Landwirtschaftskammern

Unternehmensergebnisse der Bauernhöfe im Durchschnitt um ein Viertel geringer

Laut dem Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) sind die Gewinne der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Deutschland im Wirtschaftsjahr 2018/19 im Schnitt um ein Viertel gesunken.

Auf der Basis der ersten Buchführungsergebnisse stellen die Landwirtschaftskammern ihre Auswertung der ökonomischen Entwicklung landwirtschaftlicher Haupterwerbsbetriebe für das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2018/19 vor.

Die dürrebedingt unterdurchschnittlichen Ernten in Verbindung mit rückläufigen Preisen für Milch, Rind-und Schweinefleisch haben die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebe im Vergleich zum Vorjahr deutlich sinken lassen. Allein in Rheinland-Pfalz erzielten die Unternehmer eine Gewinnstabilisierung, die aber auch dort nicht zu einer Entlohnung sämtlicher Produktionsfaktoren führte. Verbesserte Exportmöglichkeiten („China-Boom“) verhinderten einen Absturz der Mastschweine- und Ferkelpreise.

Futterbaubetriebe mussten einen Rückgang der Milch- und Rindfleischpreise bei steigenden Futterkosten hinnehmen. Die Hackfruchtbetriebe profitierten von einem Rekordjahr im Kartoffelbau.

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Hier die Details im Originalwortlaut:

Dürre 2018 sorgte in Nord-und Mitteldeutschland für starke Ertragsdepressionen

Die extreme Trockenheit im Sommer 2018, die teils mit großer Hitze einherging, beeinträchtigte die Ernten des vergangenen Wirtschaftsjahres auf Acker-und Grünland extrem. Die Betroffenheit war, je nach den regionalen Witterungs-und Standortbedingungen, unterschiedlich. Während Schleswig-Holstein und Niedersachsen unter Missernten litten, nahm die Betroffenheit in Richtung Süden ab. Qualität und Menge der pflanzlichen Produkte fielen dadurch regional sehr unterschiedlich aus.

Überwiegend schwache Ernte im Jahre 2018

Beim Getreide (ohne Körnermais) lagen die Erträge in Schleswig-Holstein mit nur 59 dt/ha 26 % unter dem Vorjahr. Auch in Niedersachsen musste man sich mit 61dt/ha begnügen, der schlechtesten Getreideernte der vergangenen zwanzig Jahre des Testbetriebsnetzes. Während die Landwirte in Nordrhein-Westfalen mit einem Ertragsrückgang von 4 % (74 dt/ha) eher glimpflich davonkamen, gab es in Rheinland-Pfalz und im Saarland im Vergleich zum Vorjahr keinen Rückgang.

Auch die Hektarerträge von Winterraps verfehlten das Fünf-Jahres-Mittel deutlich. Die ausgebliebenen Niederschläge haben zu einer nur kurzen Blütezeit und daraus resultierend geringem Schotenansatz geführt. Die Erträge in Norddeutschland sanken am stärksten und erreichten nur gerade die 30 dt-Grenze, was einem Rückgang von mehr als 10 % entspricht.

Auch die Kartoffelernte fiel in 2018, sowohl in der Menge als auch in der Qualität, erheblich geringer, als im Vorjahr aus. Im zweistelligen Prozentbereich mussten die Ertragsrückgänge nahezu bundesweit verkraftet werden; im Ertragsniveau allerdings durchaus unterschiedlich.

Während die Speisekartoffeln in Rheinland-Pfalz lediglich auf 240 dt/ha heranwuchsen, ernteten die Niedersachsen 360 dt/ha und die nordrhein-westfälischen Ackerbauern immerhin 420 dt/ha. Beregnungsbetriebe konnten die trockenheitsbedingten Ertragseinbußen technisch abmildern. Während in normalen Jahren durch Beregnung Mehrerträge von bis zu 33 % abgesichert werden, haben im Sommer 2018 beregnete Flächen sogar zwischen 40 bis 60 % über dem Durchschnitt liegende Erträge ermöglicht.

Kartoffelroder (Bildquelle: AVR)

Die Zuckerrüben machten bei den Haupterwerbsbetrieben im Testbetriebsnetz einen Flächenanteil von circa 5 % der Ackerfläche aus. Die 70-Tonnen-Grenze konnte im vergangenen Wirtschaftsjahr bundesweit nirgendwo überschritten werden. Mit 690 dt/ha macht der trockenheitsbedingte Rückgang in Niedersachsen nur moderate 9,5 % aus. In NRW musste dagegen ein Ertragsrückgang von 22 % auf 645 dt/ha und in Rheinland-Pfalz sogar um 33 % auf 583 dt/ha hingenommen werden.

Der Mais hat mittlerweile einen beachtenswerten Anteil in der Fruchtfolge der landwirtschaftlichen Betriebe. Nahezu kammerländerübergreifend hinterließ die Dürre des Sommers 2018 große Lücken in den Fahrsilos. Bis zu 40 Prozent geringer fiel der Massenertrag im Herbst 2018 aus.

