Besuch in den Bergen

Älpler - ein idyllischer Knochenjob

Die Redakteurin Alina Schmidtmann tauchte für kurze Zeit ins Älplerleben der Familie Pfyl auf der Alp Tröligen ein. Mit Blasen an den Händen und allergrößtem Respekt im Gepäck kehrte sie zurück.

Ein Wochenende auf einer Alp – das wollte ich unbedingt erleben bei meinem vierwöchigen Schweiz-Aufenthalt in der Redaktion des Landfreunds. Meine Vorstellung: ein idyllisches Leben zwischen Braun- und Fleckviehkühen, fern von jedem Alltagsstress.

Die Tatsache, dass fast alles in Handarbeit passiert, hatte ich ehrlicherweise etwas ausgeblendet. Älpler Oskar Pfyl von der Alp Tröligen und seine Familie nahmen mich für ein Wochenende auf. Oskar lebt dort den Sommer über gemeinsam mit seiner Frau Marianne, seinen vier Kindern und seinen Eltern sowie zwei Lehrlingen, einer Angestellten und einer deutschen Helferin. Direkt angeschlossen seine kleine Käserei, gegenüber der Stall. Die Alpsaison begann in diesem Jahr am 12. Juni.

Melken auf der Wiese

Es ist Samstagmorgen, 4.45 Uhr, mein Wecker klingelt. Ich springe ins Bad, nur schnell die Zähne putzen, dann rein in die Klamotten und runter auf den Hof. Marina Bertolo, Mitarbeiterin bei Oskar Pfyl, hat bereits drei Melkgeschirre und drei große Milchkannen ins Auto gepackt.

Pünktlich um 5 Uhr fahren wir zusammen mit Ronya, die im zweiten Lehrjahr ist, zum Melken. Normalerweise stehen die 22 zu melkenden Braunviehkühe rund um die Alp auf den Weiden und kommen zum Melken in den Stall. Aktuell ist der Weg dafür zu weit.

Wir fahren in rasantem Tempo 10 min über holprige Straßen bis zur Wiese. Es ist noch halb dunkel. Die Kühe sind nur schemenhaft zu erahnen, aber ihre Glocken sind gut zu hören. Die braunen Tiere mit den langen Hörnern warten bereits. Wir holen sie in den Melkstand: eine Betonplatte mit Anbindeketten. Immer sechs Kühe haben gleichzeitig Platz. Zu dritt melken wir die Kühe vor und machen die Striche mit Holzwolle sauber.

"Wir legen ganz viel Wert auf perfekt saubere Striche. Das ist wichtig für guten Käse", erklärt mir die 25-jährige Marina. Dann werden die Striche massiert, erst dann das Melkgeschirr angesetzt. Die Kühe stehen still, das Melken ist entspannt. Die Milchleistung der Kühe liegt bei rund 6.000 kg im Jahr. Langsam geht die Sonne über den Bergspitzen auf – was für ein schöner Tagesstart.

Etwa um 6.30 Uhr haben wir alle Kühe gemolken und machen uns auf den Rückweg. Jetzt heißt es: Schnell die Milch in den Tank füllen, die Melkgeschirre und alle Eimer reinigen. Bis 8 Uhr bringen acht andere Älpler ihre Milch zu Oskar. Er zahlt den Bauern pro Kilo Milch 80 Rp.

Käse aus 2.000 Kilo Milch am Tag

Oskar ist bereits seit 4.30 Uhr am Käsen: Er dreht die kleinen und großen Käse in der Presse um und bringt sie in die Schatzkammer, den Käsekeller. Nun füllt er die Milch seiner Kühe in den Tank. Er nimmt jeden Tag eine Probe. Bei Käse muss er genau wissen, was für Inhaltsstoffe die Milch hat und welche Zellzahlen.

Der Älpler verarbeitet täglich rund 2.000 kg Milch zu Käse und Joghurt. Er erklärt: "Ich brauche etwa 10 kg Milch für 1 kg Käse." Er verarbeitet nur auf der Alp erzeugte Milch.

Herzliches Miteinander

Um 8 Uhr heißt es für uns frühstücken. Marianne und Oskars Mutter haben bereits den Tisch gedeckt, die ganze Familie sitzt beisammen. Es gibt frischen Kaffee, warme Milch, duftendes Brot und viel Käse. Alle genießen sichtlich die erste Mahlzeit am Tag.

Oskar verteilt derweil die Aufgaben für den Tag, zwischendurch ist er immer wieder...