Nur alle 500 Tage ein Kalb?

Verbessert eine verlängerte Zwischenkalbezeit die Milchleistung, Tiergesundheit und Fruchtbarkeit? Eine aktuelle Studie aus Sachsen liefert spannende Ergebnisse.

Jedes Jahr ein Kalb – das galt und gilt als Ziel für Milchbauern. Die 305-Tage-Leistung als wichtigste Maßzahl für das Leistungspotenzial hat sich etabliert. Bei einer Trockenstehzeit von 60 Tagen ergibt sich eine Zwischenkalbezeit von einem Jahr. Viele Berater betonen, dass jeder Tag, an dem eine Kuh nach dem 80. Laktationstag „leer“ sei, bares Geld koste und sich nur mit einer kurzen Zwischenkalbezeit ein maximaler Deckungsbeitrag erzielen lasse. So gilt eine freiwillige Wartezeit von 40 Tagen als Standard.

Trend zu längerer Wartezeit

Doch passt das heute überhaupt noch? Schließlich sprechen viele Argumente dagegen, Kühe bereits im zweiten Laktationsmonat wieder zu besamen:

  • Hochleistungskühe haben noch eine negative Energiebilanz, was die Chancen auf eine erfolgreiche Besamung deutlich reduziert. Das erklärt auch den immer höheren Besamungsindex und die steigenden Behandlungskosten.
  • In der Frühlaktation ist das Risiko für Produktionskrankheiten wie z.B. Ketose, Labmagenverlagerung und Mastitis am höchsten. Je kürzer die Laktation, desto länger ist der relative Anteil dieser Risikoperiode. Hier fallen die höchsten Tierarztkosten an.
  • Bei frühen Besamungen müssen mehr Störungen wie inaktive Eierstöcke, Zysten und subklinische Entzündungen der Gebärmutter behandelt werden.
  • Je früher die Kuh tragend wird, desto eher muss sie wieder trockengestellt werden – häufig mit einer Leistung von über 20 kg. Das erhöht das Risiko von Euterentzündungen.
  • Es kommen zu viele Kälber auf den Markt. Das belegen die niedrigen Preise für Bullenkälber....