Qualitativ hochwertiges Grundfutter war Mangelware

Die Niederschlagsdefizite ließen die Vegetation auf dem Grünland zeitweise komplett zusammenbrechen. Die viehhaltenden Betriebe konnten nur unzureichende Grundfutter-mengen minderer Qualität bergen. Insgesamt war auf dem Grünland ein Ertragsausfall von 30 bis 50 % zu verzeichnen. Die Konsequenzen bekamen insbesondere die Rinderhalter zu spüren. Durch die fehlenden Grundfuttermengen entstand in den Bullen-mast- und Milchviehbetrieben eine große Futterlücke.

Getreidemärkte im Aufschwung –Speisekartoffelpreis auf Rekordhöhe

Börse (Bildquelle: Brüggemann)

Erfreulich reagierten die Märkte auf das auch global knappere Angebot der Feldfrüchte. Die Preise für Getreidelegten bundesweit zwischen 15 und 20 % zu. Die Betriebe im Testbetriebsnetz vermarkteten zwischen 17,40 EUR/dt in Schleswig-Holstein und 18,30 EUR/dt in Nordrhein-Westfalen.

Wegen eines ebenfalls sehr knappen Angebots gab der Rapspreis im Vergleich zum bereits niedrigen Vorjahr nicht noch einmal nach. Die Preissteigerung reicht von 1 % in Rheinland-Pfalz bis zu 6,5 % in Schleswig-Holstein. Es wurden Preise zwischen 34 und 38 EUR/dt erzielt.

Die Kartoffelpreise verdoppelten sich nahezu gegenüber dem niedrigen Niveau von 2017. Dabei bleibt zu berücksichtigen, dass der Anbau von Vertragskartoffeln, deren Preise vorab festgelegt werden, nicht bei jedem Anbauer gleichermaßen für einen Anstieg der Umsatzerlöse sorgen konnte. Die Speisekartoffelmärkte befanden sich im abgelaufenen Wirtschaftsjahr auf Rekordhöhen.

Nach dem Ende der Zuckermarktordnung orientiert sich der Preis für Zuckerrüben am Weltmarkt. So hielten sich die Preise auf dem niedrigen Vorjahresniveau von circa 2,50 EUR bis 2,70 EUR/dt. Die niedersächsischen Zuckerrübenbauern konnten mit einem Plus von 3,6 % die 3-Euro-Marke je Dezitonne wieder überschreiten.

Milch-und Rindfleischpreise gaben nach

Rinderstall (Bildquelle: top agrar)

Die Milchpreise lagen in 2018/19 unter dem Vorjahresniveau. Im Mittel des Wirtschaftsjahres verzeichneten die Betriebe aus Schleswig-Holstein mit einem Rückgang von fast 7 % von 36,5 Cent/kg auf 34 Cent/kg netto das stärkste Preisminus. Erstaunlich ist, dass die Milchleistung je Kuh trotz der angespannten Grundfutterproblematik in fast allen betrachteten Regionen gesteigert werden konnte.

Preise für Rindfleisch rückläufig

Wegen der dürrebedingten Futterknappheit wurden Altkühe vorzeitig geschlachtet. Das relativ große Angebot wirkte sich auch auf die Preise der Jungbullen aus, die das Vorjahresniveau nicht wiederholen konnten. Selbst die Färsen- und Kälberpreise standen im vergangenen Wirtschaftsjahr spürbar unter Druck. So mussten die Rindermäster Umsatzrückgänge bis zu 13 % hinnehmen.

Volatiler Schlachtschweinemarkt erreichte Vorjahresmittel

Schweine (Bildquelle: Kühnemann)

Mit Beginn des Wirtschaftsjahres 2018/19 gaben die Notierungen für Schweinefleisch nach. Im November des vergangenen Jahreswurde der vorläufige Tiefststand erreicht, der in der zweiten Hälfte des Wirtschaftsjahres aber wieder nahezu ausgeglichen werden konnte. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ergab sich somit kein nennenswerter Preiseinbruch. Im Mittel des Wirtschaftsjahres wurde ein durchschnittlicher Erlös für Schlachtschweine zwischen 137 und 145 EUR realisiert.

Ferkelpreise mit zweistelligen Einbußen

Die Ferkelerzeugung musste in der Wertschöpfungskette der Veredlungsbetriebe wieder einmal die deutlichsten Einbußen hinnehmen. Über das gesamte Wirtschaftsjahr betrachtet, gaben die Stückpreise in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen um circa 10 % nach. Mit 42 Euro je Tier war das Preisniveau in den bundesdeutschen Veredlungs-hochburgen mit Abstand am geringsten. In Schleswig-Holstein konnten die Ferkelproduzenten immerhin noch einen Preis von 48 Euro und in Rheinland-Pfalz von 54 Euro je Tier erzielen.

