Sektorstrategie

Branchenkommunikation Milch: Ein Ausblick von Karsten Schmal Premium

Bei der Internationalen Grünen Woche wollen Branchenvertreter die Maßnahmen der Sektorstrategie 2030 vorstellen. Worauf haben sie sich geeinigt? Und wer trägt die Ergebnisse mit?

Im April des vergangenen Jahres haben führende Vertreter der Milchwirtschaft angekündigt, bis Ende des Jahres ein Maßnahmenpaket zu schnüren. Die Zielsetzung: Den künftigen Herausforderungen des Milchsektors gerecht werden. Bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin wollen sie die sogenannte Sektorstrategie 2030 vorstellen. Karsten Schmal, Präsident des Verbandes der Deutschen Milchwirtschaft (VDM) und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), gibt im Interview mit Agra-Europe einen ersten Überblick über die Ergebnisse.

Wer hat an der Strategie mitgearbeitet?

Schmal: In den neun Arbeitsgruppen haben alle wesentlichen Akteure des Milchsektors mitgearbeitet. Das waren der Deutsche Raiffeisenverband, der Milchindustrieverband, der Deutsche Bauernverband, der Bund Deutscher Milchviehhalter, der Bundesverband Privatmolkereien und die Interessensgemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft (IGM). Insgesamt waren rund 100 Personen an den rund 50 Sitzungen der Arbeitsgruppen beteiligt. Gesteuert wurde das Ganze von einem Lenkungsgremium mit zwölf Personen unter meinem Vorsitz.

Die Interessenunterschiede zwischen den Beteiligten liegen auf der Hand. Hatten Sie von Beginn an wenig Zutrauen in die Kompromissbereitschaft der Akteure, dass Sie sich mit dem ehemaligen Abteilungsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Theodor Seegers, einen Fachmann von außen als Moderator ins Boot geholt haben?

Schmal: Wenn man eine Branche zusammenführen will, wie das bei der Milch bisher noch nicht erfolgt ist, kann eine fachlich anerkannte Persönlichkeit wie Dr. Seegers eine große Hilfe sein. Er hat die Kompromissfindung ohne Zweifel erleichtert. Allein die Tatsache, dass Dr. Seegers bis zum Schluss an Bord geblieben ist, nachdem er zu Beginn deutlich gemacht hatte, für eine Schauveranstaltung und einen Papiertiger nicht zur Verfügung zu stehe, zeigt, dass wir tatsächlich etwas Substanzielles auf den Weg gebracht haben.

Alle Akteure im Milchsektor haben mitgearbeitet. Tragen auch alle das Ergebnis mit?

Schmal: Alle bis auf den BDM, der sich im letzten Moment aus dem vorliegenden Kompromiss verabschiedet hat. Das ist schade, aber im Moment nicht zu ändern. Nachdem seine Kernforderung nach zentralen Eingriffen in den Milchmarkt in Krisenzeiten nicht mehrheitsfähig war, hat der BDM sich nicht imstande gesehen, das Abschlusspapier zu unterzeichnen. Die Tür bleibt aber offen, wenn es nun an die Umsetzung der festgehaltenen Punkte geht.

Strategien im Agrarbereich haben derzeit Konjunktur. Warum braucht die Milchwirtschaft eine eigene Strategie?

Schmal: Angesichts der sich verändernden gesellschaftlichen Erwartungen an die Milcherzeugung, wachsenden Umwelt- und Tierwohlanforderungen, vielfältigen Vorstellungen der Marktpartner und den Herausforderungen in einem liberalisierten Markt bleibt nach meiner Überzeugung der Branche keine andere Wahl als zusammenzurücken und gemeinsam einen Weg zu finden, um die nächsten zehn oder zwanzig Jahre gemeinsam zu meistern. Die allenthalben zu spürende Verunsicherung in der Landwirtschaft trifft auch die Milchbranche, und der müssen wir etwas entgegensetzen.

Was sind die Schwerpunkte, an denen Sie vorrangig gearbeitet haben?

Schmal: Ein Bereich sind die Lieferbeziehungen zwischen Milchbauern und Molkereien. Wir sind uns einig, Milchpreise müssen zwischen den Vertragspartnern oder über die Börse oder über Festpreiskontrakte auch abgesichert werden können. Intensiv haben wir uns auch mit dem Thema „Standardsetzung“ beschäftigt. Hier stehen wir als Milchwirtschaft vor der Aufgabe, selbst aktiv tätig zu werden, wenn wir nicht wollen, dass andere Standards für uns setzen, sei es der Lebensmitteleinzelhandel oder seien es NGOs. Schließlich hat die Frage der Branchenkommunikation eine ganz...

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Uken

Es gehören immer zwei dazu....

https://www.bdm-verband.de/pressemitteilungen/richtigstellung-zu-aussagen-von-dbv-milchpraesident-karsten-schmal-zur-sektorstrategie-2030/

von Andreas Thiel

Sektorstrategie 2030...

