Nachhaltiger Weihnachtsbaum

Agroforst für Weihnachtsbäume

Muss der Weihnachtsbaum zwangsläufig abgeschlagen werden, um unsere Wohnzimmer zu schmücken? Zwei Initiativen sagen: „Das geht auch anders!“ und entwickelten Alternativkonzepte mit Agroforst.

Auch dieses Jahr erleuchten wieder zwischen 23 und 25 Mio. Weihnachtsbäume deutsche Wohnzimmer. Aber: Der Anteil der Haushalte wächst, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen für einen Plastikbaum entscheiden. Seit vergangenem Jahr gibt es zudem noch eine dritte Variante: In den ersten Wohnzimmern liegen die Geschenke unter dem „Keinachtsbaum“, einem Do-it-Yourself-Weihnachtsbaum zum Zusammenschrauben. In den modularen Ständer sind ringsum Löcher vorgebohrt, in die Schnittgrün eingesteckt wird. Es kommen also nur die Zweige ins Wohnzimmer. Der Stamm wächst draußen weiter. Wenn es nach den Gründern Nico Stisser und Sven Lake aus Osnabrück geht, soll das der Anfang eines neuen, nachhaltigeren Weihnachtens werden – mit Mitmach-Optionen für Weihnachtsbaumerzeuger.

Alternative zum Plastikbaum

„Wir wollen nicht gegen den Weihnachtsbaum schießen, sondern gegen den Plastikbaum“, sagt Wirtschaftsingenieur Sven Lake. Er arbeitete zuvor zwölf Jahre bei einem bekannten Landtechnikhersteller in der strategischen Unternehmensentwicklung und stieß in diesem Jahr zum Keinachtsbaum-Team hinzu. Erfinder Nico arbeitet als Mediengestalter und Webdesigner.

Wer in der Stadt wohnt, durch ein enges Treppenhaus muss, keinen Stress und Dreck beim Besorgen der Tanne möchte und noch dazu Interesse an Nachhaltigkeit hat, der zählt zu den typischen Wunsch-Kunden des Osnabrücker Gründergespanns. Rund 600 Keinachtsbäume sind in diesem ersten Pilotjahr für je 159 € verkauft worden, berichtet Sven. Dabei ist die Bequemlichkeit die eine Sache: Der Ständer kommt per Post und kann platzsparend auseinander geschraubt und gelagert werden. Das Schnittgrün wird ebenfalls pünktlich, frisch und fertig konfektioniert geliefert. Das 10-kg-Paket kostet nochmals 24,90 €. Doch was hat es mit der Nachhaltigkeit auf sich?

„Nico und ich haben über das Thema Permakultur zusammengefunden“, berichtet der 32-jährige Sven. Der Begriff meint das Anlegen von landwirtschaftlich produktiven Systemen, die dauerhaft, selbstregulierend und in geschlossenen Kreislaufen funktionieren. Übertragen auf Weihnachtsbäume soll das folgendermaßen laufen: „Unsere Vision ist, dass die Zweige in Zukunft aus vielfältigen Waldgärten stammen, in denen die Bäume 30 bis 40 Jahre alt werden. Sie sollen jedes Jahr aufs Neue Schnittgrün liefern, tief wurzeln und gleichzeitig Rankhilfe für Himbeeren oder Brombeeren sein“, so der Wirtschaftsingenieur. Doch damit nicht genug: Zwischen den Reihen sollen nach den Plänen der Gründer noch Kartoffeln oder Esskastanien wachsen, die unterm Jahr als Selbsterntefläche oder im...


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