Bleibt Milch aus Anbindeställen bald stehen? Premium

Die ganzjährige Anbindehaltung von Milchkühen steht massiv unter Beschuss. Was kommt auf die Branche zu? Wie sollte der Berufsstand reagieren?

Ein Blick nach Österreich treibt manchem deutschen Milcherzeuger die Sorgenfalten auf die Stirn: Im Nachbarland erfasst die Molkerei Ennstal Milch seit Januar 2018 keine Milch mehr von Betrieben mit ganzjähriger Anbindehaltung von Kühen. Die Salzburg Milch plant diesen Schritt für das Jahresende. Und weitere österreichische Molkereien feilen derzeit an ähnlichen Strategien.

Druck von allen Seiten:

In dieser Deutlichkeit hat zwar noch keine deutsche Molkerei Milchviehbetriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung ausgeschlossen. „Aussitzen lässt sich diese Thematik aber nicht“, sagt Christian Schramm von der Molkerei Zott. Denn der Druck steigt von mehreren Seiten:

Gleich mehrere Tierärzteverbände fordern ein Verbot der Anbindehaltung bzw. einen schrittweisen Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindung. Das sind z.B. die Bundestierärztekammer, der Bundesverband beamteter Tierärzte sowie die Tierärztliche Vereinigung Tierschutz. Auch Dr. Siegried Moder vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (BpT) hält die ganzjährige Anbindehaltung aus Sicht des Tierwohls und Tierschutzes für nicht zukunftsfähig.

Dieses Argument greifen Tierschutzverbände gerne auf. Mit teilweise drastischen Formulierungen bzw. Kampagnen plädieren zum Beispiel Animals Angels oder ProVieh für ein Verbot der (ganzjährigen) Anbindehaltung. Die Organisation PETA hat bereits Anzeige gegen Anbindestallbetriebe erstattet. Die Welttierschutzgesellschaft (WTG) fordert eine Haltungsverordnung für Milchkühe, die konkrete Mindeststandards definiert. „Dazu zählt der Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung“, sagt Daniela Schrudde von der WTG. Sie hat direkt eine Idee, wie sich das umsetzen lässt: „Der Handel kann diesen Wandel bereits jetzt unterstützen, indem er bei den Molkereien bevorzugt Milch einkauft, die nicht aus ganzjähriger Anbindehaltung stammt.“

Das scheint der deutsche Lebensmittelhandel ernst zu nehmen. Zumindest haben alle großen Handelshäuser schon Fragebögen zur Haltung der Kühe an die Molkereien verschickt. Daraus lassen sich konkrete Zahlen zur (ganzjährigen) Anbindehaltung von Kühen ableiten. Auf top agrar-Nachfrage verdeutlichen zwei Discounter ihr Ziel: Lidl will künftig die reine Anbindehaltung von Kühen vermeiden, Aldi will den Anteil von Kühen in ganzjähriger Anbindehaltung kontinuierlich senken.

Und nicht zuletzt die Politik bringt Milcherzeuger mit Anbindeställen in Zugzwang. So hat sich der Bundesrat im April 2016 mehrheitlich für ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung mit einer Übergangsfrist von zwölf Jahren ausgesprochen. Die Bundesregierung lehnte diesen Antrag im Juli 2016 zwar ab. Allerdings hat die aktuelle Regierung im Koalitionsvertrag formuliert, ...

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