Kann China seinen Milchdurst selbst stillen? Plus

China will mehr Milch. Davon sollen nicht nur europäische Molkereien profitieren, sondern auch die heimische Milchproduktion. Ob das gelingt, haben Dr. Sven Grupe und top agrar-Redakteurin Anke Reimink vor Ort recherchiert.

Stickstoffhaltiger Kunststoff in der Babynahrung. 300000 Kleinkinder erkranken, sechs Babys sterben. Von diesem Imageschaden vor zehn Jahren hat sich die chinesische Milchbranche bis heute nicht erholt. Wer es sich leisten kann, kauft für seine Kinder ausländische Produkte.

Davon profitieren die Milchländer weltweit. Mit insgesamt über 14 Mio. t Milch und Milcherzeugnissen (in Milchäquivalenten) ist China der weltweit größte Milchimporteur. Für die EU ist China mit einem Anteil von 12% und 1,27 Mrd. € Umsatz (2017) der wichtigste Exportmarkt. Und die Marktaussichten sind positiv: 2019 soll China seine Einfuhren um 13 bis 15% steigern.

Denn die chinesische Selbstversorgung liegt nur bei rund 60% – Tendenz sinkend. Das ambitionierte Ziel von 100% eigener Milchproduktion hat die Regierung ad acta gelegt. Zu groß sind die strukturellen Herausforderungen im Land.

Doch 1,4 Milliarden Menschen konsumieren pro Kopf und Jahr im Schnitt 33 kg Milchprodukte. Mit steigendem Einkommen steigt die Nachfrage. Davon soll auch die heimische Landwirtschaft profitieren, findet die Regierung und verordnet einen Strukturwandel.

Strukturwandel angeordnet:

Peking will an das Wachstum vor einigen Jahren anknüpfen. Von 2000 bis 2008 stieg die Zahl der Milchkühe von 4,8 auf über 8 Millionen. Der Melamin-Skandal beendete diese Entwicklung.

Heute ist die Regierung überzeugt, dass nur große Milchanlagen in der Lage sind, effizient und mit hohen Qualitätsstandards Milch zu produzieren. Kleinbetrieben, dazu zählen sie teilweise Herden mit weniger als 200 Kühen, räumen Politik und Handel keine Chance ein und werden nicht unterstützt....

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