Gespräche mit dem Handel

„Die Milch-Ergebnisse des Agrardialogs dürfen nicht verloren gehen“

Vor allem Milchviehhalter aus dem Agrardialog sperren sich gegen eine Mitgliedschaft in der Koordinationszentrale Handel Landwirtschaft. BDM-Mitglied Elmar Hannen erklärt im Interview warum.

Herr Hannen, der BDM und andere Milch-Organisationen gehen im Gegensatz zu anderen Agrardialog-Teilnehmern nicht in die Koordinationszentrale Handel-Landwirtschaft (ZKHL). Ist die Situation der Milcherzeuger nicht so schlimm?

Hannen: Doch, sie ist dramatisch! Auch hier am Niederrhein hören gut geführte Milchviehbetriebe auf, weil sich das Melken nicht mehr rechnet und sie keine Perspektive sehen. Das gilt bundesweit. Deshalb dürfen unsere Milch-Ergebnisse des Agrardialogs nicht verloren gehen. Diese Gefahr sehen wir aber in der ZKHL.

Welche Ergebnisse kann die „AG Milch“ des Agrardialogs denn vorweisen? Die „AG Schwein“ hat die 5XD-Diskussion mit angeschoben…

Hannen: Erstmals haben Vertreter von Erzeugern, Verarbeitern und dem Handel an einem Tisch gesessen. Und wir haben gemeinsam nach Lösungen gesucht, wie es einen besseren Ausgleich und einer besseren Verteilung in der Wertschöpfungskette Milch kommen kann.

Austausch ist gut, aber was können Sie handfestes vorweisen?

Hannen: Die konkrete Idee einer Produkt-Partnerschaft zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Handel. Denn die Dreier-Kombination ist ideal: Der Handel weiß genau, was der Kunde will. Die Verarbeiter sowie die Erzeuger können genau das in höchster Qualität liefern. Und am Ende bekommen alle einen gerechten Preis.

Der gerechte Milchpreis soll wie gelingen?

Hannen: Die Rahmenvereinbarung zur Produkt-Partnerschaft läuft über drei bis fünf Jahre. Es gibt einen unverhandelbaren Sockel-Basismilchpreis sowie Milchpreis-Zuschläge für Mehrwerte. Der Basis-Milchpreis leitet sich aus Marktindikatoren ab, die eine unabhängige Stelle beispielsweise viertel- oder halbjährlich berechnet. So sind extreme Steigerungen bei den Produktionskosten wie aktuell berücksichtigt. Der Sockel-Basismilchpreis ist unverhandelbar, er kommt auf jeden Fall auf den Konten der Milcherzeuger an und ist quasi die Grundsicherung. Wenn Verbraucher nach...


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