Berlin

Gebühren für Tierärzte und Notdienst steigen

Das Bundeskabinett hat die Änderung der Tierärztegebührenordnung beschlossen. Für die Tierhaltzer steigen damit die Kosten. Welche, lesen Sie hier...

Das Bundeskabinett hat die von der Bundesagrarministerin Julia Klöckner vorgelegte Vierte Verordnung zur Änderung der Tierärztegebührenordnung beschlossen.

Die neue Verordnung soll dazu beitragen, die finanzielle Situation der Praxen zu verbessern. Das sei vor allem wichtig, um den tierärztlichen Notdienst zu gewährleisten, heißt es. Aber auch die Arbeit in den Nutztierpraxen auf dem Land kann laut Klöckner dadurch attraktiver werden, denn dort fehlen regional bereits Tierärzte.

Enthalten ist eine neue Gebührenstruktur für den tierärztlichen Notdienst. Für Leistungen während dieses Dienstes wird etwa eine Grundgebühr von 50 Euro eingeführt. Außerdem verlängert sich die Nachtzeit um zwei Stunden. Sie beginnt bereits um 18 Uhr und endet um 8 Uhr des Folgetages. Die Verordnung geht einer allgemeinen Überarbeitung der gesamten Tierärztegebührenordnung voraus, die das Ziel hat, die Einkommensstruktur in Tierarztpraxen adäquat zu gestalten.

Zusammengefasst sieht die Verordnung vor:

  • Für Leistungen während des Notdienstes wird eine Notdienstgrundgebühr in Höhe von 50 Euro eingeführt und es ist nunmehr mindestens der zweifache Gebührensatz anzusetzen.

  • Zusätzlich wird die Möglichkeit eingeräumt, abhängig vom Aufwand den vierfachen Gebührensatz abrechnen zu können.

  • Die Nachtzeit wird um zwei Stunden verlängert, indem sie bereits um 18 Uhr (vorher: 19 Uhr) eines Tages beginnt und um 8 Uhr (vorher: 7 Uhr) des Folgetages endet.

  • Der Beginn des Wochenendes wird von Samstag 13 Uhr auf Freitag 18 Uhr verschoben.

  • Das Wegegeld, das bei Besuchen der Tierhalter anfällt, wird vereinheitlicht und angepasst und beträgt nun 3,50 Euro pro Doppel-Kilometer, mindestens jedoch 13 Euro.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Denkt mal nach...

Als es vor ca. 20, 30 Jahren noch Interventionspreise gab, da war die Landwirtschaft ähnlich aufgestellt, wie heute die Tierärzte mit ihrer Gebührenordnung. Die Preise waren relativ fest, nur durch gute Arbeit und Produktion konnte man den Gewinn erhöhen. Dann wollte die Politik die Landwirtschaft an den Weltmarkt anpassen, "wettbewerbsfähig" machen. So gesehen stehen die Tierärzte heute immer noch da, wo die Landwirtschaft vor vielleicht 50 Jahren noch gestanden ist: in einem relativ abgeschotteten, geschützem "Markt". Politisch und wirtschaftlich betrachtet ist die Gebührenordnung somit ein überaltertes Relikt aus vergangener Zeit, die man "vergessen" hat, abzuschaffen.

