DMK fordert Zusammenhalt

Trotz steigender Milchpreise ist die Stimmung auf den Milchviehbetrieben angespannt. Es fehlt Geld. Wir haben drängende Fragen von Landwirten an den Geschäftsführer von Deutschlands größter Molkerei, dem Deutschen Milchkontor (DMK), weitergegeben.

Herr Müller, die Auszahlungspreise steigen, die Vorzeichen an den Produktmärkten sind positiv. Wie nehmen Sie die Stimmung der Landwirte wahr?

Müller: Ich ahne, worauf Sie hinauswollen. Deshalb sehr direkt und ohne Drumherum zwei Klarstellungen. Erstens: Die Preise für die meisten landwirtschaftlichen Produkte entsprechen bei Weitem nicht ihrem Wert, und sie honorieren auch bei Weitem nicht die Arbeit und den tagtäglichen Einsatz unserer Landwirte. Zweitens: Der Vorwurf, der manchmal zu hören ist, dass Molkereien nicht um die Sorgen auf den Höfen wüssten, ist wirklich absurd und trifft definitiv die Falschen, wenn er sich gegen eine Molkereigenossenschaft richtet.

Gilt das auch für den Branchenriesen DMK?

Müller: Ja. In unseren ehrenamtlichen Gremien sitzen rund 300 Landwirte. Eine Vielzahl unserer hauptamtlichen Mitarbeiter stammt vom Hof oder lebt noch immer auf einem. Die Stimmung der Landwirte ist also allgegenwärtig in unserem Unternehmen. Es sind vor allem ihre Stimmen, die bei uns zählen und auf die wir hören. Aufpassen müssen wir nur, dass wir auch in schwierigen Zeiten und bei streitbaren Fragen sachlich bleiben und konstruktiv zusammenarbeiten. Lautstärke allein ist kein Argument, und unsachliche, gar persönliche Angriffe können eine lösungsorientierte Debatte erheblich stören, mitunter gar zerstören. Wenn wir jetzt nicht zusammenhalten, geht es irgendwann nicht mehr um höhere Milchpreise, sondern darum, ob Milch aus Deutschland überhaupt noch in deutschen Supermarktregalen steht.

Seit Jahren hören die Bauern den Satz: „Das DMK ist auf Kurs“. Auf den Höfen kommt aber noch immer zu wenig Geld an. Mehr und mehr Betriebe geben die Milchviehhaltung auf oder suchen sich alternative Absatzwege. Hat das DMK die Sorge, irgendwann zu wenig Rohstoff zu bekommen?

Müller: Wir haben erkannt, dass die Entwicklung der Branche und auch unseres Unternehmens in Richtung „Commodity-Geschäft“ (Anmerkung der Redaktion: Produkte, die als austauschbar gelten) in den vergangenen Jahren zum Verlust von Identität und Einzigartigkeit des Unternehmens geführt hat. Damit Produkte weniger austauschbar sind, haben wir uns dazu entschieden, das DMK „am offenen Herzen“ umzukrempeln. Also bei laufendem Betrieb, Schritt für Schritt, ohne Einschränkung unserer Handlungsfähigkeit. Wenn wir also sagen: „Wir sind auf Kurs“, dann meint das auch genau das. Nämlich, dass wir uns mit einem Ziel vor Augen auf dem Weg befinden. Wir verorten uns täglich und korrigieren gegebenenfalls auch mal den Kurs. Wir sind – um in der Bildsprache der Seefahrt zu bleiben – ein komplexer Flottenverbund. Ein Unternehmen unserer Größenordnung stellt man nicht mal eben übers Wochenende neu auf. Das sollte jeder bedenken, der mal eben die Stimme erhebt und es besser weiß.

Wie viel Milch bezieht das DMK von Nicht-DMK-Mitgliedern? Profitieren diese Lieferanten von Molkerei-internen Zuschlägen, wie Milkmaster?

Müller: Unsere Rohstoffversorgung haben wir so aufgestellt, dass wir überwiegend Milch unserer Mitglieder verarbeiten und an einigen Standorten für andere Molkereien im Werklohnverfahren mit festen Kontrakten Spezialitäten wie Mozzarella herstellen. Das sichert uns Planungsstabilität, ergänzend zu unserer eigenen Rohstoffverarbeitung.

Im DMK-Podcast...