Eutergesundheit: Ruhiger Umgang zahlt sich aus

Gesunde Euter sind nicht nur Folge eines hygienischen Melkvorgangs und guter Haltungsbedingungen. Ebenso wichtig ist ein positiver Umgang mit den Kühen. Das zeigt eine Untersuchung der Universität Kassel.

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist in der Milchviehhaltung durch das tägliche Melken in der Regel intensiver als bei anderen Nutzungsrichtungen oder Nutztierarten. Doch der direkte Kontakt zu den Einzeltieren nimmt durch zunehmende Automatisierung und Mechanisierung oft ab. Trotzdem bestimmt vor allem die Art des täglichen Umgangs mit den Tieren die Qualität der Mensch-Tier-Beziehung und weniger die Bestandsgröße und die Automatisierung. Praktische Erfahrungen und bisherige wissenschaftliche Ergebnisse zeigen dabei, dass sowohl der Mensch als auch die Kuh von einem positiven Verhältnis profitieren können: Eine gute Mensch-Tier-Beziehung kann die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Nutztiere verbessern. Diesen Zusammenhang hat ein Forschungsprojekt der Uni Kassel bezogen auf die Eutergesundheit herausgefunden.

Die Ursachen für Mastitiden und deren Kombination und Bedeutung sind betriebsindividuell sehr unterschiedlich. Trotzdem lassen sich Mastitis-Risikofaktoren identifizieren. Das Entstehen einer Mastitis braucht zwei Komponenten: Auf der einen Seite die Infektion durch einen Erreger, auf der anderen Seite die Entzündungsreaktion der Kuh bzw. ihres Immunsystems. Bekannt ist, dass gesunde Kühe mit unter 100000 Zellen/ml Milch und ohne einen nachgewiesenen Erreger in einer Stresssituation kaum ansteigende Zellzahlen aufweisen. Kühe hingegen, die zuvor noch unter 100000 Zellen/ml Milch hatten, aber bei denen Erreger nachgewiesen sind, kehren nach einem Zellzahlanstieg oft nicht wieder auf dasselbe niedrige Niveau zurück.

Stress und Eutergesundheit

Wenn also zu einer latenten Infektion noch ein Stressor hinzukommt, kann der Erreger die kurzfristige Beeinträchtigung des Immunsystems nutzen. Diese Stressoren können vielfältig sein: Sowohl metabolischer Art zu Laktationsbeginn, als auch durch Rangauseinandersetzungen in der Herde, wenn z.B. nicht ausreichend Fress- oder Liegeplätze und Platz zum Ausweichen vorhanden sind. Auch Situationen mit dem Mensch können Stress auslösen: Beim Melken, beim Treiben und Verladen oder bei Trächtigkeitsuntersuchungen.

Eine wichtige Komponente der Mastitisprävention ist die Anzahl von Neuinfektionen zu minimieren, z.B. über eine gute Melkhygiene. Vollständig lassen sich Neuinfektionen oder kurzzeitige Stressoren allerdings nicht verhindern. Entscheidend ist, dass die Kühe möglichst gut damit umgehen können. Ihr Immunsystem sollte also in der Lage sein, auftretende...