von Günter Schanné

Kranke Kälber

Dem Beitrag von Lucia Egner folgend muss man annehmen, dass jedes Kalb krank wird. Ein Betrieb, in dem diese Annahme zutrifft, hat ohnehin ein sehr großes Problem und dringenden Tierarztbedarf. Es gibt zumindest bei uns in Bayern noch Milchviehbetriebe, in denen es den Kälbern gut geht- zumindest bis sie vom Bauern mit einem über 400° heißen Brenneisen ohne vernünftigen Grund grausam und rechtswidrig gequält werden. Für mich ist das pervers. Der Tierarzt hat eine hochkarätige medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung. Die tierärztliche Behandlung von landwirtschaftlichen Nutztieren ist nur ein Betätigungsfeld von vielen. Auch künftig eine tierärztliche Versorgung auf dem Lande zu erhalten, erfordert einen respektvollen Umgang mit Vertretern dieser Berufsgruppe. Dies drückt sich auch in einer angemessenen Honorierung ihrer Dienstleistungen aus. Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist auf die Tierärzteschaft, ihr Können und ihr Fachwissen, und auf das tierärztliche Dispensierrecht, dringend angewiesen. Kein Tierhalter ist imstande das gesetzliche Pflegegebot in § 2 Tierschutzgesetz zu erfüllen ohne seinen Hoftierarzt. Das Pflegegebot enthält die Verpflichtung zur tierärztlichen Behandlung kranker Tiere. Die Zeiten, in denen die Justiz bei Tiermisshandlungen in der Massentierhaltung weggeschaut hat, sind längst vorbei. Schon seit längerem gibt es in Oldenburg eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft Agrarkriminalität. Wird die Milch knapper steigt auch ihr Preis. Wenn ein Kalb geboren wird, hat der Bauer den Erlös für die Milch der frischmelkenden Kuh, die Ohrmarke bietet die grundsätzliche Möglichkeit das Kalb zu verkaufen. Tiere ohne Ohrmarken werden auf dem Schlachthof getötet und unschädlich beseitigt, weil ihre Herkunft nicht nachvollziehbar ist. Die Ohrstanzprobe ist eine preiswerte Methode die BVD-Freiheit des Kalbes nachzuweisen. Die Kosten für das Enthornen können nicht angeführt werden, weil das routinemäßige Enthornen ein rechtswidriger Eingriff ist, ein Verstoss gegen das grundsätzliche Amputationsverbot in § 6 Abs. 1 Satz 1 TierSchG. Und es gibt auch keinen vernünftigen Grund dafür. Nur den Erlös aus dem Verkauf des Kalbes den Kosten gegenüberzustellen ist zu kurz gedacht. Schließlich erhält jeder Bauer, weil wir höhere Umwelt-Tier-und Verbraucherschutzstandards in Europa haben, als Ausgleich für den Wettbewerbsnachteil, je Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche jährlich ca. 360€ aus dem EU-Haushalt geschenkt. Finanziert aus dem Umsatzsteueraufkommen der EU-Bürger. Niemand wird gezwungen Bauer zu sein. Unsere Landwirte sind nach Ansicht des BBV K.d.ö.R hochmotiviert und hervorragend ausgebildet. Wer mit seinem Bauerndasein unzufrieden ist, findet sicher eine Alternative im außerlandwirtschaftlichen Bereich. Berufszufriedenheit beruht nicht alleine auf dem Einkommen. Berufszufriedenheit gründet im Wesentlichen auf dem Ansehen des Berufsstandes in unserer Gesellschaft. Die zahlreichen Tierschutzskandale, selbst im idyllischen Allgäu, die Gülleverschmutzung der Umwelt, die Nitratbelastung unseres Trinkwassers, die Belastung der Natur mit Ackergiften, die maßlosen Forderungen der Berufsvertretung nach immer noch mehr Subventionen, die Uneinsichtigkeit der Berufsvertretung in längst überfällige Veränderungen in der Landwirtschaft (Düngeverordnung, Tierhaltungsverordnung), insbesondere in der Tierhaltung, und noch vieles mehr haben das Ansehen der konventionellen Landwirtschaft in unserer Gesellschaft massiv beschädigt. Die Untätigkeit der Politik hat diesen Eindruck noch vertieft.

von Lucia Egner

Faire Preise für Tierärzte und Bauern

Es ist den Tierärzten gegönnt, ein anständiges Honorar für ihre Arbeit zu erhalten. Doch was ist mit uns 'Bauern? Wenn ein Kalb geboren wird, hat der Landwirt die Kosten für die Besamung, die Ohrmarke, die Untersuchung der Ohrstanze, für´s Enthornen und Futterkosten. Wenn noch Tierärztliche Behandlung, Medikamente und Diättränke hinzukommen, ist es bei einem Erlös von 20, 50 oder gar Hundert Euro ein Draufzahlgeschäft. Hab noch von keinem Politiker gehört, dass sich da was ändern muss. Immer mehr Kälber landen deshalb in den TBA´s. Trauriges System.

von Hans Nagl

Was soll das

Warum soviel Daumen nach unten bei Günter Schanne er hat doch Recht. Nicht die Gebühren der Tierarzte sind das Problem sondern unsere unterirdischen Preise. Das Problem müssen wir wir und nur wir lösen.

