Harsewinkel

ZDF-Moderator Steffens berichtete über Klimawandel und Artenschwund

400 Landwirte waren beim Volksbank-Agrarforum bei Claas, um mit dem ZDF-Moderator Dirk Steffens über Klimawandel, Artenschutz und die Zukunft der Landwirtschaft zu sprechen.

Den Landwirten in Ostwestfalen-Lippe machen Klimawandel, Preisdruck und Bürokratie besonders stark zu schaffen. Das ergab eine „Mentimeter“-Umfrage zu Beginn des Agrarforums im Technoparc der Firma Claas in Harsewinkel.

Extreme Wetterbedingungen wie die Dürreperioden 2018 und 2019 haben oft geringere Ernten mit schlechterer Qualität zur Folge, und regionale Ereignisse wie Starkregen führen zu Totalausfällen, wie Hermann Dedert berichtete. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Herford-Bielefeld stand am 6. März mit auf dem Podium, um gemeinsam mit Dirk Steffens und anderen Fachleuten zu diskutieren.

„Wir müssen eigentlich von einer Ökokrise sprechen“, stellte der ZDF-Moderator Dirk Steffens klar. Das Klima sei dabei nur einer von neun wichtigen Bausteinen, damit Menschen auf der Erde leben können. Letztlich hänge alles mit allem zusammen, aber das Gefährlichste im Moment sei das „unablässige, gleichzeitige Aussterben von Arten“, das schlimmste seit Aussterben der Dinosaurier. Etwa 150 Tierarten gingen täglich verloren. Für die Landwirtschaft besonders wichtig: „In dramatisch kurzer Zeit verlieren wir Fluginsekten“, so der 52-jährige Journalist.

In manchen Gegenden, etwa in China, müssten Obstbäume heute bereits von Hand bestäubt werden. Und in den USA würden winzig kleine Roboter entwickelt, die die Arbeit von Bienen übernehmen sollten.

Gruppenbild

Matthias Kruse, Harald Herkströter, Hermann Dedert, Jürgen Osterhage, Andreas Kämmerling, Dirk Steffens, Ulrich Scheppan, Andreas Westermeyer, Dr. Benjamin Schutte (Firma Claas) und Sonja Schürmann konnten den Teilnehmern viele Informationen mit auf den Weg geben. (Bildquelle: Bielefeld-Gütersloh eG)

12 Mrd. ha für 8 Mrd. Menschen

Hinzu kommt, dass weltweit die landwirtschaftlich nutzbare Fläche knapp wird. Für demnächst acht Milliarden Menschen stehen nur zwölf Milliarden Hektar Nutzfläche zur Verfügung. Theoretisch reicht das, doch Europäer leben auf großem Fuß: Jeder beansprucht allein so viele Ressourcen, wie vier Hektar hergeben, so Steffens weiter.

„Wir verbrauchen den Ertrag von eineinhalb Erden pro Jahr“, warnte der Terra X-Moderator. Das gehe nur so lange gut, wie wir noch etwas „auf dem Sparbuch haben“ – fossile Ressourcen wie Öl, Kohle und Gas, aber zum Beispiel auch Holz.

Bauern fühlen sich wie „Prügelknaben“

Deutlich wurde während der Diskussion aber auch, wie sehr sich viele Bauern wie „Prügelknaben“ fühlen, zerrieben durch massives „Bauern-Bashing“, fasst die Volksbank Bielefeld-Gütersloh die Reden weiter zusammen.

Landwirte befänden sich demnach in einem Dilemma: Wenn sie an einer Stellschraube drehen, gibt es an einer anderen Stelle Probleme im Dreiklang von Ökologie, Ökonomie und Sozialem. „Uns stört das Unverständnis, das der Landwirtschaft entgegenschlägt“, brachte es Andreas Westermeyer auf den Punkt. „Ähnlich wie beim Fußball mit seinen 82 Mio. Bundestrainern gibt es in Deutschland praktisch 82 Mio. Agraringenieure, die meinen, alles besser zu wissen als wir.“

Andreas Westermeyer plädierte dafür, verstärkt auf die Wissenschaft, auf Fachleute und auf die Landwirtschaft zu hören.

Technoparc

Viele Landwirte aus Ostwestfalen-Lippe waren auf Einladung der Volksbanken in den Technoparc von Claas nach Harsewinkel gekommen. (Bildquelle: Bielefeld-Gütersloh eG)

„Verlorene Jahre“

„Auch wir spüren eine große Frustration bei den Landwirten“, berichtete Sonja Schürmann, Agrarkundenbetreuerin der DZ Bank in Münster. „Sie zeigen Mut und haben Ideen. Sie wissen nur nicht, in welche Richtung es gehen soll.“ Die Folge: Derzeit werde eher mit angezogener Handbremse oder außerhalb der Landwirtschaft investiert. „Doch das sind verlorene Jahre“, betonte Sonja Schürmann. Sie verwies auf eine neue Branchenanalyse der DZ Bank mit dem Titel „Landwirtschaft unter Druck“. Demnach dürfte die Zahl der Höfe von derzeit 267.000 bis zum Jahr 2040 auf rund 100.000 sinken.

