Das Geschäft mit der„Gentechnik-freien“ Milch Premium

Immer mehr Molkereien verkaufen Gentechnik-freie Milch und Milchprodukte. Was bringt das wirklich? Wo liegen die Chancen und Risiken?

Österreichs Molkereien verarbeiten seit Jahresanfang nur noch Gentechnik-freie Milch. Einmal, weil es der Verbraucher wünscht, aber auch, um den Markt vor Importen zu schützen. Jetzt schwappt diese Welle auch nach Deutschland und nimmt kräftig an Fahrt auf. Die Zahl der Molkereien, die auf Milch ohne Gentechnik setzen, steigt: FrieslandCampina, Berchtesgaden, Breisgaumilch, Allgäuland. In der Planung sind zudem Bauer, Ehrmann, Humana, und Zott.

In erster Linie wollen die Unternehmen damit ihr Marken-Image pflegen und sich im Kühlregal des Handels abheben. Gleichzeitig kommt Druck vom Handel. So fordert der Discounter Lidl für die eigene Regionalmarke nur noch Milch ohne Gentechnik. Außerdem will man stärker auf die Verbraucherwünsche eingehen. Denn nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung, GfK, lehnen etwa 57 % der Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ab: „Der Verbraucher ist massiv gegen Gentechnik bei Lebensmitteln. Diesem Wunsch wollen wir entgegen kommen“, erklärt z. B. Florian Bauer von der Privatmolkerei Bauer in Wasserburg. Er plant derzeit die schrittweise Umstellung der Produktion.

Aufweichung der Kennzeichnungs-Regeln

Losgetreten wurde diese Welle aber auch durch die deutliche Aufweichung des Gentechnik-Kennzeichnungs-Gesetzes für tierische Lebensmittel im Mai 2008 und dem von Bundesministerin Ilse Aigner eingeführten Logo „Ohne Gentechnik“. Dadurch ist es mittlerweile sehr einfach geworden, Milch, Fleisch und Eier „ohne Gentechnik“ auszuloben. So muss dafür lediglich ein paar Monate vor der Schlachtung oder Milchanlieferung auf genverändertes Futter verzichtet werden. Dieser Umstellungs-Zeitraum beträgt z.B. für Mastrinder zwölf Monate vor der Schlachtung, für die Milchgewinnung drei Monate. Und auch innerhalb dieser Frist werden im Futter noch 0,9 % genveränderte Bestandteile als zufällige oder technisch nicht vermeidbare Beimischungen toleriert.

Trinkmilch ohne Gentechnik kann deshalb heute im Handumdrehen durch die Umstellung der Fütterung produziert werden, so dass die Molkereien damit relativ schnell an den Start gehen können. Damit geht die Rechnung der Politik, dem Verbraucher in kurzer Zeit Produkte ohne Gentechnik anbieten zu können, zumindest bei der Trinkmilch auf.

Für höher veredelte Produkte wie beispielsweise Joghurt oder Sahne gelten aber immer noch strengere Regeln für die Umstellung. Hier müssen alle Zuta-ten so gut wie frei sein von Beimischun-gen (maximal 0,1 %) und sie dürfen auch nicht mit Hilfe von gentechnisch-veränderten Mikroorganismen hergestellt sein.

Früher war die Gesetzgebung für die Kennzeichnung von Lebensmitteln deutlich schärfer. Für die Auslobung „ohne Gentechnik“ musste der gesamte Produktionsprozess Gentechnik-frei sein. Diese Auflage konnten nur sehr wenige Produkte erfüllen, da z. B. in der Milchproduktion und Verarbeitung gentechnische Verfahren längst Einzug gehalten haben. So zum Beispiel bei Futtermittel-Zusatzstoffen oder auch bei Lab und Bakterienkulturen für die Käseherstellung. Die Molkereien beziehen einen Teil ihres Labbedarfs aus Neuseeland und Australien, wo Gentechnik zur Produktionsstei­gerung Standard ist: „Diese Produkte werden in der Milchverarbeitung zwar nicht bewusst eingesetzt. Doch Verschleppungen kann man nicht ausschließen“, erlärt Johann Peschek von der Molkereischule in Kempten.

Für die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ spielen diese Dinge heute allerdings keine Rolle mehr. Auch Tierarzneimittel, die mit Hilfe von Gentechnik herstellt wurden, sind heute erlaubt.

Rapsschrot statt Soja

Der Schritt zur Gentechnik-freien Fütterung ist vor allem für Bauern in Grünlandgebieten, wie z. B. im Alpenvorland oder im Allgäu, kein Problem. Einen etwas größeren Aufwand haben dagegen Betriebe in Ackerbaugebieten. Ohne Gentechnik zu füttern, heißt für sie: entweder GVO-freies Soja einzusetzen oder auf heimische Eiweiß-Futtermittel wie Raps oder Schlempen umzusteigen.

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