Ackerbau: Höhere Getreide- und Kartoffelpreise kompensierten niedrigere Erträge

frisches Gras (Bildquelle: Lely)

Trotz der Dürre ließen deutliche Preissteigerungen, besonders bei Kartoffeln und Getreide, die Unternehmensergebnisse der Ackerbauern in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland spürbar steigen. Die Gewinne bewegten sich dort auf einem Niveau zwischen 57.000 und 82.000 EUR je Betrieb. Allein die Ackerbaubetriebe in Schleswig-Holstein konnten aufgrund der geringen Halmfruchterträge nicht profitieren. Die Unternehmen des nördlichsten Bundeslandes lagen mit einem Gewinn von nur 24.000 EUR je Betrieb weit hinter dem Durchschnitt.

Futterbaubetriebe müssen Umsatzrückgänge und hohe Futterkosten akzeptieren

Nach dem Rekordergebnis im vergangenen Wirtschaftsjahr hat der rückläufige Milchpreis für zum Teil erhebliche Umsatzeinbußen im Futterbau gesorgt. Ergänzend belasteten höhere Futterkosten die Wirtschaftlichkeit. Gegenüber dem Vorjahr brachen die Unternehmensergebnisse bis zu 50 % ein und erreichten eine Größenordnung zwischen 40.000 EUR in Schleswig-Holstein und 65.000 EUR in Rheinland-Pfalz.

Schweinehaltung: China-Boom kam zu spät

Die erfreulichen Marktsignale setzten für eine Verbesserung der Unternehmensergebnisse zu spät ein. Die Gewinne der Veredlungsbetriebe sanken im abgelaufenen Wirtschaftsjahr deutlich. Dabei mussten Ferkelerzeuger die weitaus höchsten Einbußen hinnehmen. In Niedersachsen erzielten die Schweinehalter nur noch ein Unternehmensergebnis von 39.000 EUR, was einer Nettorentabilität von lediglich 46 Prozent entspricht.

Mit dem Begriff Nettorentabilität wird beschrieben, in welchem Umfang die eingesetzten Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit vergütet werden. Für NRW ergaben sich Unternehmensergebnisse von 43.000 EUR. Dies korrespondiert mit einer Nettorentabilität von 55 %. Damit lagen die Ergebnisse weit unter dem Fünfjahresdurchschnitt, die für die Veredlungshochburgen auf circa 54.000 EUR je Betrieb zu beziffern sind. Lediglich die Veredlungsbetriebe in Rheinland-Pfalz konnten, trotz eines ebenfalls nennenswerten Abwärtstrends, mit einem Gewinn von 53.000 EUR eine Nettorentabilität von immer noch unbefriedigenden 70 % erzielen.

Öko-Betriebe konnten positiven Trend nicht beibehalten

Hacke (Bildquelle: Archiv)

Die extensive Wirtschaftsform der Ökobetriebe im Testbetriebsnetz der Kammerländer litt ebenfalls unter den Vegetationsbedingungen des Sommers 2018. Der Ertrag für Getreide (36 dt/ha) brach merklich ein. Die Preise für ökologisch erzeugtes Korn stagnierten auf einem Niveau von 39EUR/dt. Bei Raps wurden lediglich 18dt/ha geerntet, was mit einem Ertragsrückgang von 21 % korrespondiert. Auch hier zeigten sich die Kurse mit 48 EUR/dt annähernd stabil.

Kartoffeln erzielten mit 218 dt/ha einen Ernteertrag auf Höhe des Vorjahres. Die Preise legten von 46 EUR/dt auf 49EUR/dt leicht zu.

Der Preis für Öko-Milchblieb unverändert: Damit erlösten die Betriebe 48,50 Cent/kg Milch. Entgegen des Trends in der konventionellen Schweinehaltung konnte der Vorjahrespreis bei Öko-Schweinen sogar überboten werden. Mit einem Plus von zwei Prozent erzielten die Produzenten 375 EUR je Mastschwein.

Die Öko-Betriebe konnten im Vergleich zum Vorjahr ihr Unternehmensergebnis nicht halten. Sie rutschten um über 23Prozent auf einen Durchschnitt von 56.200 EUR ab.

Gewinnrückgang im Futterbau und in Veredlung belastete das Gesamtergebnis

Im Durchschnitt aller Betriebe und Regionen gaben die Gewinne von rund 70.000 EUR auf 52.000 EUR nach. Dieser Wert wurde vor allem durch die Einbußen bei Futterbaubetrieben, aber auch bei den Schweinehaltern, geprägt. Die Auswirkungen der Dürre zeigten ein klares Nord-Süd-Gefälle. Während in Rheinland-Pfalz und im Saarland die Halmfrüchte noch leicht zulegten, verschärfte sich die Situation vor allem in Schleswig-Holstein. Hier wurde ein Durchschnittsgewinn von lediglich 36.000 EUR erreicht. Die Nettorentabilität erreichte Werte von 47 % in Schleswig-Holstein und 90 % in Rheinland-Pfalz.

In Bezug auf alle Betriebsausrichtungen ist festzustellen, dass die Gewinne nicht ausreichten, um die eingesetzten Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit voll zu entlohnen. Im Norden ergaben sich Eigenkapitalverluste. Im Südwesten war es dagegen noch möglich, Rücklagen zu bilden.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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