Junglandwirtekongress

Wie kann Klimaschutz bei Landwirten aussehen?

Landwirtinnen und Landwirte treibt das Thema Klimaschutz um. Aber wie viele Treibhausgasemissionen kann die Landwirtschaft wirklich einsparen? Und welche Weichen müssen dafür gestellt werden?

Klimaschutz ist von enormer Bedeutung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, auch für Junglandwirte und Junglandwirtinnen. Taugt die CO2-Bilanz in der Landwirtschaft als Maßstab für die Zukunft? Welche politischen Rahmenbedingungen werden zur Umsetzung von Klimaschutzzielen gebraucht? Welche Weichen müssen wir jetzt stellen, um den politischen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden? So lauteten einige der Fragen, denen der Bund der Deutschen Landjugend e.V. (BDL) und der Deutsche Bauernverband e.V. (DBV) beim jährlichen JunglandwirtInnenkongress auf der erstmals digital durchgeführten Internationalen Grünen Woche 2021 (IGW) nachging.

„Der Klimawandel ist menschengemacht“

Für Zündstoff sorgte Bernhard Osterburg vom Thünen-Institut. Der Leiter der Stabsstellen Klima und Boden des Agrarforschungsinstituts bereitete mit seinem Impulsvortrag „Klimaschutzpolitische Herausforderungen für die Landwirtschaft“ aus wissenschaftlicher Sicht den Boden für die anschließende Diskussion. Für ihn ist die Landwirtschaft einerseits Mitverursacher des Klimawandels, andererseits aber auch stark vom Klimawandel betroffen.

Als Quellen für Treibhausgasemissionen nannte Osterburg die folgenden Sektoren in der Reihenfolge:

1. Energie

2. Industrie

3. Landwirtschaft

4. Landnutzung, -sänderung, Forstwirtschaft

5. Abfall

Es ist nicht möglich, landwirtschaftliche Emissionen zu senken, ohne nicht auch die Nahrungsmittelproduktion zu senken." - Bernhard Osterburg

Die drei großen Stellschrauben, an denen die Landwirtschaft drehen müsse, sind laut Osterburg die Tierhaltung, das Wirtschaftsdüngermanagement und die Stickstoffdüngung in den Böden. „Es ist jedoch nicht möglich, die landwirtschaftlichen Emissionen zu senken, ohne nicht auch die Nahrungsmittelproduktion zu senken“, gab der Wissenschaftler zu bedenken. Auch eine Umstellung der menschlichen Ernährung hin zu weniger Fleisch müsse demnach Teil der Lösung sein, so Osterburg.

Praxisbeispiel: CO2-neutrales Weingut

Wie kann der Klimaschutz ein fester Bestandteil in landwirtschaftlichen Betrieben werden? Mit gutem Beispiel voran geht etwa der Landwirt und Winzer Andreas Hormuth aus der Pfalz. Er betreibt nach eigener Aussage das erste klimaneutrale Weingut Deutschlands. Seit 2015 berechnet er jedes Jahr seinen CO2-Fußabdruck gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Nachhaltige Entwicklung. So schaut der Betriebsleiter gezielt, wo Emissionen in welcher Höhe entstanden sind und wie diese gesenkt werden können. Vom Anbau bis zur Abfüllung und Vermarktung setzt der Landwirt zahlreiche klimaschonende Maßnahmen um:

  • So düngt er seit 30 Jahren ausschließlich organisch, arbeitet viel mit Begrünungen in seinen Weinbergen und konnte den Humusgehalt im Boden bereits anheben.
  • Den im Weingut benötigten Strom erzeugt der Landwirt über seine Photovoltaik-Anlage und ein selbstgebautes Windrad. Produziert wird 2x mehr, als das Weingut verbraucht, der Rest geht in den eigenen Stromspeicher.
  • Er besitzt zwei Elektroautos, mit denen er zu 80 % die Auslieferung des Weins an seine Kunden in der Region übernimmt.

