Amazon wird Preisdruck im Handel erhöhen

Dass der Online-Händler Amazon jetzt auch Lebensmittel ausliefert, wird den Kampf im Lebensmitteleinzelhandel verschärfen. "Schon jetzt gibt es die Big Player im Handel. Und diese setzt Amazon nun unter Druck", sagt Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer von der Landesvereinigung Milchwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

Dr. Rudolf Schmidt (Geschäftsführer LV Milch NRW), Wilhelm Brüggemeier (Westf. Vorsitzender Milch LV NRW), Hans Stöcker (Rhein. Vorsitzender Milch NRW), Frank Maurer (Pressesprecher der LV Milch NRW) (Bildquelle: Werkbild)

Dass der Online-Händler Amazon jetzt auch Lebensmittel ausliefert, wird den Kampf im Lebensmitteleinzelhandel verschärfen. "Schon jetzt gibt es die Big Player im Handel. Und diese setzt Amazon nun unter Druck", sagt Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer von der Landesvereinigung Milchwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Er geht davon aus, dass auch die Milchwirtschaft diesen Preiskampf zu spüren bekommt.

Unabhängig davon erwartet er für die ersten Monate des Jahres 2018 bröckelnde Milchpreise, aber keinen Absturz. Bis Ende April seien beispielsweise die Kontrakte für Produkte der Weißen Linie (u.a. Trinkmilch) noch fest. Offen sei aber, wie sich die Milchpreise danach weiterentwickeln. Den NRW-Durchschnittspreis für das vergangene Jahr 2017 schätzt Dr. Schmidt auf rund 36,2 ct/kg (4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß, inkl. aller Zu- und Abschläge, ab Hof, ohne MwSt.).

Wilhelm Brüggemeier, Westfälischer Vorsitzender der LV Milch NRW, ergänzt: "Wir kennen die volatilen Schwankungen des Milchmarktes zur Genüge und müssen uns auch auf die Kehrseite des Marktes einstellen.“ Erste schwächere Markttendenzen hätten sich bereits im vierten Quartal 2017 gezeigt und scheinen sich auch Anfang 2018 fortzusetzen. Wichtig ist für Brüggemeier deshalb, dass bereits jetzt für die Zukunft vorgesorgt wird – sei es durch die Absicherung von Preisen an der Warenterminbörse, durch ein klares Warnsignal der Molkereien an ihre Lieferanten zur Mengenanpassung bei einer absehbaren Sättigung des Marktes oder auch durch eine Branchenorganisation wie die Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft.

Am NRW-Milchmarkt hat sich der außergewöhnlich hohe Strukturwandel auf der Erzeugerseite im Jahr 2016 – hier mussten beinahe 10 % der Milchkuhhalter in NRW ihre Höfe schließen – 2017 leicht abgeschwächt: Laut Novemberzählung des Statistischen Landesamtes ist die Anzahl der Milchkuhhalter in NRW in diesem Jahr um 5,4 % auf 5.848 zurückgegangen. Die Anzahl der Milchkühe ist um 0,1 % auf 417.588 leicht gestiegen. Bemerkenswert ist, dass die Gesamtzahl der Rinder im Vergleichszeitraum um 1,5 % gesunken ist.

Ebenso wie die Zahl der Milchkühe stieg auch die durchschnittliche Kuhzahl je Betrieb in NRW um 5,8 % auf 71 Kühe – diese Entwicklung zu mehr Betrieben mit größeren Herden verläuft bereits seit Jahren und sei dem Bemühen um mehr Wirtschaftlichkeit geschuldet.

Der Auszahlungspreis lag im Zeitraum Januar bis Oktober 2017 mit 34,57 ct/kg (für konventionell erzeugte Kuhmilch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß ohne MwSt., ohne Nachzahlung) um 9,87 ct/kg bzw. 40,0 % über dem Preis des Vorjahreszeitraums. „Trotz dieses für die Milcherzeuger positiven Verlaufs war die Stimmung in der Branche nach den Krisenjahren eher zurückhaltend – zu tiefgreifende Spuren haben die Jahre 2015 und 2016 hinterlassen“, so Dr. Schmidt.

Dass der Fokus von Verbraucherseite auf dem Thema Nachhaltigkeit liegt, zeige die nach wie vor stabile Entwicklung in der Biomilcherzeugung. Hier lagen die Auszahlungspreise im Zeitraum Januar bis Oktober 2017 bei durchschnittlichen 48,06 ct/kg und haben sich damit im Vergleich zu 2016 (47,15 ct./kg) kaum verändert. Dass hier zum Jahr 2017 hin keine große Steigerung zu verzeichnen ist, liegt darin begründet, dass das Segment in den Vorjahren von der Krise verschont geblieben ist.

Artikel geschrieben von

Patrick Liste

Redakteur Rinderhaltung

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