Grenzenlose Freiheit? Premium

Große Liegeflächen statt einzelner Liegeboxen? Kompost-Matratze oder Sand-Einstreu statt Stroh und Sägemehl? In Holland suchen Bauern und Wissenschaftler nach neuen Stallkonzepten für die Kühe. Die Kuhställe der Zukunft sind anders. Mehr Kuhkomfort sollen sie bieten, weniger Euter- und Klauenerkrankungen verursachen sowie die Verluste an Ammoniak und Treibhausgasen reduzieren. Aber gleichzeitig müssen die Ställe in puncto Arbeitswirtschaft und Ökonomie einfach und effizient zu bewirtschaften sein. Die Lösung könnten Freilaufställe sein, bestehend aus einer großen Liegefläche – ohne Liegeboxen und ohne Abtrennungen. Vielleicht sogar mit integrierten Futter- und Melkrobotern. Das glauben zumindestens einige Wissenschaftler und Bauern in Holland. „Der Freilaufstall ist die beste Alternative zum traditionellen Boxenlaufstall“, ist sich Paul Galama sicher. Er ist Leiter des Projekts „Freilaufställe“ der Animal Science Group an der Universität Wageningen, in dem Wissenschaftler und Milcherzeuger gemeinsam nach neuen Stallkonzepten suchen. Abgase und Tierschutz verändern Stallbau Aber warum soll der bewährte Boxenlaufstall plötzlich ausgedient haben? In den Niederlanden treiben vor allem die höheren Auflagen beim Stallbau die Veränderungen an. So schreibt der nationale Ammo­niak-Plan eine deutliche Reduzierung der Ammoniak-Emissionen aus Kuhställen vor. Normaler Spaltenboden ist in Neubauten bei ganzjähriger Stallhaltung schon ab 2012 verboten. Emissionsarme Stallböden sind gefragt, der Staat will klimafreundliches Bauen fördern. Auf der anderen Seite rechnen die Wissenschaftler aufgrund der EU-Pläne mit schärferen Haltungsvorschriften für Milchkühe. „Nicht nur ein Anbindeverbot ist denkbar, wie in Dänemark, auch Vorgaben zur Größe der Liegefläche pro Kuh für neue Ställe könnten kommen. Eine einzelne Liegebox könnte dann nicht mehr dem Standard entsprechen, daher müssen wir neue Systeme ausprobieren, die weniger Emissionen und mehr Tierkomfort versprechen“, sagt Galama. Ideen aus Israel und Amerika Neue Ideen dazu hat man in Israel und den USA bereits umgesetzt. „In Israel ist die Idee des Freilaufstalls schon weit fortgeschritten. Dort gibt es kaum Kuhställe mit Liegeboxen. Vielmehr bestehen die Kuhställe aus großen, mit getrocknetem Mist eingestreuten Flächen, die meist täglich mit einer Fräse oder Egge bearbeitet werden“, so der israelische Architekt Yehuda Sprecher. Fast 95 % der is-raelischen Kuhställe sind so konzipiert. Die Ställe haben einen zentralen Futtergang, links und rechts befinden sich jeweils große überdachte Liegeflächen (siehe Zeichnung). An der Stirnseite der Ställe oder mittig kann jeweils ein Melkroboter platziert werden. Den Tieren steht eine Fläche zwischen 13 und 20 m2 je Tier zur Verfügung. Der Unterbau besteht meist aus Sand und Schotter. Eingestreut wird mit getrocknetem Mist. Das Bodenmanagement läuft sehr unterschiedlich ab. Die teilweise bis zu 100 cm dicken Einstreu-Schichten werden ein- bis dreimal täglich 20 bis 40 cm tief kultiviert. Die Anbaugeräte zum Kultivieren der Böden sind fast alle von den Betrieben selbst entwickelt worden. Ein Teil der Betriebe mistet die Ställe jährlich. Andere Betriebe haben seit zehn Jahren nicht mehr entmistet, so dass die Matratze jährlich um einige Zentimeter wächst. Die israelischen Betriebe sind begeistert von ihrem System. Die Milchleistungen sind hoch (durchschnittlich 11 461 kg Milch pro ...

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