Genomische Zuchtwerte: Jetzt geht´s los! Premium

Die deutsche Holstein-Zucht steht mit der Einführung der genomischen Zuchtwerte vor massiven Veränderungen. Profitieren Züchter und Milchviehhalter von der Entwicklung? Wie ein Wirbelsturm verändert die genomische Selektion derzeit die deutsche Holstein-Zucht. Keine Woche, in der nicht neue Schlagzeilen aus der Zuchtszene die Runde machen: „OHG schließt Bullenmütter-Prüfung. Masterrind beendet den konventionellen Testeinsatz.“ Oder zuletzt: „Fast 40 % der Wartebullen geschlachtet“. Die genomische Selektion ist also angekommen in der deutschen Holstein-Zucht und sorgt für einen gravierenden Umbruch in den Zuchtprogrammen. Neue Zuchtwerte im August Und ab Mitte August können auch die hiesigen Züchter und Milchviehhalter die genomisch getesteten Jungbullen nutzen. Erstmals wurden die genomischen Zuchtwerte (gZW) der Jungbullen in Deutschland veröffentlicht. Bisher hatten sie nur die Möglichkeit für viel Geld (ca. 200 €) ihre weiblichen Tiere untersuchen zu lassen, jetzt können die deutschen Milchviehhalter auch Jungbullen mit genomischem Zuchtwert einsetzen. Die Vorteile der genomischen Selektion sind klar: Schnellerer Zuchtfortschritt durch ein kürzeres Generationsintervall, höhere Sicherheiten der Zuchtwerte bei jungen Bullen im Vergleich zu früheren Testbullen (Übersicht 1) sowie gezieltere Suche von potenziellen Bullenmüttern. Zudem können die Zuchtorganisationen nun deutlich mehr Bullen vorab testen. Waren es bislang rund 1 000 Bullen, die jährlich getestet wurden, rechnet das Rechenzentrum vit in Verden damit, dass die deutschen Besamungsstationen in diesem Jahr schon 10 000 männliche Kälber genomisch testen werden. Allein die Rinder-Union West (RUW) wird pro Jahr ca. 1 000 männliche Kälber genomisch testen. Dass jetzt auch die Züchter und Milchviehhalter hierzulande profitieren, hat erst der Zusammenschluss der europäischen Zuchtverbände aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Skandinavien unter dem Namen EuroGenomics möglich gemacht. Durch den Zusammenschluss hat sich die Lernstichprobe (Kontrollgruppe von Bullen mit genomischem Zuchtwert) für Deutschland auf 17 000 Bullen erhöht. Die genomischen Zuchtwerte sind so deutlich sicherer geworden. Haar- oder Blutproben Um den genomischen Zuchtwert zu ermitteln, wird genetisches Material (Blut, Gewebe, Haare) der potenziellen Vererber untersucht. Die DNA des Bullen wird einer „Rasterfahndung“ unterzogen. Nach der Untersuchung errechnet das Rechenzentrum vit in Verden mit Hilfe einer Lernstichprobe und den Daten, die ein Chip abgelesen hat, den Zuchtwert des jeweiligen Tieres (s. top agrar 3/2009 R 20). Die Listen mit den genomischen Jungbullen werden künftig jeden zweiten Dienstag im Monat aktualisiert. Bei den nachkommengeprüften Bullen bleibt es dagegen bei den drei gewohnten Schätzterminen pro Jahr. „Eine kombinierte Liste von genomischen Vererbern und nachkommengeprüften gibt es vorerst nicht. Es werden zunächst zwei Listen veröffentlicht“, so das Rechenzentrum vit in Verden. Bullenmütter-Prüfung ist Geschichte Für die Zuchtorganisationen hat die „genomische Revolution“ aber nicht erst jetzt begonnen. Sie nutzen das Instrument genomischer Zuchtwerte bereits seit einem Jahr zur Vorselektion neuer Vererber und zur Kontrolle der bereits aufgestallten Test- und Wartebullen, mit weitreichenden Veränderungen der Zuchtprogramme. So haben z. B. die ...

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