Image der Landwirtschaft

Kommentar: Vor und nicht in die Tagesschau

Ein Werbespot vor der Tagesschau? So mancher Landwirt träumt davon. Nachhaltig dürfte sich die Stellung der Landwirtschaft nur verbessern, wenn sie ein Bündnis mit Verbrauchern schmiedet.

Ein Kommentar von Patrick Liste, stellvertretender Chefredakteur vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Selbst Vollblut-Optimisten fällt es derzeit schwer, positiv in die Zukunft zu blicken. Schweinehalter müssen wählen zwischen großen Investition oder dem Ausstieg. Rinderhalter dürfen plötzlich Kälber nur noch auf weichen Böden halten und bekommen einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Und Ackerbauern können sich selbst ausmalen, was die Vorgaben des Green Deals bedeuten. Doch damit nicht genug. Zusagen vermeintlicher Unterstützer entpuppen sich als Lippenbekenntnisse:

Die Politik treibt weiter machtpolitische Spielchen. Die Koalition kann sich nicht auf Änderungen beim Baurecht einigen. Diese sind aber zwingend, um Tierwohlställe zu bauen. Das lässt nichts Gutes für das Wahlkampfjahr 2021 erwarten, in dem sich die Grünen profilieren wollen.

Der Lebensmittelhandel präsentiert sich als Partner der Bauern. Das Gegenteil ist der Fall. Aktuell liefert er sich einen der erbittertsten Preiskämpfe überhaupt. Hauptsache billig! Keine Spur von Wertschätzung für Produkte und Erzeuger. Sondern Preisdruck bis auf die Höfe.

Klar ist: Auch Landwirte müssen Produktionsabläufe anpassen. Das wollen viele auch. Und jede Veränderung bietet neue Chancen. Doch die aktuelle Ballung und Dynamik überrollt viele Betriebsleiter. Sie fühlen sich nicht mitgenommen und können keine Zukunftsperspektive erkennen. Sie resignieren. Eine gefährliche Entwicklung für die deutsche Versorgungssicherheit.

Deshalb verdienen alle Respekt, die weiter um ihre Zukunft kämpfen. Zum Beispiel, indem sie Kritikern nicht das Wort überlassen. Es war gut, dass „Land schafft Verbindung“ rund 250 Bauern als Gegenpol zu den Protesten von Tier- und ­Umweltschützern vor dem Tönnies-Werk mobilisiert hat. Zudem sollten Landwirte, Verbände sowie Organisationen weiter die Politik „bearbeiten“. Denn beispielsweise lässt sich das Kastenstandurteil über die Ausführungshinweise zumindest noch etwas mildern.

Nachhaltig dürfte sich die Stellung der Landwirtschaft allerdings nur verbessern, wenn sie ein stärkeres Bündnis mit Verbrauchern schmiedet. Corona hat die Landwirtschaft als „systemrelevant“ erklärt. Doch kaum ein Verbraucher weiß wirklich, was das heißt. Viele haben nicht mehr vor Augen, wie die Abläufe auf einem landwirtschaftlichen Betrieb sind. Und schon gar nicht, wie die gesamte Lebensmittelkette funktioniert.

Weil Wissen fehlt, mangelt es an Verständnis. Um das aufzubauen, sind neben der Bildung von Kindern Werbe- und Imagekampagnen nötig. Diese sollten authentisch zeigen, wie Landwirte Lebensmittel produzieren. Und dabei auch kritische Themen ansprechen. Das schafft bei Verbrauchern Vertrauen – die wichtigste Währung.

Die „Mag doch jeder“-Kampagne könnte das leisten – aber nur, wenn es mehr Unterstützer und Geld gibt. Das hat die Branche selbst in der Hand. Mit mehr Zulauf ließe sich auch der Wunsch vieler Landwirte erfüllen: Werbung vor der Tagesschau, kein Negativbericht in der Tagesschau.


Diskussionen zum Artikel

von Gregor Grosse-Kock

Bündnis mit Verbraucher

Ein Bund oder einen Vertrag zu schließen setzt viel voraus, besonders Gegenseitiges Vertrauen und Vertragen!!! Wie bitteschön soll das Funktionieren, wenn uns ständig in die Parade gefahren wird -eine schlechte Meldung bleibt Siebenmal besser im Gedächtnis als eine Gute! Also ... mehr anzeigen

von Guido Müller

Diffamierungen der Landwirte

sind in den öffentlich rechtlichen Sendern an der Tagesordnung. Gleich ob Viehhaltung oder Ackerbau trieft es nur von Falschinformationen. Die Sendung "Mittagsmagazin" oder "Morgenmagazin" sowie "Fachsendungen" mit grünen Fachleuten ohne Lebensmittelproduktion erheben sich zu ... mehr anzeigen

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Ein Beispiel

Ein Beispiel, wie Aufklärung aussehen könnte: https://www.youtube.com/watch?v=8RMmG9wAq1o

von Wilhelm Grimm

Kostendeckende Preise sind in jedem Betrieb anders, sind aber völlig abgesoffen !

