Start-up

Erfolgreich ein Unternehmen im Agrarsektor gründen: 5 Tipps

Die Landwirtschaft unterscheidet sich von vielen klassischen Start-up-Branchen. Ein Unternehmer verrät, mit welchen Strategien eine Unternehmensgründung im Agrarsektor gelingen kann.

Mit der richtigen Strategie warten enorme Chancen auf motivierte Gründer aus der Landwirtschaft, wie Daniel Wild, Digital Investor und Serial Entrepreneur im Gastbeitrag verrät. Fünf Tipps, mit denen eine Start-up-Gründung im Agrarsektor gelingen kann:

1. Commitment, Commitment, Commitment

First things first – auch in der AgTech-Branche gilt: Als Investor ist es für mich unerlässlich, dass Gründer mit Leib und Seele in ihrer Unternehmung dabei sind. Das mag vielleicht banal klingen, aber Commitment ist das A und O. Darüber sollten sie keinen Zweifel entstehen lassen. Jemand, der seine Vision, seine Unternehmung, nur halbherzig verfolgt, ist für Investitionen durch VCs schlecht aufgestellt. Viele Gründer in der AgTech-Branche kommen selbst von familiengeführten Höfen. Die doppelte Arbeit mag zu Beginn noch möglich sein, aber irgendwann muss man sich entscheiden. Beides zusammen geht auf Dauer nicht gut. Der Aufbau eines eigenen Unternehmens bedarf Zeit und Commitment. Vor allem in den ersten drei Jahren der Start-up-Gründung – aber auch darüber hinaus – wird das Meiste nicht nach Plan verlaufen. Darauf sollten sich Gründer einstellen.

Daniel Wild

Daniel Wild ist als Serial-Entrepreneur und Start-up-Investor seit über 20 Jahren in der europäischen Digitalwirtschaft unterwegs. (Bildquelle: Bildquelle: TOM SOLO INT.)

2. Founder-Market-Fit

Was ein Hemmschuh für das Commitment sein kann, ist ein klarer Pluspunkt bei dem nächsten wichtigen Baustein zum Erfolg: dem Founder-Market-Fit. Gründer müssen den spezifischen Markt, auf den sie mit ihrem Produkt oder ihrem Service abzielen, verstehen. Die wesentliche Zielgruppe von AgTechs sind die Landwirte selbst. Der Zugang zur und die Branche selbst funktionieren nach anderen Regeln, als das typische Start-up-Ökosystem in der Großstadt. Im Optimalfall haben die Gründer also selbst einen engen Bezug zur Landwirtschaft, weil sie vom Hof kommen oder Verwandte haben, die immer noch einen Hof betreiben. Ist das nicht der Fall, sollte man sich entsprechende Experten an Bord holen, und selbst dann heißt es: Austausch ist alles. Die Gründer müssen möglichst viel mit anderen Landwirten und Landwirtinnen ins Gespräch kommen und ihre spezifischen Business-Herausforderungen verstehen. Nur dann können die Geschäftsmodelle optimal auf den Markt angepasst werden.

Die wesentliche Zielgruppe von AgTechs sind die Landwirte selbst." - Daniel Wild

3. Teamwork – auch beim Gründen

Meine Erfahrung als Investor und Unternehmer zeigt, dass es sich empfiehlt, ein Team aus Gründern zu bilden. Teams setzen sich aus verschiedenen Charakteren zusammen, die unterschiedliche Erfahrungen und Expertisen in ein Unternehmen einfließen lassen. Dies ist bei Unternehmen in der Landwirtschaft besonders wichtig. Kommt beispielsweise ein Gründer aus der Informatik, wird er vermutlich keine konkrete Vorstellung von der Lebensrealität eines Landwirts haben. In dem Fall ist es ideal, wenn ein weiterer Gründer mit entsprechendem Hintergrund das Unternehmen in der Branche vertritt. Genauso andersrum: Kommt einer der Gründer direkt aus der landwirtschaftlichen Praxis, sind daneben Gründer von Vorteil, die Wirtschafts- und Marketingkompetenz mitbringen. So fällt die Zusammenarbeit mit Investoren und Geschäftspartnern deutlich leichter.

frau auf acker

Gründer sollten sich im Klaren darüber sein, dass Investoren ihre Unternehmung nicht mit Geld unterstützen, weil sie ihnen sympathisch sind. (Bildquelle: unsplash/Zoe Schäffer)

4. Think BIG oder: erfolgshungrig sein

Gründer sollten sich im Klaren darüber sein, dass Investoren ihre Unternehmung nicht mit Geld unterstützen, weil sie ihnen sympathisch sind. Letztendlich nehmen Investoren das Unternehmen kritisch unter die Lupe und erhoffen sich, dessen Wert im Laufe der Zusammenarbeit um ein Vielfaches zu steigern. Die Herausforderung im AgTech-Sektor ist, dass Investoren diesen Markt noch eher wenig beachtet haben. So kommen zum Beispiel fast 10 % der Startups aus der Lebensmittelbranche, aber nur 2,4 Prozent aus der Landwirtschaft (DSM 2021). AgTech-Gründer sollten ihren Investoren daher früh den Erfolg – die “Traction” – ihres Produktes oder Services demonstrieren können. Am besten geschieht das natürlich durch harte Fakten: Umsatz oder Kundenwachstum. Hat man in der Early-Stage-Phase solche Leistungsnachweise noch nicht, gibt es andere Möglichkeiten. So können positive Kundenrückmeldungen den Bedarf verdeutlichen.

5. Sich nicht unterkriegen lassen

Ob langjährige Unternehmer oder frischgebackene Gründer: Alle werden im Laufe ihrer Unternehmung auf Herausforderungen treffen und Krisen durchlaufen. Gerade das Gründen im Agrarbereich kann zusätzlich Herausforderungen bieten. Wo vielleicht andere Startups schneller an Kapital, Kontakte oder Medienpräsenz kommen, muss im Agrarbereich oft um jede Investition gerungen werden. Hier müssen sich Gründer immer wieder den Nutzen und Wert ihrer Innovation klarmachen. Außerdem gilt: Was noch nicht ist, das kann noch werden. Die Landwirtschaft bietet noch viel Potenzial für Investoren und Gründer von innovativen AgTechs. Noch mehr als bei anderen Branchen steht zudem der Purpose im Fokus: Kleine familienbetriebene Höfe produzieren immer noch 70 % der Lebensmittel weltweit. Wer sie durch technologische Innovation unterstützt, liefert einen echten gesellschaftlichen Mehrwert.

Abschließend möchte ich Gründern noch etwas auf den Weg geben: Auch wenn der Weg steinig ist, und es schwierig ist, alle Voraussetzungen zu erfüllen. Eines sollten sie immer im Kopf haben: Gründen ist Freiheit. Mein Lebensmotto ist “lieber unternehmen, als unterlassen”. Und das lebe ich, jeden Tag.