Bemerkenswert

Tierschützer kritisieren Schlachthof-Blockade von Tierrechtlern

Die Tierschutzszene ist beim Protest gegen die Tierhaltung gespalten. Mit der Blockade des Thomsen-Schlachthofs in Kellinghusen sind nicht alle einverstanden. Eine pramatische Klarstellung.

Am Montag haben etwa 60 Aktivisten des Aktionsbündnisses "Gemeinsam gegen die Tierindustrie" den Thomsen-Schlachthof in Kellinghusen blockiert. Der Tierschutzverein Düsseldorf verurteilt diese Aktion, Tierliebe sehe anders aus.

Ziel der Demonstranten sei gewesen den Arbeitsbetrieb zu stoppen, so dass weniger bis keine Tiere geschlachtet werden können. Das halten die Düsseldorfer Tierschützer für „dumm“. In einer Mitteilung schreiben sie:

„Durch die coronabedingten Schließungen und Schlachtzahlreduktionen der letzten Monate hat sich in Deutschland ein „Schweinestau“ erheblichen Ausmaßes ergeben. Bereits besamte Sauen haben ihre Ferkel geworfen, die kamen in die Mastställe und wuchsen heran, konnten dann jedoch nicht wie geplant geschlachtet werden. Statt dem üblichen Schlachtgewicht, auf das die Größe der Ställe ausgelegt ist, wuchsen sie weiter und weiter, was zu extremer Enge in den Ställen und damit verbundenem Stress und Verletzungen führt. Die Landwirte waren und sind verzweifelt.

Inzwischen konnten die Schlachtzahlen zwar wieder hochgefahren werden, dennoch sind sie noch nicht wieder auf dem üblichen Niveau. Und: es warten aktuell noch rund eine halbe Million übergewichtiger, gestresster Schweine dicht an dicht in den Ställen.“

Der Tod der Schlachttiere sei ohnehin unausweichlich. Der Tierschutzverein fragt, ob es da nicht tierschutzgerechter sei, wenn man ihnen nicht noch das zusätzliche Leid durch unsinniges Blockieren der Schlachtbetriebe zumuten würde.

Für die Demonstranten klinge das wahrscheinlich herzlos. Aber realistisch betrachtet sei es nun mal so, dass große Mengen Schweinefleisch gegessen würden, und so lange das so ist, würden Schweine gemästet und geschlachtet. Und witer stellen die Tierschützer fest: „Wir haben in Deutschland noch deutlich höhere gesetzliche Anforderungen an die Haltung und Schlachtung als das in vielen anderen Ländern der Fall ist. Wenn nun aber das Ziel der Aktivisten erreicht würde und in Deutschland weder Schweine gehalten noch geschlachtet würden, kämen die Tiere aus dem Ausland und damit aus weit schlechteren Haltungsbedingungen. Denn der Bedarf an Schweinefleisch besteht ja nach wie vor. Ist das nun Tierschutz? Oder ist das unüberlegter, nicht weit genug gedachter Aktionismus?“

Der Tierschutzverein Düsseldorf wirbt eher dafür, die Haltungsbedingungen in Deutschland durch artgerechtere Haltung erheblich zu verbessern. Ziel sei es, die Schlachtbedingungen so tierschonend wie möglich zu machen und Verbraucher darüber aufzuklären, dass Tierwohl und Billigfleisch nicht zusammengehen. „Für diese Ziele steht „Schwein ohne Pein“ in engem Kontakt zu Landwirten, Schlachtbetrieben und der gesamten Kette. Wir haben einigen tausend Schweinen dadurch ein besseres Leben ermöglichen können. Das Blockieren der Schlachtbetriebe dagegen, schafft unnötiges Leid.“

Der Bauernverband SH sprach mit einer Tierrechtlerin

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vor von Marcus Arden

Tierschützer und Landwirte sind sich oft nicht grün. Winnie Bürger vom Tierschutzverein Düsseldorf lobt in ihrem Donnerstags-Blog die Bauern, übt Selbstkritik und fordert vom Verbraucher ein...


Diskussionen zum Artikel

von Eckard Wendt

Maßhalten statt Maßlosigkeit

Schlachten ist ein leider eine vielfach auch von exzessiven Fleischessern verdrängte Tatsache. Schlachttiere unnötig zusätzlich leiden zu lassen wie jetzt in Kellinghusen durch die Demo der Tierrechtler*innen verursacht, ist ebenso ein Unding wie die beschönigenden Darstellungen der ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Lasst mich schlafen

ich träume gerade das der Tierschutz uns Bauern hilft. Dieser Traum ist schöner als die Realität im Wachsein

von Winnie Bürger

Träumerei?

Für andere Tierschützer kann ich nicht sprechen, aber der Tierschutzverein Düsseldorf hat das Projekt Landwirtschaft ins Leben gerufen um genau das zu tun: gemeinsam mit Landwirten nach Lösungen zu suchen, die tierschutzgerecht aber auch praktikabel und bezahlbar sind. Wir sind dabei ... mehr anzeigen

von Georg Nordendorf

Tierschutzverein Düsseldorf

Wenn die Aussagen des Tierschutzvereins Düsseldorf so gefallen sind, Respkt. Auf dm Niveau besteht eine Gesprächsbasis. Eigentlich sind wir Landwirte und Tierschützer ja gar nicht so weit auseinander. Wir müssen aber im Zweifel gemeinsam an dem Ziel arbeiten. Für uns Landwirte ist ... mehr anzeigen

von Winnie Bürger

Tierschutzverein Düsseldorf

Die Aussagen sind nicht nur so gefallen, sondern auch in verschiedenen Medien und auf unserer Homepage im Bereich "Schwein ohne Pein" abgedruckt. Wie ich Karlheinz Gruber (s.o.) schon geantwortet habe: wir arbeiten MIT den Landwirten zusammen, nicht GEGEN sie!

von Hermann Wieber

Weiter dran bleiben

Ein sehr vernünftiges Statement von der anderen Seite! Man sollte weiter im Dialog arbeiten, auch wenn es für viele unmöglich scheint. Am Ende können wir die Zukunft nur gemeinsam gestalten.

von Winnie Bürger

Dran bleiben

So sehen wir das auch. Ich habe hier Karlheinz Gruber und Georg Nordendorf entsprechend geantwortet und freue mich, wenn Landwirte auf uns zukommen und wir gemeinsam nach Lösungen suchen können, die für die Tiere UND die Landwirte gut sind. Einfach anrufen, bitte!

von Hans-Peter Mahler

Gut von Spenden leben!

Die Szene wo die sogenannten Tierrechtler mit einem 600PS Mercedes der G-Klasse abgebraust sind sollte auch auf diese Plattform gezeigt werden. Eine Demonstrantin die vor dem Tor stand und behauptet hatte "Bauern haben das Recht auf Leben verwirkt" trug eine tausend Euro teure ... mehr anzeigen

von Eckard Wendt

Klischees sind kontraproduktiv!

Die Behauptung der Tierrechtsaktivistin ist in der Tat menschenunwürdig und spricht gegen die Frau, die sich zu dieser Äußerung hinreißen ließ. Sie sollte bedenken, daß sich selbst entwürdigt, wer anderen würdelos gegenübertritt. Aber bedenken Sie, Herr Mahler, bitte, daß Sie ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Wenn es die Tierschützer ernst meinen,

müssen sie konsequenterweise die "Tierrechtler" verklagen.

von Gerhard Steffek

Wow!!!

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Gibt es tatsächlich noch Menschen, die ihr Hirn zum Denken verwenden und gesunden Menschenverstand haben?

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