Das Warten lohnt sich Premium

Der Betrieb Karch hat mit einer langen Zwischenkalbezeit von 485 Tagen Erfolg. Voraussetzungen dafür sind die passende Zucht und ein intensives Management.

Wenn Kühe den Familienbetrieb Karch bei Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz verlassen, haben sie durchschnittlich 50000 kg Milch produziert. Das ist fast doppelt so viel wie der Durchschnitt in dem Bundesland. Die Lebenstagsleistung der Herde liegt bei 20 kg.

Ebenso aussagekräftig: In den letzten 20 Jahren standen mehr als dreißig 100000 l-Kühe im Stall der Karchs. Aktuell haben vier von 170 Kühen in der Herde diese Marke überschritten. „Das ist das Ergebnis von Zucht und Management“, berichtet der Landwirt und promovierte Agraringenieur Dr. Gerd Karch. Entgegen vieler Empfehlungen und trotz bester Zuchterfolge wollen die Karchs nicht jedes Jahr ein Kalb pro Kuh. Lange Laktationen und eine lange Zwischenkalbezeit sind ihr Ziel.

Gerd Karch rät Berufskollegen jedoch davon ab, die freiwillige Wartezeit ohne Strategie zu verlängern: „20 bis 30 Tage können viele Betriebe vielleicht drauflegen, ab dann sind Änderungen im Management notwendig.“

Passende Zucht Muss sein

„Gesundheit und eine konstante Leistung sind für unser System entscheidend“, beschreibt Gerd Karch. Bei der Zucht schaute der Landwirt früh nach Nordamerika und wählte nur langlebige Kuhfamilien aus: „Für mich waren damals Bullen attraktiv, deren Mütter und Großmütter acht Kälber und mehr hatten.“ Später rückte der Bulle Shottle in den Fokus. Zeitweise waren ein Drittel der Kühe im Stall Shottle Töchter. „Der hatte alles, was ich gesucht habe“, sagt Karch.

Für die langen Laktationen ist es zudem eher zweitrangig, ob ein Tier prompt mit Spitzenleistungen in die Laktation startet. „Persistenz ist das Zauberwort“, so der Landwirt. Kühe, die im Herdenvergleich bei gleicher oder besserer Leistung eine flachere Laktationskurve haben, passen besser in Karchs Stall. Da sei auch auf Seiten der Zucht noch einiges zu tun. Bei Holstein-Bullen fehlt ihm beispielweise der Zuchtwert für Persistenz. Für andere Rassen oder in Kanada ist das lange etabliert.

Auch Sohn Luka stimmt zu: „Wir wollen funktionale, ruhige Typen mit Substanz züchten“. Dabei ist es für ihn eher zweitrangig, wie der Körperbau der Tiere ist. Wichtig ist ein konstanter Body-Condition-Score, besonders in den ersten Wochen nach der Kalbung. Um ein hohes genetischen Niveau in der Herde zu halten, testen Karchs jedes Kalb genomisch. Zusätzlich setzt er Bullen mit hohem Niveau ein. Die durchschnittlichen Zuchtwerte dieser Bullen liegen für Milch bei +1400 Liter, Eiweiß +0,008% und Fett +0,17%. Der Gesamtzuchtwert der Bullen liegt im Mittel bei 156. Auch die Relativzuchtwerte für...

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