Dresden hat ein Stadt-Euter

Der Biobetrieb „Vorwerk Podemus“ ist kein klassischer landwirtschaftlicher Betrieb. Bernhard Probst hat Produktion, Verarbeitung und Vermarktung vereint. Unterstützung erhält er von 240 Mitarbeitern.

Ein Hofladen im Bahnhofsgebäude? Klingt komisch, ist in Dresden aber gleich zweimal der Fall. Insgesamt betreibt Bernhard Probst, Leiter des landwirtschaftlichen Betriebs Vorwerk Podemus 13 Biomärkte in Dresden. Und die sind echte Vollsortimenter: Von Gemüse über eine Wurst- und Käsetheke bis hin zu Backwaren, Kosmetik und Konserven ist auf durchschnittlich 500 m² Verkaufsfläche alles vorhanden.

Viele der angebotenen Waren kommen vom Betrieb selbst. So zum Beispiel die Milch im sogenannten Stadt-Euter. Das ist eine selbst entwickelte Milchzapfanlage, aus der sich die Kunden pasteurisierte Bio-Weidemilch für 0,99 € je Liter selbst zapfen können. Schon bald will er das Angebot auf Bio-Heumilch umstellen. Kunden sollen dafür dann 1,19 € pro Liter bezahlen.

Stadt-Euter selbst entwickelt

Die selbst entwickelten Stadt-Euter laufen rein mechanisch. „In den am Markt verfügbaren Automaten war mir zu viel Elektronik verbaut“, erklärt Probst. Ihm ist wichtig, dass die Milch über Jahre täglich zuverlässig läuft und seine Mitarbeiter eine Störung selbst beheben können, ohne einen Techniker rufen zu müssen. „Wir haben lange ausprobiert und uns durchgebissen, aber jetzt funktionieren die Automaten einwandfrei“, zeigt er sich zufrieden.

Bernhard Probst hat den Betrieb vor neun Jahren übernommen. Seine Eltern Gabriele und Manfred Probst begannen 1991, nach der Wende und der Rückübereignung des Hofes, mit der ökologischen Bewirtschaftung. Inzwischen ist Vorwerk Podemus breit aufgestellt: Zum Betrieb gehören etwa 70 Kühe, 120 Schweine sowie rund 310 ha Ackerbau und Grünland. Auch Geflügelmast zählt dazu. „Dieses Standbein ist allerdings ausgelagert“, erklärt der 44-Jährige. Für die Geflügelhaltung betreibt der gelernte Landwirt mit einem Berufskollegen einen Gemeinschaftsbetrieb.

„Mit der Direktvermarktung angefangen haben wir vor 28 Jahren, als wir das erste Biorind geschlachtet und ab Hof vermarktet haben“, erinnert er sich. Seitdem ist viel passiert. Denn inzwischen beschäftigt Bernhard Probst rund 240 Angestellte, die sich um Landwirtschaft, Vermarktung, Schlachtung und Zerlegung, Milchverarbeitung und Buchhaltung kümmern.

Zu Vorwerk Podemus gehört nämlich nicht nur die landwirtschaftliche Produktion, sondern auch eine eigene Schlachterei mit angegliederter Fleischverarbeitung sowie eine Hofmolkerei.

Bei der Vermarktung profitiert die Familie von der Stadtrandlage bei Dresden. „Die...