„Für höhere Milchpreise ist Differenzierung nötig“ Plus

Milch mit höheren Produktionsauflagen, pflanzliche Produkte als Käsealternative und ein kritischer Blick auf Exporte: Der Allgäuer Käsehersteller Hochland macht vieles anders – und ist erfolgreich.

Herr Stahl, Hochland erzielt die besten Gewinnmargen aller Molkereien in Deutschland (vgl. top agrar 7/2019, Seite R7). Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Stahl: Die Studie der Universität Göttingen berücksichtigt nicht alle Unternehmen. Hochland möchte Menschen begeistern – mit Produkten, Marken und Innovationen. Alles Weitere, wie die guten Ergebnisse oder Auszahlungspreise, sind die logische Konsequenz (Übers. 1). Aber auch auf uns können schwierige Jahre zukommen.

Sie sind Vorreiter bei der nachhaltigen Milchproduktion. Wie wichtig ist das?

Stahl: Sehr wichtig. Wir haben uns schon 1996 nach der Öko-Audit-Verordnung zertifizieren lassen, was der ökologischen Säule der Nachhaltigkeit entspricht. Und wir haben schon in den 1970er-Jahren eine Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter eingeführt, was unser soziales Engagement untermauert. Wir spüren, dass Nachhaltigkeitsthemen an Resonanz in der Bevölkerung gewinnen. Natürlich ist das weltweit betrachtet von Land zu Land unterschiedlich und es gibt auch z.B. innerhalb Deutschlands ein unterschiedliches Bewusstsein dafür. Aber unterm Strich wächst die Anzahl an Menschen, für die eine nachhaltige Wirtschaftsweise wichtig ist.

Seit Anfang des Jahres verzichten Ihre Lieferanten auf den Einsatz von Totalherbiziden sowie auf das Ausbringen von Gärresten, weil darin Mikro-plastik stecken könnte. Warum?

Stahl: Die Verbraucher und unsere Mitarbeiter wollen das nicht. Nach der Entscheidung haben wir viel Zuspruch bekommen, z.B. von unserer Belegschaft. Mich persönlich haben alte Schulkameraden angesprochen, von denen ich vorher 20 Jahre lang nichts mehr gehört hatte. Der Vorschlag zum Verzicht auf Gärsubstrat kam übrigens von den Milchlieferanten.

Gilt das auch für Zukauffutter?

Stahl: Nein, nur für Futter von den eigenen Flächen.

Kritiker werfen Ihnen vor, dass Sie in der Grünlandregion relativ einfach diese Maßnahmen umsetzen können, Hochland sich damit profiliert, aber den Standard für die gesamte Branche nach oben treibt. Wie reagieren Sie?

Stahl: Auf das Ausbringen von Gärsubstraten, die Plastik enthalten könnten, können Sie überall in Deutschland verzichten. Es mag sein, dass sich das Verbot von Totalherbiziden in unserer Region einfacher umsetzen lässt als z.B. in einer Ackerbauregion. Aber es braucht immer Pioniere, um etwas zu verbessern. Und wir möchten hier bei den Ersten mit dabei sein, sogenannter First Mover. Wir sind überzeugt, dass wir Differenzierung benötigen, um höhere Milchpreise zu erreichen.

Bei diesen Sätzen schießt den meisten Landwirten die GVO-freie Milchproduktion in den Kopf: Zuerst ein Differenzierungskriterium, jetzt nahezu Standard, zum Teil ohne Vergütung.

Stahl: Das ist doch eine normale Entwicklung, wie in jeder Branche: Es gibt eine Innovation, die der Markt zunächst mit einem Aufschlag honoriert. Dann sinken die Kosten der Innovation und irgendwann ist sie Standard. Vergleichen Sie das mit Airbags im Auto: Anfangs waren sie eine Sonderausstattung mit Zusatzkosten, heute zahlt niemand einen Aufpreis dafür.

Die ganzjährige Anbindehaltung sehen Sie ebenfalls kritisch – obwohl auch rund 10% Ihrer Landwirte noch so melken. Wie wollen Sie das lösen?

Stahl: Da sind wir Überzeugungstäter: Wenn Kühe 365 Tage im Jahr angebunden sind, ist das nicht tiergerecht und dem Verbraucher nicht zu erklären – er will das nicht. Wir haben den Standortnachteil, dass wir noch viele ganzjährige Anbindestallbetriebe haben. Allerdings haben diese meist nicht so viele Tiere und können deshalb mit vertretbarem Aufwand einen Auslauf und Weidegang ermöglichen. Dabei...


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