Zukunftspläne

Der große Bauer: Interview mit dem neuen Molkereichef

Die Weiße Linie ist das Flaggschiff der Privatmolkerei Bauer und Klaus Ahrens der neue Kapitän am Innovationsruder. Wir sprachen mit ihm über den Markt und die Zukunft.

Seit Anfang März ist Klaus Ahrens Leiter Marketing & Innovation der Privatmolkerei Bauer in Wasserburg am Inn. 130 Jahre Firmengeschichte wollen weitergeschrieben werden – mit so bekannten Joghurtklassikern wie „Der Große Bauer“, aber auch die neue pflanzliche Alternative „GrünKraft“.

Klaus Ahrens soll bei Bauer „eine wichtige Schlüsselposition besetzen“, heißt es von der Inhaberfamilie. Lebensmittel Praxis sprach mit ihm über seinen Ansatz, die Erfolgsgeschichte der Molkerei fortzuschreiben, über die Konkurrenz mit Handelsmarken und die Besonderheiten eines Familienunternehmens.

LP: Herr Ahrens, Sie bringen eine Menge Erfahrung bei namhaften Markenartiklern wie Kraft Foods, Hochland, Lactalis und zuletzt beim Süßwarenhersteller Heidi Chocolat mit. Was reizt Sie an der Arbeit als Director Marketing und Innovation bei der Privatmolkerei Bauer?

Klaus Ahrens: Für mich waren zwei Bereiche ausschlaggebend: Das Portfolio der starken Marken bei Bauer ist beeindruckend, nicht nur „Der Große Bauer“, sondern beispielsweise auch Mövenpick oder ganz aktuell „GrünKraft“. Aber auch gerade die handelnden Mitarbeiter.

Für mich ist es ganz wichtig, dass ich bewegen kann, dass ich schnelle Entscheidungsab folgen habe, dass etwas vorangeht. Das ist bei mittelständischen Unternehmen wie Bauer absolut gegeben: große Entscheidungsfreiräume und eine sehr professionelle Art, mit Zahlen, Daten und Fakten umzugehen.

Es ist typisch Mittelstand. Und ich kann hier auf meine Erfahrungen aus der Gelben und Weißen Linie aufbauen. Da kann ich viel einbringen. Nach jetzt drei Monaten habe ich das Gefühl, es passt fachlich und persönlich sehr gut. Und darüber bin ich sehr glücklich.

LP: Ist das dieser große Unterschied zwischen einem mittelständischen Familienunternehmen und Konzernen, für die Sie ja auch schon tätig waren?

Ahrens: Das ist ein Riesenunterschied. Bis 2011 habe ich nur in Konzernen gearbeitet, angefangen bei Philip Morris, Knorr und knapp 13 Jahre bei Mondelez. Eine spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe. Große Unternehmen haben manchmal aber einen Nachteil. Entscheidungswege können sehr lang sein. Für jemanden, der operativ und gestaltend arbeiten will, ist das dann nicht mehr so einfach.

2011 war deshalb für mich der Zeitpunkt gekommen, wo ich aus den großen Strukturen raus wollte, um wieder mit vollem Einsatz Marketing machen zu können. Damals bin ich zu Hochland gewechselt und habe genau das vorgefunden – genauso wie jetzt bei Bauer.

LP: „Der Große Bauer“ ist das Aushängeschild Ihres Unternehmens seit jetzt über 45 Jahren. Wie viel Innovationskraft sehen Sie weiterhin in diesem Joghurt- Klassiker?

Ahrens: Die Innovationskraft hängt immer davon ab, was man daraus macht. Den „Großen Bauer“ gibt’s so lange am Markt. Das zeigt ja schon, dass es genau das ist, was die Konsumenten wollen. Der „Große Bauer“ hat durch seine Produktqualität, aber auch sein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis einen festen Platz im Kühlregal geschaffen. Uns ist es wichtig, den Konsumenten in den Mittelpunkt zu stellen, zuzuhören und das in Innovation umzusetzen. Ich bin überzeugt davon, dass wir noch sehr viel an Innovationskraft in den nächsten Jahren zeigen werden, nicht nur beim „Großen Bauer“, sondern auch bei unseren weiteren Marken.

LP: In diesem Frühjahr hat Bauer mit „GrünKraft“ erste Schritte in den Bereich der pflanzlichen Alternativen gemacht. Wie ist die Resonanz im Lebensmittel-Einzelhandel auf die neue Produktlinie?

Ahrens: Die Resonanz war unheimlich stark, weil das Konzept „GrünKraft“ wirklich durchdacht ist. Sie haben eine regional verankerte Joghurtalternative, und die Haferbasis kommt zu 100 % hier aus Bayern. Gerade im Käsebereich haben Sie ein hervorragendes Geschmackserlebnis, weil die Alternativen auf Olivenölbasis hergestellt werden. Und das liegt uns am Herzen: Geschmack, Genuss und Qualität wollen wir auch im veganen Bereich umsetzen. Das ist uns bisher gut gelungen.

Aber die Segmente sind sehr dynamisch, da passiert unheimlich viel. Beinahe täglich, wöchentlich findet man dort neue Produkte. So lernen auch wir immer dazu. Ich finde das...