, Sprache oder Werkzeugherstellung sind beim Menschen gut entwickelt, aber die absolute Unterordnung der Tiere ist damit nicht zu begründen.

Also soll die Nutztierhaltung abgeschafft werden?

Gröbly: Ja, aber ich bin schon froh, wenn man diesen Konflikt sieht, wenn die Würde der Tiere geachtet wird und die einseitige Nutzenorientierung aufhört. "Nutztier" ist ein falscher Begriff. Denn es sind Mitlebewesen. Sie dürfen nicht anders gestellt werden als Menschen.

Was raten Sie den Tierhaltern und Bauern, um sich für einen Dialog fit zu machen?

Gröbly: Es gibt zwei Aspekte: Das eine ist die Tierethik, also wie züchten, halten und töten wir die Tiere, und der zweite ist die ökologische Schiene. In Zeiten von Klimawandel müssen die Anzahl "Nutztiere" kleiner und beispielsweise Sojaimport verboten werden. Insgesamt rate ich, proaktiv auszusteigen oder zumindest den Umgang mit den Tieren zu verbessern und sich der Diskussion zu stellen.

Liegt nicht die allergrösste Verantwortung beim Konsumenten?

Gröbly: Die Konsumierenden sollen weniger Fleisch essen und wenn, dann nur aus allerbester Tierhaltung – möglichst mit Schweizer Futter gefüttert und nicht von hochgezüchteten Tieren. Ich sehe die Gefahr, dass man alleine den Bauern die Schuld zuschiebt. Es sind natürlich auch die Futtermittelkonzerne, Grossverteiler, die Metzgereien, die Schlachthöfe. Alle entlang der Kette tragen eine Verantwortung. Auch die Politik muss steuernd wirken.

Wünschen Sie sich ein Verbot des Verkaufs von ausländischem Fleisch?

Gröbly: Es muss ja nicht gleich ein Verbot sein. Aber auf jeden Fall würde ich es eindeutig deklarieren und offenlegen. Und mit einer Lenkungsabgabe belegen, welche der Bevölkerung rückerstattet wird. Es sollte einen Anreiz geben, Schweizer Fleisch zu konsumieren.

Eine optimale Landwirtschaft sieht für Sie wie aus?

Gröbly: Eine engere Beziehung zwischen Essenden und Bäuerinnen, gekoppelt mit Vertragslandwirtschaft und kurzen Wegen, ist das Ziel. Dass ich das Tier, von dem ich Fleisch esse, kenne und auch mal beim Schlachten dabei bin. An der Fleischtheke gibt’s heute keine Tiere, und Kinder wissen oft nicht mehr, woher das Steak kommt.

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Artikel geschrieben von

Kirsten Müller

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Thiel

Daumen hoch...

Wir schützen Umwelt und Tiere bis zum Erbrechen und genießen am Ende des Tages ein Menü aus kontrolliertem Anbau und artgerechtester Haltung aus Südamerika oder sonstwo...!

von Gerhard Seeger

Krass formuliert, Herr Rohwer...

... aber dennoch kann man es kaum deutlicher ausdrücken. Die Einstellung des Herrn Gröbly zeugt von einer derartigen Abgehobenheit dass man beim Zuhören (Lesen) Kopfschmerzen bekommt. Er möchte das Tier kennenlernen und beim Schlachten dabei sein, soll er doch auf Metzger umschulen. Die Diskussion über Fleischverzicht, die "Rückkehr des Sonntagsbratens" u.a. wird meist von bestsituierten Zeitgenossen bestimmt, i.d.R. mit dem Verweis darauf dass Essen mehr kosten muß. Mögen Sie diese Debatte bitte mit dem Heer der Geringverdiener, der Alleinerziehenden, der Mieter und Rentner führen. Eine derartig bourgeoise Lebenshaltung muß man sich erst mal leisten können. Herr Gröbly kann dies offensichtlich. So mag er sich gerne mit Hund, Katz und Maus auf eine Stufe stellen, soll sich nur nicht beißen lassen.

von Marcus Rohwer

Dekadentes Ar***loch

Diese Art von Ethik und Moral kann man sich nur leisten, wenn man in reichsten Land der Welt lebt. Mindestens 99% der Menschen auf diesem Planeten können da nur verständnislos mit dem Kopf schütteln.

