Streit

Wiesbaden will Ackerland zum Schnäppchenpreis und droht mit Enteignung

Landwirte in Wiesbaden sollen ihr Land für 3 - 12 € pro Quadratmeter an die Stadt verkaufen. Die will die Flächen anschließend für einen Quadratmeterpreis von 1.000 € als Bauland weiterverkaufen.

Die Bauern in Wiesbaden-Erbenheim sind entsetzt. Die Stadt verlangt, dass die Landwirte ihre Flächen am Stadtrand zu Quadratmeterpreisen zwischen 3 und 12 € abgeben. Hier soll ein neuer Stadtteil entstehen.

Gegenüber dem Hessischen Rundfunk sagte Landwirt Ralf Schaab, das Angebot sei keine Entschädigung, sondern ein unfaires Verhalten von der Stadt. „Das geschieht in einer ziemlich arroganten Weise und es wird einem die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder du machst das was wir wollen oder du wirst enteignet“, berichtete Schaab, der für 25 Grundbesitzer spricht. Den realistischen Marktwert der Flächen bewertet er mit 80 € pro Quadratmeter, denn aus den Feldern soll Bauerwartungsland werden, das die Stadt seinen Informationen nach später für 1.000 € weiterverkaufen will.

„Das geht nicht anders, sonst können keine günstigen Wohnungen für 12.000 Menschen entstehen“, kontert Bauderzernent Hans-Martin Kessler (CDU). „Aus dem Planungsgewinn der Ankaufs- und der Verkaufspreise müssen sämtliche Infrastrukturmaßnahmen des Gebietes finanziert werden und das wird nur möglich sein, wenn diese Differenz nicht zu groß wird“, so der Beamte. Die Stadtentwickler hätten sich auf 12 € festgelegt, das sei auch Vorgabe einer unabhängigen Kommission. Das Projekt werde umgesetzt, so oder so, heißt es laut HR aus dem Rathaus.

All die Millionen Erschließungskosten könnten aber nicht auf dem Rücken der Bauern finanziert werden, erklärt Schaab, der in der Nähe seinen Hof betreibt.

In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 17. September 2020 wurde die Entwicklungssatzung für das Gebiet Ostfeld dann mehrheitlich beschlossen.


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