"Brot für die Welt – Milch auch?"

Zu einer lebhaften und kontroversen Diskussion kam es auf dem 10. „Forum Milch NRW“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen in Werl.

Zu einer lebhaften und kontroversen Diskussion kam es auf dem 10. „Forum Milch NRW“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen in Werl.

Zunächst machte Wilhelm Brüggemeier, Westfälischer Vorsitzender der LV Milch NRW, deutlich, dass die heimische Milchwirtschaft sowie der weltweite Handel mit Milchprodukten aktuell wieder im Mittelpunkt gesellschaftspolitischer Diskussionen stehe. Das Anwachsen der Weltbevölkerung um 3,0 auf 9,7 Milliarden Menschen sei eine Herausforderung, die Chancen und Risiken für die Milchbranche bedeute.

Leider habe sich in der aktuellen Milchkrise gezeigt, dass der Weltmarkt große Risiken birgt und es sich lohnt, wieder mehr Augenmerk auf die heimischen Märkte zu legen. Das sagter Peter Hettlich vom Landwirtschaftsministerium NRW in seinem Grußwort. In der Summe würde es den Bäuerinnen und Bauern weder hier noch in der Welt helfen, wenn es nur darum geht, Übermengen abzusetzen. In Ländern der Dritten Welt sei die Gefahr einfach zu groß, die dortigen Strukturen zu zerstören und auch hierzulande seien die Preise nicht auskömmlich.

Nach der Abschaffung der Milchquote führe die weitere Intensivierung der Milchproduktion zu einer Überproduktion und damit zu einem ruinösen Preisverfall. Ein Teil der Überschüsse werde als Milchpulver zu
Tiefstpreisen nach Afrika exportiert. Mit dieser billigen Milch könnten lokale Milchproduzenten z. B. in Burkina Faso nicht konkurrieren. „Sie verlieren so ihr Einkommen und damit ihre Lebensgrundlage. Diese Entwicklung muss gestoppt werden“, forderte Katja Breyer von „Brot für die Welt“.

Dr. Malte Rubach hat sich in seinem Buch „Plädoyer für die Milch“ intensiv mit dem Lebensmittel auseinandergesetzt. Er vertritt die Ansicht, Milch sei kulturübergreifend und weltweit eines der wichtigsten
Grundnahrungsmittel. Milch und Milchprodukte lieferten sowohl in Entwicklungs-, Schwellen- und entwickelten Ländern einen hohen Gesundheitswert bei vergleichsweise guter Ökoeffizienz. "Milch für die Welt" sei insofern die richtige Richtung, wenn die Mengen nach Bedarf produziert und verteilt werden.

In der aktuell in Deutschland geführten Debatte um die Ausrichtung der deutschen Milchwirtschaft erstaunen den Berliner Agenturchef (res PR) und Branchen-Kommunikationsexperten Armin Huttenlocher zwei Aspekte: Zum einen, dass Vorbehalte und Einwände gegen eine Exportorientierung vor allem von Parteien und Politikern erhoben werden, die ansonsten für sich in Anspruch nehmen, das Wohl von Mensch und Menschheit über alle anderen Interessen zu stellen; die aber die Frage konsequent ausklammern, wie die Ernährung der Menschheit in Zukunft funktionieren soll, vor allem in Regionen ohne ausreichende,
landwirtschaftliche Ressourcen. Zum anderen, dass es die Milchwirtschaft selbst bislang weitestgehend versäumt habe, schlüssige Konzepte einer Exportwirtschaft zu entwickeln und konsequent umzusetzen, die anderes bedeuten würde, als nur Ware aus Deutschland um den halben Globus zu transportieren und dadurch wenig mehr zu erreichen, als neue Abhängigkeiten zu erzeugen – beim Abnehmer ebenso wie beim Lieferanten.

Der Leiter des chinesischen Marktentwicklungsprogramms, Atze Schaap von Royal FrieslandCampina, wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass Milch eine zentrale Rolle für die Lebensmittelversorgung einer
wachsenden Weltbevölkerung spielt. In Asien und Afrika reiche die lokale Milchproduktion bei weitem nicht zur Deckung des Eigenbedarfs. Export auf Basis dauerhafter Beziehungen sei sehr wohl im Interesse der Verbraucher und könne ebenfalls den europäischen, asiatischen und afrikanischen Milchviehhaltern nützen.

Als Vertreterin der Milcherzeuger brachte sich Kristina Schmalor aus Sundern in die Diskussion ein. "Deutschland bietet uns Idealbedingungen für eine nachhaltige, leistungsstarke und hochwertige Milchproduktion. Im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung müssen wir diese wertvollen Ressourcen nutzen – Voraussetzung ist aber eine nachhaltige, grundgebundene und verbraucherakzeptierte Milchproduktion.“

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