Reportage

Heumilch aus dem Osten

Die Gläserne Molkerei setzt auf Bio-Heumilch. Die Kohrener Landmolkerei auf Konventionelle.

Wir sehen großes Potenzial in der Heumilchnische“, sind sich Frank Wetterich und Maximilian Scherres von der Gläsernen Molkerei in Münchehofe (Brandenburg) einig. Die Biomolkerei verarbeitet jährlich rund 100 Mio. kg Milch von 120 Mitgliedsbetrieben in Nord- und Ostdeutschland. „5 bis 10% davon ist Bio-Heumilch“, erklärt Wetterich, der den Rohstoffeinkauf und den Industrieverkauf leitet. In das Segment stieg die Molkerei 2009 ein und war damit eine der ersten deutschen Heumilch-Molkereien.

Auch Jörg Rögner, Geschäftsführer der Kohrener Landmolkerei (KLM) in Penig (Sachsen), setzt auf das Segment. Allerdings im konventionellen Bereich. Nach der Insolvenz der 2014 von heimischen Erzeugern gegründeten Molkerei ist Rögner Mitgesellschafter und krempelt den Standort seitdem mächtig um. Seine Vision: „Wir wollen regionale Spezialitäten herstellen.“ Die KLM investierte 3,3 Mio. € und probiert drei Segmente aus: Konventionelle Milch, Biomilch und Heumilch. „Wir entscheiden abhängig von den Zahlen, was wir langfristig als Hauptstandbein etablieren“, erklärt Rögner die Strategie. Die KLM ist kein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Heumilch, die Milch ist aber mit dem EU-Heumilch-Gütesiegel „Garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.) gekennzeichnet. Auch die Bio-Heumilch der Gläsernen Molkerei ist seit 2016 mit dem g.t.S. EU-Heumilch-Gütesiegel geschützt.

Anders als bei der Kohrener Landmolkerei, bei der es vordergründig um das Abheben am Markt geht, nennen Wetterich und Scherres einen anderen Grund für den Einstieg in das Heumilchgeschäft: „Um das Risiko von Clostridien in der Rohmilch zu vermeiden, wollten wir Milch von Kühen verarbeiten, die keine Silage fressen“, erklärt Scherres, der als Erzeugerberater das Heumilchprogramm betreut. Clostridien sind anaerobe und hitzestabile Bakterien, die sich unter günstigen Bedingungen stark vermehren können. Sie sind für Mensch und Tier zwar völlig unbedenklich. Es besteht aber das Risiko, dass während der Käsereifung Sporen auskeimen. Das kann zu Spätblähungen führen...