von Richard Huber

Warum gibt es so viele

Tierrechtsorganisationen? Natürlich weil dies ein riesiger Markt ist um Unsummen an Geld zu generieren. Die Oberen dieser Organisationen verdienen Millionen von Euro. Nicht anders funktionieren auch die Naturschutzverbände. Das einzige Ziel heißt Geld einnehmen.

von Hans-jürgen Fricke

Ja

Wir schützen so toll die Tiere. Vielleicht auch mal die Meschen schützen, Stichwort Pflegenotstand. Deutschland braucht jedenfalls nicht mehr lange über die Landwirschaftliche Tierhaltung Gedanken machen. Denn in ein paar Jahren gibt Es das in Deutschland nicht mehr!!!

von Heinrich Albo

Es sprach

die Katze zur Maus " Mäuschen lebe du weiter und vermehre zahlreich...Ich bin krank und leide am Gröbly Virus "

von Lars Henken

Wer Ethik will muss sie bezahlen.

Meiner Erfahrung nach, macht Ethik und Moral nur Spaß, wenn man sie von anderen fordern kann und sie nicht das eigene Geld kostet. Laut WHO haben wir die nachhaltigste Landwirtschaft der Welt, aber genug ist es immer noch nicht. Menschen wie Herrn Gröbly geht es am Ende darum die Nutztierhaltung aus ideologischen Gründen zu verbieten. Ich hätte da mal eine Frage, angenommen Herr Gröbly liegt nachts in seinem Bett. Eine Mücke auf der Suche nach Blut findet den Weg in sein Schlafzimmer. Sie schwirrt um seinen Kopf. Was tut er Herr Gröbly dann? Erschlägt er die Mücke in einem Akt der Selbstverteidigung oder hält er bereitwillig den Arm hin und sagt: "Trinke nur mein Kind, Du folgst Deiner Natur und ich werde dich nicht an der Fortpflanzung hindern."? Wie steht er zum Existenzrecht von Kopfläusen und Spulwürmern? Haben Krankheitserreger ein Recht auf Leben? Wie weit wollen wir die Grenze denn verschieben? meiner Meinung nach haben sich viele Menschen soweit von der Realität entfernt, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie von ihrem hohen, moralischen Thron zurück in die Realität stürzen. Wenn solche Menschen ihre Lebensmittel mit eigenen Händen, entsprechend ihrer eigenen Maßstäbe erzeugen, dann habe ich Hochachtung vor ihnen. So lange sie nur davon reden, wie die Landwirtschaft sein soll, werfen sie nur mit Nebelkerzen um sich und verbreiten leer Worthülsen.

von Rudolf Rößle

Folge

So lange Unternehmen durch unsere technischen Möglichkeiten immer größere Tierhaltungen genehmigt bekommen, sehe ich keinen Sinneswandel in der Politik. Kuschelig klein funktioniert hier nicht mehr. Da gibt es eben in den Städten dann mehr Streichelzoos.

von Gerald Hertel

@ Scheinheilig aber weitergedacht

es geht nur um die Abschaffung der Tierhaltung vor unseren Türen, Das hoffentlich billige Fleisch aus dem Supermarkt kommt aus anderen Ländern mit anderen Haltungs- und Produktionsbedingungen. Dann noch schnell paar E-autos für unsere Umwelt- wie es zB. in Chile aussieht interessiert hier wenige Passt zusammen

von Jörg Meyer

Ethisch korrektes banking

Ohne bankgeheimisse die die Welt schädigen würde die Schweizer Gesellschaft beim tierwohl und Nachhaltigkeit glaubhafter machen.

von Stefan Binkele

Unehrlich

Eine Reduzierung der Tierhaltung ist absolut diskussionswürdig, aber den Menschen vorzumachen es ginge ohne Nutztierhaltung ist einfach nur dumm. Wer bitte soll denn das Gras der schweizer Almen fressen?

von Albert Maier

Scheinheilig:

Das scheinheilige Geschwurbel dieses ethisch verbildeten Herrn muss man entlarven. Dem gehts nicht um Tierwohl, sondern nur um die Abschaffung der Tierhaltung. De Weg dahin geht über Tierwohl. Am Ende des Tages ist es verwerflich, glückliche Tiere zu essen!

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