Weingut familie

Der Familienbetrieb von Alfons Hormuth wirtschaftet CO2-neutral und legt Wert auf nachhaltige Maßnahmen. (Bildquelle: Weingut Alfons Hormuth)

„Ich habe die Emissionen pro Flasche Wein um 10 % gesenkt“, berichtet der Landwirt, während die Weinbranche allgemein die Emissionen in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt habe. Diese Emissionen werden nach Angaben des Praktikers fast zur Hälfte durch die Glasflasche verursacht. Daher hat Hormuth ein Pfandsystem für seine Weinflaschen eingeführt, wodurch er rechnerisch pro Flasche 300 bis 400g CO2 einspart. Insgesamt verursacht eine Flasche Wein in seinem Betrieb nach eigenen Angaben Emissionen von 500g CO2. Auch beim Einkauf der Etiketten achtet der Landwirt auf umweltfreundliche Druckverfahren.

Wagyu Sauerland: nachhaltige Wertschöpfungskette

Der BDL nutzte den digitalen Junglandwirtekongress nicht nur für Diskussionen. Auch der „Newbie“-Award für besonders kreative Neueinsteiger in die Landwirtschaft fand auf der virtuellen Bühne statt. Diesjährige Preisträger sind Katrin Schütz und Christoph Willeke aus dem nordrhein-westfälischen Sauerland. Die Herkunft hört man auch im Namen. „Die Marke Wagyu Sauerland ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie der Blick über den Tellerrand kombiniert mit regionalen Gegebenheiten und ehrlichem Marketing die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft verbessern kann“, begründete BDL-Vize Mara Walz die Newbie-Award-Entscheidung. „Unsere Preisträger setzen auf Integrität der Produkte. Ihr Respekt gegenüber Tieren und Umwelt ist maßgeblich für ihr Unternehmen.“

Unsere Preisträger setzen auf Integrität der Produkte. Ihr Respekt gegenüber Tieren und Umwelt ist maßgeblich für ihr Unternehmen." - Mara Walz

Vergeben vom BDL, der Fachhochschule Südwestfalen und f3 soll der Newbie-Award innovativen NeueinsteigerInnen helfen, sich ein solides Netzwerk aufzubauen. Gerade Neusteigern fiele es schwer, sich Zugang zu Land, Kapital und Märkten zu verschaffen. Zu den Auswahlkriterien gehörte, wie innovativ und erfolgreich die Geschäftsidee ist, was der Betrieb für Umwelt und Gesellschaft leistet und wie die Bewerbenden mit betrieblichen Herausforderungen umgehen.

Auf ihrem Hof züchtet das Unternehmerpaar japanische Wagyu Rinder. Aufgezogen, geschlachtet und vermarktet werden die Tiere direkt auf ihrem Betrieb - die gesamte Wertschöpfungskette konzentriert sich dort. Als das Paar anfing, hatten sie noch keinen Hof, dafür aber ein gutes Konzept, das nun aufzugehen scheint: Seit 2019 lässt sich Fleisch, auch einzelne Steaks oder Burger bestellen, Tasting Events buchen und Patenschaften für die Tiere übernehmen, die fast ganzjährig auf der Weide stehen.

„Klimaschutz fängt bei jedem Einzelnen an“

Das abschließende Statement von Junglandwirt Stefan Schmidt dürfte vielen Berufskollegen im Gedächtnis geblieben sein. „In der öffentlichen Debatte wird oft vergessen, dass wir Landwirte Lebensmittel für den täglichen Bedarf produzieren.“ Anstatt der Landwirtschaft die alleinige Verantwortung zu übergeben, müsse jeder Verbraucher das eigene Konsumverhalten überdenken, um langfristig etwas zu verändern. Nicht nur die Ernährung, sondern auch Emissionen im Freizeitbereich, z. B. durch Flugreisen zu Billigpreisen seien ein Beispiel, das jeden betreffe. Nichtsdestotrotz zeigte der Junglandwirt die Bereitschaft, sich aktiv für Klimaschutz in der Landwirtschaft einzusetzen.


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