Urteil

Überfordert: Nebenerwerbslandwirt ließ Rinder verhungern

Wohin die Spirale aus beruflichen, privaten und finanziellen Sorgen führen kann, zeigte sich vor dem Gericht Künzelsau. Nach der Nachtschicht versuchte ein Mann nebenbei noch einen Hof zu führen.

Das Amtsgericht Künzelsau hat diese Woche einen 59-jährigen Nebenerwerbslandwirt zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten sowie 6.000 Euro Geldbuße verurteilt. Der Mann erhielt zudem ein Verbot der berufsmäßigen Tierhaltung für vier Jahre.

Laut der Zeitung „Heilbronner Stimme“ sahen die Richter den Vorwurf der strafbaren Tiertötung durch Unterlassen und quälerische Misshandlung von Tieren durch Unterlassen als erwiesen an. Polizisten hatten im November 2018 auf dem Betrieb des beschuldigten Molkereifachmanns im Raum Künzelsau drei stark unterernährte und dehydrierte Rinder entdeckt, die beinhoch im eigenen Kot standen. Sie mussten erlöst werden. Im Stall fanden die Beamten zudem Skelette weiterer Rinder.

Vor Gericht habe der Angeklagte nach Angaben der Zeitung alles gestanden. Er habe den Hof im Nebenerwerb geführt, zusätzlich zu seinem Vollzeitjob, wo er ausschließlich Nachtschicht arbeitet. Durch Überlastung, Überforderung und einen depressiven Gemütszustand nach Trennung von seiner Lebensgefährtin sei er letztlich nicht mehr in der Lage gewesen, die Tiere zu versorgen, heißt es. Seit der BSE-Krise 2000 sei der 50 ha umfassende Hof zudem in finanziellen Schwierigkeiten gewesen. Später seien noch die Eltern pflegebedürftig geworden.

Zu körperlichen Problemen ab 2017 seien neue berufliche, private und finanzielle Sorgen gekommen, die ihn überfordert hätten. Er der 59-Jährige geriet in eine Depression. Dass es den Tieren so schlecht geht, habe er nicht bemerkt. Wie die Zeitung schreibt, sei der Mann sehr peinlich berührt von den Vorwürfen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Hermann Kamm

@ fricke

Es ist nicht der Landwirt der schuld hat. Es gibt in jeden Betrieb unvorhergesehene Ereignisse. Aber wie sie über den Nebenerwerb urteilen ist schon ein starkes Stück . Mit solch einer Ego Einstellung werden wir Landwirte erst recht untergehen. Wir Landwirte müssen wieder zusammen halten wie in den 60 und 70iger Jahren. Und solange das nicht der Fall ist! Werden nur wenige von uns übrig bleiben.

von Armin Brenner-Schmid

Ist es eigentlich schon Strafe genug??

Traurig das er auch noch 6000 Euro Strafe bezahlen muss!! Er wird härter bestraft als manch Verbrecher! Obwohl er finanziell in Schieflage ist, seine Lebenspartnerin verloren hat! Als Nichtlandwirt wäre er zum Arzt und hätte sich wegen BurnOut krankschreiben lassen! Aber als Landwirt muss man 365 Tage im Jahr funktionieren egal wie es einem geht! Hier sieht man wie krank unser System ist!! Ok das mit den Tieren ist ein NOGo und es gehört bestraft! Aber sicher mancher Tierschützer hat mit den Tieren mehr Mitleid als mit dem Landwirt und wir Landwirte sind wieder ein stück weiter gefallen in der Sicht der Tierschützer

von Dr. Willi Billau

@Fricke: Kommentar total daneben

Hier geht es um ein menschliches Schicksal, das leider kein Einzelfall sein dürfte. Prämien-Gedankenspiele helfen hier nicht! Unsere momentane Agrarpolitik wird noch mehr Bauern in Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Depressionen treiben!

von Wilhelm Grimm

Tragische Fälle wird es immer geben,

die gibt es auch bei der Betreuung von Kindern. Da muss man helfen, zumindest versuchen.

von Hans-jürgen Fricke

Nebererwerbs Landwirt

So ist das wenn man Mondschein Bauer ist. Jeder der von seinem Tieren leben muss betreibt auch Tierschutz. Meines Erachtens dürften auch nur Haupterwerbs Landwirte Prämien bekommen.

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