Borchert-Pläne

Borchert-Pläne: Das sagen Milchviehhalter

Die Borchert-Kommission plant seit Monaten den Umbau der Tierhaltung. Wir haben uns bei Landwirten umgehört, was sie aus Praktikersicht dazu sagen.

Seit Monaten entwickeln verschiedene Gremien im Rahmen der Borchert-Pläne Konzepte zum Umbau der Tierhaltung. Immer wieder sickern Informationen durch – bisher allerdings wenig konkret. Klar ist schon jetzt, dass es Anbindehalter und Landwirte, die in ehemaligen DDR-Typenställen wirtschaften, besonders trifft.

Die Borchert-Kommission will die Tierhaltung verbessern. Die Tiere sollen mehr Bewegung bekommen und z. B. in Offenställen stehen. Das Borchert-Konzept sieht drei Stufen vor, die sich an der geplanten Tierwohlkennzeichnung des Agrarministeriums orientieren.

Bei der „Stufe 1/Stall plus“ geht es um mehr Platz und mehr Beschäftigungsmaterialien. „Stufe 2/verbesserte Ställe“ soll zusätzlichen Platz, Strukturierungen und Kontakt zum Außenklima ermöglichen. „Stufe 3/Premium“ soll mehr Platz und zusätzlichen Auslauf bzw. Weidehaltung schaffen.

Geplant ist, dass die gesamte Nutztierhaltung bis 2030 mindestens Stufe 1 umgesetzt hat, bis 2040 mindestens Stufe 2. Die Vorgaben sollen dann gesetzlicher Standard sein. Eine sogenannte Tierwohlabgabe oder Mehrwertsteueranhebung soll die Finan­zierung sicherstellen.

Was letztlich umgesetzt wird, ist noch offen. Die Vertreter der Tierschutzorganisationen in der Arbeitsgruppe (AG) Rind halten Anbindehaltung für grundsätzlich nicht mit den Zielen vereinbar, die das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung der Borchert-Kommission erarbeitet hat. Vertreter des Bauernverbands wollen den betroffenen Betrieben eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung bieten. So werden z.B. Mischformen der Anbindehaltung diskutiert. Denkbar sind feste Tage und Zeiten zu denen die Kühe auf einen Laufhof oder auf die Weide gelassen werden müssen. Die aus DDR-Zeiten stammenden Typenställe haben oft schmale Laufgänge. Wie es heißt, sieht die Borchert-Kommission aber genaue Maße für Laufgänge und Liegeboxen vor. Noch ist aber unklar, welche Veränderungen tatsächlich auf die Landwirte zukommen.


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"Wenn wir über die Borchert-Pläne sprechen, müssen wir auch an die Menschen denken, die die Vorgaben umsetzen müssen“, zeigt sich Veronika Mangold nachdenklich. Nicht nur den Tieren muss es gut gehen, sondern auch den Landwirten, die täglich die Arbeit verrichten. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet die 57-Jährige einen Milchviehbetrieb in Oberammergau (Bayern). Zum Hof gehören 20 Milchkühe, die weibliche Nachzucht, Schafe, Pferde, eine Photovoltaik-Anlage sowie eine Ferienwohnung. Mangolds bewirtschaften 53 ha Dauergrünland. „Mehr als 50 % unserer Flächen stehen unter Vertragsnaturschutz“, erklärt die gelernte Steuerbeamtin. Die Förderung für den Aufwand und den Naturschutz ist ein wichtiges Standbein.

Bis vor wenigen Wochen standen die Kühe von Familie Mangold noch überwiegend in Anbindehaltung. Nur im Herbst kamen die Milchkühe für einige Wochen auf die Weide. Die Familie liefert an die Molkerei Hochland. Der...


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