Kritik

USA: Bauernpräsident wirft Trump Schönfärberei vor

Der US-Bauernpräsident wirft Donald Trump Ignoranz vor. Fast 600 Landwirte hätten 2019 Insolvenz angemeldet, die landwirtschaftlichen Schulden sind auf 416 Mrd. Dollar angestiegen.

Vor dem Hintergrund zunehmender Farmpleiten in den Vereinigten Staaten hat der Präsident des US-Bauernverbandes National Farmers Union (NFU), Roger Johnson, die Äußerungen von Präsident Donald Trump zur Lage der Nation mit scharfen Worten kritisiert.

Nach der Rede Trumps letzte Woche vor dem Kongress in Washington bezeichnete Johnson - dessen Verband vorwiegend kleinere Familienbetriebe vertritt - die Darstellungen des US-Präsidenten als „Schönfärberei“. Die angekündigten „rosigen Aussichten“ für die US-Wirtschaft seien nicht nur ungenau, sondern auch unsensibel gegenüber den Millionen von Menschen im ländlichen Amerika, die jeden Tag um ihr Überleben kämpften, so der NFU-Präsident.

Laut Johnson sind die Schulden der landwirtschaftlichen Betriebe im vergangenen Jahr auf 416 Mrd $ (376 Mrd Euro) angestiegen - den höchsten Stand seit der Krise in den 1980er Jahren. Trotz der Sonderhilfen zum Ausgleich von Einbußen aufgrund von Handelskonflikten könnten viele Landwirte dem finanziellen Druck nicht mehr standhalten.

Dem NFU-Präsidenten zufolge haben fast 600 Landwirte 2019 Insolvenz angemeldet; dies sei ein Anstieg um 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich hätten Tausende weitere Landwirte beschlossen, ihren Hof aufzugeben.

Der größte Bauernverband der USA, das American Farm Bureau (AFB), hatte zuvor berichtet, dass im vergangenen Jahr 595 landwirtschaftliche Familienbetriebe Bankrott angemeldet hätten; das seien etwa 100 oder 20 % mehr als 2018 gewesen. Es sei der höchste Anstieg seit acht Jahren.

Sonderbeihilfen haben Schlimmeres verhindert

Als wesentlicher Grund dafür nannte das AFB den Handelskonflikt mit der Volksrepublik China. Während die Volksrepublik 2017 noch für fast 26 Mrd $ (23,5 Mrd Euro) landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten gekauft habe, sei es 2019 nur noch für gut 9 Mrd $ (8,1 Mrd Euro) gewesen.

Angeführt werden darüber hinaus aber auch die ungünstigen Witterungsbedingungen im vergangenen Jahr. Zudem bewegten sich die Preise für wichtige Agrarprodukte wie Milch, Mais und Sojabohnen bereits seit Jahren auf relativ niedrigem Niveau.

Schlimmeres verhindert hätten die zusätzlichen Milliarden-Beihilfen, die Trump wegen der Handelsstreitigkeiten der Landwirtschaft gewährte. Nach Angaben des Washingtoner Agrarressorts machten die Direktbeihilfen und sonstigen Agrarsubventionen zuletzt ein Drittel der landwirtschaftlichen Einkommen aus; das war das höchste Niveau seit 14 Jahren.


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