Breites Bündnis präsentiert Label für Weidemilch

Gestern hat auf dem Hof Hanken in der Wesermarsch ein breites Bündnis verschiedener Organisationen das neue Gütesiegel „Pro Weideland – Deutsche Weidecharta“ vorgestellt. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat das Label enthüllt und gab den Startschuss für die Vermarktung.

Anlässlich des ersten Weideaustriebs 2017 auf dem Hof Hanken in der Wesermarsch hat gestern ein breites Bündnis verschiedener Organisationen das neue Gütesiegel „Pro Weideland – Deutsche Weidecharta“ vorgestellt.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat das Label enthüllt und gab den Startschuss für die Vermarktung. In Zusammenarbeit mit Landwirtschafts-, Umwelt- und Tierschutzverbänden, Wissenschaft und Politik wurden in den letzten drei Jahren Kriterien für Weidemilch- und Weidemilchprodukte erarbeitet. Das Label kennzeichnet Milch sowie Milchprodukte, die durch Weidehaltung produziert werden und soll dazu beitragen, die Weidehaltung zu erhalten. Ab Montag, dem 24. April, wird das Label erstmals auf Milchprodukten im Handel sein. Träger des Labels ist das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V.. Das Grünlandzentrum wurde dazu mit Projektmitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert.
 
Die Weidehaltung in der Milchviehhaltung hat sich in den letzten Jahren zugunsten der Stallhaltung deutlich verringert. Verschiedenen Prognosen deuten darauf hin, dass dieser Trend darauf hinauslaufen kann, dass in 10 bis 15 Jahren der überwiegende Anteil der Milchkühe ganzjährig im Stall gehalten wird. Andererseits ist die Weidehaltung eine Produktionsform, für die sich die Gesellschaft ausspricht: Der überwiegende Teil der Gesellschaft möchte sich eine Landwirtschaft ohne weidende Kühe nicht vorstellen. Umfragen deuten zudem darauf hin, dass die Gesellschaft bereit ist, für Produkte aus Weidehaltung, die entsprechend deklariert sind, einen Mehrpreis zu zahlen.
 
Der Vermarktungsansatz, der hinter dem Label steht, zielt darauf ab, die Vielfalt der landwirtschaftlichen Produktionssysteme in der Milchviehhaltung zu erhalten. Es sollen Produkte aus Weidehaltung entsprechen deklariert und zu einem höheren Preis im Lebensmitteleinzelhandel angeboten werden, ohne jedoch die
verschiedenen Produktionssysteme gegeneinander auszuspielen. „Dort, wo es Sinn macht und dort wo sich Landwirte aufgrund ihrer Fähigkeiten und insbesondere aufgrund der Verfügbarkeit notwendiger Standortfaktoren in der Lage sehen, Weidehaltung durchführen zu wollen, dort muss Weidehaltung auch eine wirtschaftliche Zukunft haben“, sagt Dr. Arno Krause, Geschäftsführer des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen, der mit seinen Mitarbeitern den dreijährigen Moderationsprozess maßgeblich gestaltet hat.

„Das System basiert auf Freiwilligkeit ohne dass Stallhaltungssysteme, die auch zu unseren Systemen gehören, diskreditiert werden“, ergänzt Anne Francksen, Leiterein des Projekts Weideland Niedersachsen, das mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wurde. Die Herausforderung für unseren deutschlandweiten Ansatz wird sicherlich darin bestehen, die Ansprüche der Gesellschaft mit dem Verhalten der Konsumenten zu synchronisieren. Wir hoffen darauf, dass der Anteil der Konsumenten, die diese gelabelten Produkte kaufen, mindestens genauso groß ist, wie der Anteil der Gesellschaft, die sich in Umfragen zu dem Kauf entsprechender Produkte erklärt haben. Dafür haben wir ein breites Bündnis aus mehr als 20 Organisationen geschaffen, das die Werthaltigkeit unseres Labels unterstreicht.

Breites Bündnis steht hinter Label
20 Organisationen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Umwelt-, Natur-, Verbraucher- und Tierschutz haben an der Zielsetzung der Weidecharta Norddeutschland gearbeitet. Diese Organisationen haben im Oktober 2015 eine gemeinsame Charta gezeichnet, die die Grundlagen des Labels festlegt. Zu diesen Organisationen, die die Charta gezeichnet haben, gehören neben dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) auch die Welttierschutzgesellschaft e.V. sowie Molkereien und Vertreter aus Wissenschaft und Politik. „ Wir freuen uns, dass die Zahl der Organisationen, die die die Charta unterschrieben haben, stetig wächst – mit fünf weiteren Zeichnern sind es jetzt 25 namhafte Organisationen – dazu zählt auch das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein“, betont Dr. Krause.
 
Transparenz für Weidemilch schaffen
In den Regalen vieler Einzelhändler wird vermehrt Weidemilch angeboten, obwohl es bisher keine festgelegten Kriterien für dessen Herstellung und Verarbeitung gibt. Oft bezieht sich die Herstellung auf die Festlegung einer Mindestbeweidungsdauer von 120 Tagen mit jeweils 6 Stunden pro Tag. Der Ansatz des Pro Weideland – Deutsche Weidecharta Labels geht dabei deutlich über diese Kriterien hinaus.
Es steht für folgende Kriterien:

  • Die Milchkuh steht mindestens 120 Tage für 6 Stunden pro Tag auf der Weide
  • Pro Milchkuh müssen insgesamt 2000 m2 Grünland vorhanden sein. 1000 m2 Grünland steht jeder Milchkuh in Hofnähe für die Beweidung zur Verfügung
  • Eine ganzjährige Bewegungsfreiheit ist zu gewährleisten
  • Die vorzuhaltende Fläche ist als Dauergrünland definiert
  • Die Fütterung ist gentechnikfrei
 
Darüber hinaus müssen sich teilnehmende Molkereien verpflichten, die Milch getrennt zu sammeln und zu verarbeiten.

Das Grünlandzentrum hat die Produktionskriterien, die hinter dem Label stehen sowie weitere erläuternde Informationen im Internet unter www.proweideland.de veröffentlicht.
 
Als erste Molkerei wird die Molkerei Ammerland einen Teil ihrer Milch als Weidemilch unter dem neuen Label Pro Weideland auf den Markt bringen.

Ein Interview mit Dr. Arno Krause lesen Sie in der neuen top agrar-Ausgabe 5/2017, die Ende dieser Woche erscheint.


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