Melkroutine: Details führen zum Erfolg Premium

Effiziente Arbeitsabläufe und gut stimulierte Kühe sind nur mit einer durchdachten Melkroutine möglich. Worauf kommt es dabei an? Tipps aus und für die Praxis.

Melken – der zentrale Arbeitsgang auf jedem Milchviehbetrieb. Zwei- oder dreimal täglich laufen die Kühe in den Melkstand. Eine oder mehrere Personen verbringen Stunden mit dem Melkprozess. Wichtig also, dass alles reibungslos läuft. Die Melkroutine dient dazu, hohe Milchflüsse zu erreichen, um die Kühe zügig und gewebeschonend auszumelken.

Mitarbeiter schulen

Eine effiziente Melkarbeit lebt von einem immer gleichen Ablauf. Der erste Schritt zu einer guten Arbeitsroutine liegt in einer klaren, schriftlichen Vorgabe für die Mitarbeiter im Melkstand und beim Treiben. Diese Arbeitsanweisung sollte mit allen persönlich besprochen werden. Untersuchungen zeigen: Betriebe, die neue Mitarbeiter gut einarbeiten und regelmäßig nachschulen, haben eine bessere Eutergesundheit und arbeiten im Melkstand effizienter.

Trotzdem geschieht beides nur selten. So verwässern die Vorgaben und die Routine wird uneinheitlich ausgeführt. Eine Schulung des Melkpersonals durch einen externen Berater kann ein guter Start sein. Denn das Verständnis der physiologischen Grundlagen des Tieres verbessert auch die Bereitschaft der Mitarbeiter, die Vorgaben einzuhalten.

Stress ist ein Zeitfresser

Um den Melkprozess zu verkürzen, ist es sinnvoller den Tierverkehr in den Melkstand zu verbessern, als Schritte in der Melkroutine einzusparen. Ein ungeregelter Tierverkehr führt zu Stress bei den Kühen, der den Milchspendereflex für bis zu 45 Minuten behindert. Hier lässt sich Stress vermeiden:

  • Treiben in den Wartehof: Damit die Kühe möglichst ohne Stress aus der Gruppe zum melken laufen, sollte jede Person die Kühe in der gleichen Abfolge in den Wartehof treiben. Es muss also feststehen, ob sie im Dreireiher z.B. zuerst den Laufgang am Futtertisch oder zwischen den Boxen leert. Geschieht dies immer in gleicher Abfolge, wissen die Kühe, in welche Richtung sie laufen können, um der treibenden Person aus dem Weg zu gehen. Das gibt ihnen Sicherheit und sorgt für einen ruhigeren Zutrieb zum Melken.

Auch das Verhalten beim Treiben spielt eine Rolle: Kühe laufen genauso wie der Mensch mit einer Schrittgeschwindigkeit von 5 bis 6 km/h. Mit Kot bespritzte Vorderbeine weisen darauf hin, dass Kühe schneller, also gestresst, zum Melken gelaufen sind.

Die Kommunikation von Kühen untereinander verläuft überwiegend lautlos. Sie hören vor allem in hohen Frequenzen deutlich besser als Menschen. Daher löst Lärm durch Rufen, Klatschen oder das Schlagen von Stöcken auf Aufstallungsteile Stress aus.

  • Wartebereich: Ein weiterer Stressfaktor ist ein zu kleiner Wartebereich vor dem Melkstand. 1,8 m2 Platz pro Tier sind optimal. Außerdem darf auch der automatische Treiber nicht zu schnell laufen. Die Geschwindigkeit sollte bei maximal 6 m pro Minute liegen. Diesen Platz und die Zeit beim Vortrieb brauchen die Kühe, um sich vor dem Melkstand aus ihrer Marschreihenfolge in eine Melkreihenfolge zu stellen. Dominante Kühe, die auf den Treibewegen vorne laufen, stehen später nicht unbedingt auf dem ersten Melkplatz oder im ersten Melkdurchgang. Können sich rangniedere Tiere im Wartebereich nicht mehr an ihnen vorbeischieben, bremst das den Tierverkehr in den Melkstand.

Wenn die Kühe im Wartebereich die Köpfe heben, ist es definitiv zu eng. Sie sehen dann nicht mehr, wohin sie treten und laufen nur noch zögerlich. Ein Effekt, der auf Tierschauen genutzt wird, um die Kühe besser führen zu können.

  • Treiben in den Melkstand: Alle Kühe sollten gerne in den Melkstand laufen: Ein...

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