Entwicklungshilfe

Westfälisches Netzwerk für Uganda

Seit fünf Jahren engagiert sich der WLV in Uganda. Das Ziel: landwirtschaftliche Strukturen vor Ort stärken. Am Mittwoch trafen sich die beteiligten Institutionen.

Bildung, Gesundheit, Klimawandel - Wer sich mit der kleinstrukturierten Landwirtschaft im ostafrikanischen Uganda beschäftigt, kommt an den großen Themen nicht vorbei. Das wurde auf einer Austauschveranstaltung des „Netzwerk Uganda“ am vergangenen Mittwoch deutlich, zu der der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und der Internationale Ländliche Entwicklungsdienst (ILD) auf das Gut Havichhorst nach Münster eingeladen hat.

Bürgerkriegserfahrung bremst Zusammenarbeit

Ein Highlight stellte ein gemeinsames Gespräch mit Projektpartnern aus Uganda dar: Die Führung des Interviews mit Betty Namagala und Father Hilary Muheezangango von der Caritas Kasanaensis und Politikwissenschaftler Andrew Matsiko übernahm der stellvetretende Geschäftsleiter der Andreas Hermes Akadamie International, Philipp Conze-Roos.

Die Gesprächspartner berichteten von den Erfolgen - aber auch von den Herausforderungen - des unter anderem vom WLV geförderten Hilfsprojektes „Von Landwirt zu Landwirt“. Father Hilary Muheezangango sagte, bezogen auf die von Bürgerkriegen gebeutelte Bevölkerung: „Das Volk in Uganda hat viel durchgemacht. Es ist schwer, die Menschen erst einmal davon zu überzeugen, überhaupt wieder zusammen zu arbeiten.“ Denn genau das will das Hilfsprojekt erreichen, wie Susanne Schulze Bockeloh von der Stiftung Westfälische Landschaft nach der Begrüßung von WLV-Präsident Johannes Röring ausführte. Sie sagte: „Unser Ziel ist es, bäuerliche Organisationsstrukturen aufzubauen. Tatsächlich haben wir bei unserem Besuch in Uganda zum Beispiel eine Art Ortsverbandsversammlung besucht, die eine kleine Sparorganisation gegründet haben.“ Quasi eine Genossenschaftsbank in ihren Anfängen.

Tatsächlich hätten die Farmer, die bislang an den Schulungen des Projekts teilgenommen haben, ihr Einkommen bereits steigern können, berichtete Betty Namagala, die als Projektmanagerin vor Ort mit den Farmern arbeitet. Sie berichtete über ein Beispiel: „Statt die Maiskörner als Rohprodukt zu verkaufen, wurde die gesammelte Ernte der Teilnehmer zu Mehl verarbeitet und zu einem weit besseren Preis verkauft.“

(Bildquelle: Piepenbrock)

Land Grabbing, Landfragmentierung, Kimawandel

Problematisch sei aber der Umgang mit Land und unklaren Eigentumsverhältnissen. „Wir erleben, dass Farmern ihr Land durch Investoren weggenommen wird“, sagt Betty Namagala. „Oder aber, es wird so lange unter den Kindern der Familie aufgeteilt, bis das Land vollends zerstückelt ist.“ Beides bremst Investitionen.

Darüber hinaus leben die Landwirte Ugandas bereits heute mit den Auswirkungen des Klimawandels, berichteten die Redner übereinstimmend. „Die Regenzeiten verschieben sich“, sagte etwa Hilary Muheezangango. „Die meteorologischen Angaben, wann Regen kommt und wann nicht, stimmen vorne und hinten nicht mehr.“ Geplant ist nun der Aufbau eines Bewässerungssystems. Selbstredend benötigt dies wieder neues Kapital und Schulungen für den Betrieb.

Politikwissenschaftler Andrew Matsiko betonte vor den Vertretern verschiedener Entwicklungshilfeorganisationen, dass die Akteure und die eigene Regierung vor der Implementierung von Programmen unbedingt mit den Menschen vor Ort sprechen sollten. „Die Repräsentanten glauben zu wissen, was die Basis braucht“, sagte er. Das erfahren sie aber nur im Gespräch, so der Student weiter. „Man kann nichts durchsetzen, was die Menschen, die es betrifft, nicht wollen.“

Matsiko plädierte dafür, Afrika als jungen, dynamischen und kreativen Kontinent zu betrachten. Er sagte:

Uganda ist jetzt auch politisch stabil, die Schulbildung steigt, Kooperationen können funktionieren. -Matsiko

Projektzahlen

Das Projekt „Von Landwirt zu Landwirt“ besteht seit August 2014 und war zunächst für drei Jahre angesetzt. Im November 2018 wurde es um weitere mindestens drei Jahre verlängert. Das Projektvolumen beträgt insgesamt 480.000 €. Der WLV-Anteil an der Finanzierung beträgt 10 %. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) trägt 75 %, die Caritas wirbt weitere 15 %.

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