München

Entscheidung im „Kuhglockenstreit“ zugunsten der Bäuerin

Rinder dürfen mit Kuhglocken auf die Weide. Das hat das Oberlandesgericht München im Berufungsverfahren klargestellt. Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner sagte dazu: "Zugezogene müssen Gepflogenheiten der Menschen auf dem Land akzeptieren. Klagen gegen Kirchenlärm, Kuhglocken und Hähnekrähen treiben einen Keil in das Miteinander auf dem Land."

Im sogenannten „Kuhglockenstreit“ von Holzkirchen hat das Oberlandesgericht München am vergangenen Mittwoch (10.4.) zugunsten der beklagten Bäuerin entschieden. Damit dürfen die Kühe von Regina Killer auch in diesem Sommer wieder mit Kuhglocken um den Hals auf der Weide neben dem Haus eines zugezogenen Ehepaares gehalten werden, das dem Gebimmel seit mehreren Jahren gerichtlich ein Ende setzen will.

Die beiden Ehepartner waren in getrennten Prozessen zunächst in erster Instanz vor dem Landgericht München II gescheitert, unter anderem weil die Richter die von den Klägern angeführte Ortsunüblichkeit des Kuhglockengeläuts angezweifelt hatten. Es gehe lediglich um fünf bis acht Kühe auf einer etwa 1 ha großen Weide, führten die Richter damals zudem aus. Ferner verwiesen sie auf einen 2015 zwischen dem Ehemann und der Bäuerin erzielten Vergleich, wonach die Tiere eine bestimmte Distanz zum Wohnhaus der Kläger einhalten müssen. Damit sei bereits eine zeitlich unbegrenzte und auf das ganze Gebiet bezogene Nutzungsregelung getroffen worden.

In zweiter Instanz zog der Ehemann dann vor das Oberlandesgericht München und verlor nun erneut. Der Anwalt des Klägers kündigte an, eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) in Erwägung zu ziehen. Zudem bereite er das Berufungsverfahren der Ehefrau am Oberlandesgericht München vor.

Das jetzt gefallene Urteil wurde in der Politik begrüßt. Die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin und heutige Präsidentin des Bayerischen Landtages, Ilse Aigner, erklärte, dass Zugezogene die Gepflogenheiten der Menschen auf dem Land akzeptieren müssten. Klagen gegen Kirchenlärm, Kuhglocken und Hähnekrähen trieben einen Keil in das Miteinander auf dem Land. „Zu unserer ländlichen Lebensart gehört die Kuh auf der Weide - samt Kuhglocke“, betonte die CSU-Politikerin. Daher freue sie sich über das Urteil.

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

@Matthias Zahn -

so wie es aber mittlerweile aussieht oftmals leider zu selten. Aber genauso ist es doch eigentlich ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft, daß es zur Regelung dieses Streites eines Gerichtes bedarf, bzw. das Gericht dies als Streitsache überhaupt annahm. Allerdings kenne ich auch den Fall das eine Frau im Wasserwirtschaftsamt anrief und anfragte ob man nicht den Bach überbauen könne, weil das Wasser so rauscht und sie deshalb nicht schlafen könne. Da frage ich mich dann schon, man zieht aufs Land, weil man die ländliche Idylle haben möchte und dann paßt es auch wieder nicht. Das erschreckende dabei ist jedoch das solchen Leuten dann auch noch oft genug recht gegeben wird. Hier wird dann immer Rücksicht eingefordert. Komischerweise lassen diese Leute dann aber trotz ihres Neubürgerdaseins keinerlei Toleranz gegenüber den Alteingesessenen und deren Gepflogenheiten walten. Hier wird dann gerne darauf gepocht, gehofft, daß der Klüger nachgibt. Gebietet einem ja die Höflichkeit, besonders dem Neuankömmling gegenüber. Seitdem ich aber diesen Satz: "Der Klügere gibt nach" für mich noch relativiert und ergänzt habe mit: "solange, bis er der Dümmere ist" und deshalb, selbstverständlich nur aus reiner Höflichkeit, dem Anderen in dieser Hinsicht den Vortritt gerne überlassen würde, ist keiner darüber erbaut diesen Vorzug "genießen" zu dürfen. Komisch aber auch, da will jeder auf einmal dann lieber der Dümmere sein....

von Matthias Zahn

Na Gott sei Dank

In unseren Gerichten scheint der gesunde Menschenverstand doch noch irgendwo vorhanden zu sein....

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