Milchkuhhaltung

Eutergesundheit: Vorbeugen statt behandeln

Die Eutergesundheit ist in vielen Milchviehbetrieben ein wirtschaftliches Problem. Wo liegen die größten Risiken und wie lassen sich diese im eigenen Betrieb minimieren?

Unser Autor: Dr. Martin tho Seeth, Freren (Nds)

Eutererkrankungen verursachen Kosten durch Sperrmilch, reduzierte Leistungen und Behandlungen. Zudem führen sie zu einer erhöhten Arbeitsbelastung, zu vorzeitigen Abgängen der Tiere und zu einem vermehrten Einsatz von antibiotischen Präparaten. Um Eutererkrankungen vorzubeugen, ist es deshalb wichtig, die betriebsindividuellen Risikofaktoren zu analysieren und daraus zielgerichtet Maßnahmen abzuleiten.

Mit Kennzahlen zur Ursache

Ein wichtiges Hilfsmittel, um die Eutergesundheit überwachen und Problembereiche identifizieren zu können, sind die Eutergesundheitskennzahlen. Die sind seit ein paar Jahren fester Bestandteil im Bericht der Milchleistungsprüfung (MLP).

Mithilfe der Kennzahlen lässt sich im Blick behalten, wie hoch der Anteil eutergesunder Tiere in der Herde ist. Die Zahlen zeigen auch die Neuinfektionsrate in der Laktation, die Neuinfektions- und Heilungsrate in der Trockenstehzeit, die Erstlaktierendenmastitisrate sowie den Anteil der chronisch euterkranken Tiere mit schlechten Heilungsaussichten.

Wenn Probleme bei der Eutergesundheit auftreten, wie steigende somatische Zellzahlen oder vermehrt klinische Mastitiden, zeigen die Kennzahlen, wo die möglichen Ursachen liegen. So lassen sich Risikofaktoren suchen und gezielt minimieren.

Infizieren sich beispielsweise vermehrt Tiere in der Trockenstehzeit, so sollten Betriebsleiter zunächst die Hygiene während des Trockenstellens sowie die Haltungshygiene im Trockensteher- und Abkalbebereich hinterfragen.

Wenn hingegen der MLP-Bericht zeigt, dass viele Erstlaktierende mit erhöhten Zellzahlen (>100.000 Zellen pro ml) in die erste Laktation starten, empfiehlt es sich, zum Beispiel die Hygiene der Färsenhaltung zu prüfen. Darüber hinaus können auch eine mangelnde Vitamin E- und Selenversorgung sowie ein hohes Erstkalbealter, Euterödeme oder auch Probleme beim Anmelken eine Ursache sein.

Die Kennzahlen helfen also dabei, Problembereiche und die entsprechenden Risikofaktoren zu identifizieren. So lassen sich gezielt Maßnahmen ableiten und unnötiger, wenig zielgerichteter Aufwand reduzieren. Ob die eingeleiteten Änderungen bei Haltung oder Management erfolgreich sind, lässt sich dann ebenfalls anhand der Entwicklung der Kennzahlen kontrollieren.

Erreger geben Hinweis

Um Eutererkrankungen vorzubeugen ist es auch wichtig zu wissen, welche Mastitiserreger im Betrieb eine Rolle spielen bzw. wo diese vorkommen und welche Infektionsschwerpunkte es gibt.

Schließlich liegt der Fokus bei umweltassoziierten Erregern (z.B. E.coli, Klebsiellen, Streptococcus uberis) eher darauf Neuinfektionen im Stall zu verhindern. Landwirte erreichen das zum Beispiel mit einer verbesserten Hygiene von Liege- und Laufflächen. Bei Problemen mit kuhassoziierten Erregern (z.B. Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae), die vor allem beim Melken übertragen werden, ist die Hygiene im Melkstand wichtig. Jedoch kann es auch vorkommen, dass sich Mastitiserreger nicht an deren Einteilung in kuh- oder umweltassoziiert halten. Das sollten Landwirte im Hinterkopf haben.

Die Untersuchung von Milchproben liefert nicht nur Infos über die beteiligten Mastitiserreger sondern auch über die Resistenzsituation im Betrieb. Wie die Ergebnisse zu interpretieren sind und was die passende Diagnostik ist, kann am besten die betreuende Tierarztpraxis beantworten.

Management hinterfragen

Auf die Eutergesundheit eines Milchviehbetriebes wirken viele verschiedene Faktoren ein. Neben gesunden sowie abwehrstarken Tieren und einer funktionierenden Melktechnik, spielt auch die tägliche Arbeitsroutine eine wichtige Rolle.

Daher sollten Milcherzeuger regelmäßig Arbeitsabläufe kritisch hinterfragen und überprüfen. Beispielsweise gibt die Sauberkeit der Tiere Hinweise darauf, wie gut Liegeboxen gepflegt und Laufgänge sauber gehalten werden. Eine Kontrolle der Zitzensauberkeit vor dem Ansetzen der Melkgeschirre zeigt, wie gut die Reinigung funktioniert hat. Die Zitzenkondition gibt Hinweise auf mögliche Probleme im Melkprozess. Wer feste Kriterien, Ziele und Grenzwerte festlegt, kann die tägliche Arbeit immer wieder hinterfragen und bewerten.

Viele Faktoren beeinflussen die Eutergesundheit. Die Eutergesundheitskennzahlen, eine gute Diagnostik und das regelmäßige kritische Hinterfragen der Arbeit helfen dabei, die Gesundheit der Kühe im Blick zu behalten. Wenn Probleme auftreten, sind so zielgerichtete Maßnahmen möglich. Letztendlich heißt das: Wer Probleme frühzeitig erkennt, kann die vorhandene Arbeitskraft effektiv nutzen.

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