von Günter Schanné

Der Tierarzt auf dem Lande

Der Beruf des Tierarztes wird vom Berufsrecht und seiner Standesethik geprägt. Die Änderung der Gebührenordnung gilt für ALLE Tierärzte, also auch für Kleintiermediziner und Pferdepraktiker. Der Tierarzt ist Dienstleister und erwirtschaftet sein Einkommen ausschließlich durch sein Können und sein Wissen. Im Gegensatz dazu besteht das landwirtschaftliche Einkommen nach Aussage des DBV e.V. zu 50 % aus Subventionen. Einen Zuschuss für Versicherungen wie die Bauern für die Dürreversicherung erhalten Tierärzte nicht. Der Tierarzt ist Problemlöser und in ländlichen Gebieten selten und wertvoll wie Diamanten. Milch und Fleisch sind Massenartikel, deren niedriges Erzeugerpreisniveau von der Lebensmittelindustrie in Kumpanei mit den Bauernverbandsfunktionären zementiert wird durch die Überschussproduktion. Ausnahme ist derzeit Schweinefleisch, weil es durch die ASP in China sehr begehrt ist. Die Preise der abgegebenen Tierarzneimittel werden nach der Arzneimittelpreisverordnung des Bundes bestimmt. Den Mangel an Ethik in der konventionellen Landwirtschaft kann jeder duchschnittlich mit Vernunft begabte daran erkennen, dass es wegen des Widerstandes der Verbandsfunktionäre nicht gelingt auf die chirurgische Kastration der Ferkel, das Schwanzkupieren der Ferkel, das Schwanzkupieren bei Lämmern, das sehr schmerzhafte Ausbrennen der Hornknospen bei Kälbern und das Kükentöten zu verzichten und das freie Abferkeln der Sauen einzuführen. Der Landwirt ist gesetzlich verpflichtet ein krankes Tier von einem Tierarzt behandeln zulassen (§ 2 Nr. 1 TierSchG). U. a. dafür erhält er die Agrarsubventionen aus dem EU-Haushalt. Bei Unterlassung erfüllt er den Ahndungstatbestand des § 17 Nr. 2b TierSchG. Wird ein Betrieb nach guter landwirtschaftlicher Praxis geführt, kommt es so selten zu Notfällen, dass sie wirtschaftlich kaum zu Buche schlagen.

von Steffen Hinrichs

Aus ethischen Gründen werden wir uns immer unseren Tieren widmen !

Aber aus wirtschaftlichen Gründen paßt vieles nicht mehr zusammen und man fühlt sich nicht mehr als Bauer berufen noch verstanden !

von Renke Renken

Das System ist am Ende

und krank, totkrank, und Politiker so hohl, dass man denkt, ein Quaderballen Stroh hat mehr Intelligenz

von Eugen Sauter

Warum funktioniert es bei den Tierärzten?

Gutes Geld gibts für gute Arbeit, die die meisten Tierärzte auch verrichten. Aber warum bemüht sich Frau Klöckner nicht genauso Mindestpreise für Milch, Fleisch etc. per Gebührenordnung festzulegen? Die Bauern würden im Gegenzug gerne auf die als Subvention bezeichneten Gelder verzichten, die eh nur zum Vorwurf gemacht werden. Zumal die Tierärzte noch die Aufschläge für die Medikamente konkurenzlos nebenher verdienen.

von Stephanie Winhard

Jedem das, was er verdient

Dann aber bitte für alle. Nachdem der aktuelle Preis für Kälber unterhalb des Anschaffungspreises eines Kanarienvogels liegt, werden sich zukünftig noch mehr Landwirte überlegen, ärztliche Hilfe für die nachts kalbende Kuh zu holen. Von Ziegen und Schafen ganz zu schweigen, deren wirtschaftlicher Wert unterhalb der Grundgebühr liegt. 50€ Grundgebühr, min. 13€ Anfahrt, 4-facher Satz... Wann kommt denn die Initiative, um den Beruf des Landwirtes attraktiver zu machen?

von Robert Frank

Zuschlag

Für Samstags und Sonntags verladene Tiere , Milch ?

von Hans Nagl

Warum ???

Liefern wir Milch Samstag, Sonntag, und Feiertage immer zum gleichen Spottpreis ab ??? Wann stellen wir eine Gebührenordnung auf ? Lösungen ?

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