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28 Tage: Mehrwert für Kälber?

Schon ab 2022 könnte das Transportverbot für Kälber unter 28 Tage gelten. Welche Folgen hat das für die Praxis? Wir haben mit Landwirten und Experten gesprochen.

Das eine schläft, das nächste nuckelt am Milcheimer und wieder ein anderes schaut aufmerksam hoch. Die neugeborenen Kälber von Frank Emken haben in 15 Einzelboxen in einem Bereich des Kuhstalls Platz. Der Milcherzeuger aus Wüsting (Niedersachsen) melkt 200 Kühe. Seit vielen Jahren verkauft er die Bullenkälber im Alter von 14 Tagen an einen Mäster und behält nur die weiblichen Tiere auf seinem Betrieb. Die Kuhkälber wechseln nach 14 Tagen in den 2001 gebauten Kälberstall. Dort laufen ca. 60 Kälber in vier Gruppen. Zwei Gruppen mit jeweils 20 Tieren haben Zugang zu je zwei Boxen am Tränkeautomat. Dieser übernimmt die Milchversorgung.

28 statt 14 Tage halten

Emken denkt oft über die Zukunft seiner Kälberhaltung nach. In den vergangenen 20 Jahren hat er laufend in den Betrieb investiert. Doch momentan fällt es ihm schwer, weitere Entscheidungen zu treffen, die auch langfristig Bestand haben. Denn bald soll für Kälber ein Transportverbot bis zum 28. Lebenstag gelten. Diese Änderung der Tiertransportverordnung hat der Bundesrat auf einen Antrag aus Niedersachsen mit Blick auf das Tierwohl beschlossen (siehe top agrar 8/2021, Seite R6). Bislang war der Transport nur bis zum 14. Lebenstag untersagt. Am 25. Juni 2021 hat der Bundesrat dieser Änderung zugestimmt. Sie ist aber noch nicht offiziell. „Die Verordnung liegt aktuell zur Notifizierung bei der Europäischen Kommission. Damit ist eine dreimonatige Stillhaltefrist verbunden, in der das Verfahren ruht“, bestätigt eine Sprecherin des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gegenüber top agrar. Eine Verkündung im Bundesanzeiger sei frühestens im November 2021 denkbar. Die Übergangsfrist soll ein Jahr betragen, sodass Landwirte Ende 2022 das neue Mindesttransportalter einhalten müssten.

Doppelte Kosten

Besonders die männlichen Kälber stehen im Fokus. Die weiblichen Tiere verlassen nur selten unter 28 Lebenstagen den Geburtsbetrieb. Für Landwirte wie Frank Emken, die ihre Bullenkälber bisher mit 14 Tagen verkauft haben, entstehen nun deutlich höhere Aufzucht- und Haltungskosten (s. Übersicht S. R7). Das bestätigt Josef Assheuer, Unternehmensberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW). „Jeder Aufzuchttag in der Tränkephase kostest rund 4,20 €/Tier. Die Mehrkosten für die doppelte Haltedauer liegen unterm Strich bei rund 60 € je Kalb.“ Frank Emken hat Bedenken, dass sich die höheren Kosten nicht mit dem Verkaufspreis decken lassen.

Gute Kälber immer gesucht

Anders sieht das Paul Berghuis, Kälberhändler aus Ibbenbüren in NRW. Er ist sich sicher, dass gute Kälber jederzeit gesucht sind – heute und auch in Zukunft. Das Heraufsetzen des Transportalters hält er ebenso für keine gute Idee: „Die Qualität und die Gesundheit der Kälber wird sich nicht unbedingt grundlegend verbessern. Denn Betriebe, deren...