„Der größte anzunehmende Unfall“

„Ich habe nie verstanden, dass Landwirtschaft und Umweltschutz gegeneinander arbeiten. Das ist der größte anzunehmende Unfall“, sagte Dirk Steffens, der selbst von einem Obsthof in Norddeutschland stammt. Eigentlich müsse man gegen die Politik arbeiten und gegen eine „kleinteilige Regelungswut“. Er schlug vor, dass die Politik Ziele benennen und die Bauern selbst entscheiden lassen soll, wie sie diese Ziele erreichen.

Hermann Dedert forderte in diesem Zusammenhang verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik: „Was wir heute einstielen, das müssen wir auch in 20 Jahren noch so machen dürfen.“ Sonst seien langfristige Investitionen einfach zu riskant.

Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion: Andreas Westermeyer (Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh; mitte) spricht. (Bildquelle: Bielefeld-Gütersloh eG)

Über Milchpreis und Tierwohl

Ein wichtiger Aspekt ist für den Fernsehmoderator die Preisbildung im Supermarkt: „Solange die Menschen nur 70 Cent für den Liter Milch bezahlen, brauchen wir über Tierwohl nicht zu reden. Sie, die Landwirte, können die Preise nicht beeinflussen. Dafür brauchen wir die Politik. Da ist der Hebel.“

Abschließend gab Dirk Steffens den Anwesenden mit auf den Weg: „Hören Sie bloß nicht auf, Landwirtschaft zu betreiben.“ Diese sei nicht der Feind der Biodiversität und des Klimas, „wenn wir sie auf eine Weise betreiben, die ins System passt.“ Historisch betrachtet habe die Artenvielfalt sogar zugenommen durch die Abwechslung von Feld und Wald. „Die Hälfte der Fläche in Deutschland liegt in Bauernhand. Es kommt auf Sie an.“


Diskussionen zum Artikel

von Albert Wild

China

Neulich wurden im Fernsehen Bilder von China gezeigt aus der Luft vor der Coronakrise und von jetzt.Das ertse Bild zeigte eine große Luftverschmutzung ,war alles rot . Auf dem 2 Bild konnte man China von oben erkennen . Das zeigte deutlich ,dass dieLuftverschmutzung von der ... mehr anzeigen

von Dr. Uwe Huljus

Hilfloser geht es kaum noch...wo bleibt der Faktencheck?

Wie misst man bloß den Verlust von 150 Tierarten pro Tag? Warum werden solche Faustzahlen nicht hinterfragt? Diese Zahl geistert seit 5 Jahrzehnten durch die mediale Debatte - wer kann das guten Gewissens mit Fakten untermauern?

von Jochen Böhrer

Peinlich.. aber auch für die Bauern.

Bei 400 Landwirten sollte zumindest EINER dabei sein, der chinesischen Handbestäubungsquatsch hätte widerlegen und diesem Laienprediger die Hosen runterziehen können hätte,

von Walter Gerhard

Das er den Käse

der Handbestäubung in China selbst bei so einem Forum einfach so erzählen kann.... Deshalb ist China auch der weltgrößte Honigexporteur, weil die Chinesen beim bestäuben auch fleißig Nektar sammeln. Warum filmt er das nicht mal, würde mich mal interessieren wie die das machen?

von Walter Gerhard

Das er den Käse

der Handbestäubung in China selbst bei so einem Forum einfach so erzählen kann.... Deshalb ist China auch der weltgrößte Honigexporteur, weil die Chinesen beim bestäuben auch fleißig Nektar sammeln. Warum filmt er das nicht mal, würde mich mal interessieren wie die das machen?

von Rudolf Rößle

In Polen

und andere ehemaligen Ostblockstaaten vergrößern sich die Betriebe in einem atemberaubenden Tempo. Die Anzahl der Selbstversorger nimmt rapide ab. Interessiert das jemand in der EU? Ehemalige Brachflächen werden wieder in die Produktion aufgenommen. Verbietet das die EU? Sollte ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Landwirtschaft und Umweltschutz arbeiten gegeneinander???

Das will ich auf keinen Fall so stehen lassen. Gerade durch die Landwirtschaft haben wir doch viele der Strukturen, die wir heute so schützen wollen. Sicher gibt es Mißstände, aber wo sind die nicht zu finden? Es gibt immer wieder Sachen die besser zu machen sind. Das ganze Leben ist ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Steffens?

Sein Terra X mag ja interessant sein, aber das er sich nun noch zur LW äußert und den Bauern sagen will was zu tun ist, ist doch ziemlich daneben.Habe schon die Sendung bei ZDF Info dazu verfolgt und manchmal den Kopf über bestimmte „Weisheiten“ schütteln müssen. Können die ach ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Handbestäubung in China macht gute Bilder im ZDF,

aber natürlich gelogen, wenn nicht dazu gesagt wird, dass nur Züchter das machen und auch machen müssen, wie überall in der Welt. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht usw. usw......

von Rudolf Rößle

Solange

dieses Wirtschaftssystem etabliert ist und Betriebe auf Gewinn angewiesen sind, müsste auch für Arten und die Biodiversität die gleiche Weise möglich sein. Insektenschutz wird zur Luxusware hochgestuft, dann sollte auch so gehandelt werden.

von Albert Maier

Wie kann man nur...

... einem solchen populisten ein Forum bieten???????? Handbestäubung in China ist doch längst geklärt etc.pp.!!!

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