Und darauf wollen Null-Ahnung Politiker nun noch kostenträchtige Auflagen und Deals draufsatteln. Wir können nur mit unserem Wissen dagegen halten, das müssen wir vermitteln Politiker und die Bevölkerung sind aber bereits durch die Propaganda des BMU und anderer NGOs deren ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Ob die PR- Kampagne uns wirklich hilft, steht in den Sternen, die Bauern haben Sorge.....

überhaupt diese Krise zu überstehen! Wir waren nicht gut vorbereitet, und wir brauchen jetzt endlich Kostendeckende Preise, sonst werden es nicht viele ÜBERSTEHEN! Wir sind kein digitales Spielzeug, was man wie bei Monopoly hin und herschieben kann! Wir brauchen bald eine wirkliche ... mehr anzeigen

von Wilfried Maser

ernüchternd

Es ist wichtiger das Eigentum am Betrieb zu behalten als das er fortgeführt wird.

von Kirsten Wosnitza

Ist das alles?

Was Herr Liste zur Lösung des Dilemma anzubieten hat, in dem sich so viele Landwirte befinden? Die Anerkennung der Realität wird in diesem Kommentar verweigert. Wer immer noch darauf setzt, dass die Aufklärung der Verbraucher die wirtschaftlichen Probleme vor allem der Tierhalter (die ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Interessierte

die Menschen, die sich aktuell für Landwirtschaft interessieren befürworten alles, was zu mehr Tierwohl und weniger Tiere im Land beiträgt. Sie klicken lieber auf Soko Tierschutz und Peta als auf die Homepage vom Bauernverband. Die Genießer von Milch und Fleisch fragen da eher direkt ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

"Weil Wissen fehlt, mangelt es an Verständnis"

Aber, wie kriegen wir das hin? Mit Werbespots vor den Nachrichten nicht, und in den Nachrichten kommt dann eine Petra Gerster und macht alles kaputt. Wie geistig armselig die Städter mangels Wissen über uns denken, haben wir bei den Volksbefragungen zum "Bienentod" und anderen Fragen ... mehr anzeigen

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Wissen

Bei vielen Verbrauchern mangelt es einfach an Wissen über die Herkunft, Inhaltsstoffe und die Produktion ihrer Lebensmittel. Bestes Beispiel ist eine Umfrage in einem Einkaufszentrum zu dem Thema Veggie-Burger / Rindfleisch-Burger. Man hat etliche Probanden nach ihrer Meinung befragt: ... mehr anzeigen

von Heinrich Albo

Das Ziel der Ngo's ist ..

...die Abschaffung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ! Der Verbraucher will weiterhin hochwertiges Fleisch billig einkaufen ... dafür darf aber kein Tier Deutschland eingesperrt,transportiert und getötet werden....Tiere sind in Deutschland nur noch Hobby,Spielzeug, ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Warum

sollten große Nahrungsmittelverkäufer höhere Preise zahlen, wenn sie in Hülle und Fülle gute Qualität bekommen können? Sie haben oft lange gesicherte Kontrakte und nutzen die Schnäppchen im Einkauf aus.

von Rudolf Rößle

Landbesitzer und Kommunen

das wird die entscheidenden Fragen der Bewirtschaftungsweise bestimmen und Leitblanken setzen. Gerade Kommunen, Kirchen sind noch nahe dran am Landwirt, weil sie vor Ort sind. Nur Wohlwollen und gemeinsam erarbeitete Strategien bringen uns voran. Sonst könnte 2030 heißen nur noch Bio ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Eher ein Segen für den Verbraucher

wäre Zwangsbio, denn damit würden die Preise fallen und für mehr Menschen erschwinglich werden. Die Landwirte würden in die Röhre schauen, aber das stört die meisten Käufer eh nicht.

von Erwin Schmidbauer

Lippenbekenntnisse

Die Lippenbekenntnisse gibt es nicht nur in der Politik, die gibt es insbesondere beim Konsumenten. Ein Bündnis mit den Verbrauchern schmieden? Mit welchen Verbrauchern? Mit jedem der ca. 65 Millionen in Deutschland lebenden, die einkaufen, einen Vertrag schliessen? Die Realität ist ... mehr anzeigen

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