Bis dahin läuft noch viiiiiiieeeellll Wasser (nicht nur)den Rhein runter!Kann mich an solche Strategien /Vorhersagen für 2020 erinnern...!

von Karl-Heinz Mohrmann

Bla bla bla. Der DBV hat wiedereinmal im Sinne der Molkereien eine Weiterentwicklung der Lieferbeziehungen verhindert. Die Molkereien lachen sich tot. Die Politik legt ihre Hände in den Schoß. Nur die bäuerlichen Familienbetriebe sterben

von Matthias Zahn

Das Geld für bessere Kommunikation muss aus der Kette kommen....

Und ich weis auch schon bei wem in der Kette sich das Geld geholt wird! Richtig-bei den Bauern. Und der Bauernpräsident unterschreibt schön mit! Gott sei dank hat der BDM diesen "Wir tun so als ob wir was tun würden Unsinn!" nicht mit getragen. Es bleibt also wie es ist. "Die Branche" erhält sich ihre Pfründe und für die Bauern bleibts weiterhin "Schmal" auf dem Konto.......

von Cremer GbR

Irreführend,sollte man wissen

Das Lenkungsgremium ist nur mit 3 Akteuren besetzt,nämlich DBV,MIV und DRV.Der BDM war außen vor.Letztendlich haben diese Drei die Sektorstrategie 2030 in ihrer Form so beschlossen.Und diesen Beschluß kann und will der BDM nicht mittragen,da dieser in letzter Konseqenz dem Milchmarktproblem nicht gerecht wird

von Gerd Uken

War das nicht

Von Anfang an klar so wie der Lenkungsausschuss besetzt war?

von Martin Siekerkotte

Julia

Bitte 148 umsetzen unsere letzte Chance Respekt Schmal hat Politik gegen 148 belabert so haben Milch Bauern keine Zukunft

von Georg Vogel

Viel heise Luft und am ende bleibt alles beim alten der Bauer zahlt die zeche ????

von Renke Renken

Mehr als nebulöses Interview

alles kann, nichts muß, nichts soll, keiner will und niemand weiß was genaues - und dann dazu in 5 Jahren eine Halbzeitbewertung. 100 Leute in 50 Arbeitssitzungen und mit einer Lenkungsgruppe - und die nächste Krise (hoffentlich kommt sie nie) wird wieder auf unserem Rücken ausgetragen.

von Gerd Uken

Was bleibt ist Kopf schütteln

Beim Beispiel Friesland Campina was er ja an führt wurde die Menge zurück gefahren um eine bessere Wertschöpfung zu erhalten und aus Verlustmärkten hält man sich raus, Hongkong u. Pakistan. Bin mal gespannt was Frau Klöckner jetzt über 148 sagt , alles i. O.? Es kann doch nicht angehen das wir unter Gestehungskosten produzieren, unsere Molkereien aber ja ihre Gewinne noch einfahren. Eins dürfte ja klar sein bei einer AG wollen die Anteilseigner Geld sehen. Bei den ganzen Programmen die jede Molkerei für sich ihren Mitgliedern auf legt geht’s nur darum sich von anderen zu unterscheiden und so schwerer Vergleichbar zu machen. Aktuell hat Friesland Campina ihre Molkereistandardwerte nach oben korrigiert- indirekte Preissenkung! Verbindlich Menge in kg u. Preis festsetzen, das wäre ein guter Anfang gewesen ,aber jetzt müssen wir wieder 5 Jahre warten?

von Steffen Hinrichs

Enttäuschung auf ganzer Linie

Der Milcherzeuger bleibt nur Lieferant und damit in der Hierarchie ganz unten als Restgeldempfänger .

von Rudolf Rößle

Börse

dort kann nur ca 10 Prozent der nationalen Gesamtmenge der Mengen abgesichert werden, weil es sich dort um die Spottmarktmilch handelt. Sinnvoll wäre aus Molkereisicht langfristige Verträge mit anderen Molkereien zu haben, um nicht jedes Produkt selbst herstellen zu müssen. Zur Zeit besteht der Trend, dass sich Molkereien gegenseitig Marktanteile wegschnappen, durch ihre neu aufgelegten Programme. Privatmolkereien sind dort sehr ehrgeizig. Bin mal gespannt auf den Papiertiger und die Stellungnahme des BDMs.

von Gerd Schuette

und auf die Frage wie die Landwirte zukünftig in der Wertschöpfungskette bessergestellt werden soll, antwortet Herr Schmahl nebulös und mit wenig Inhalt und zum Schluss bleibt ein Vertrösten auf später. "Es wird in Zukunft Molkereien geben, die zu wenig Milchlieferanten haben."

von Gerd Schuette

Da wird tatsächlich versucht die Börsenabsicherung als Kriseninstrument zu verkaufen. Das ist sie nicht. Die Milchpreisabsicherung an der Börse ist nur ein Glättungsinstrument.

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